Hülsenfrüchte sind leicht zu kultivieren und gelten als gesundes Powerfood

Bohnen mögen’s wohlig warm

Prunkbohne (auch Feuerbohne) „Phaseolus coccineus“.
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Prunkbohne (auch Feuerbohne) „Phaseolus coccineus“.

Bücken oder strecken? Das ist hier die Frage, zumindest wenn es bei Bohnen ans Ernten geht. Während buschig wachsende Sorten nur 30 bis 50 Zentimeter groß werden, kann das Pflücken reifer Stangenbohnen in luftigen Höhen bis zu drei Metern schon mal etwas Sportsgeist erfordern. Im Garten wachsen die Hülsenfrüchte problemlos.

Doch egal, ob gelbe oder grüne Hülsen, ob Busch- , Stangen- oder Feuerbohnen – bei ihrem Start ins Leben brauchen fast alle Sorten das Gleiche: Kuschelig warmen Boden, den es meist nicht vor Mitte Mai gibt. Lieber ein paar Grad mehr als zu wenig sollte die Erde haben, empfiehlt der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) in seiner Online-Kulturanleitung.

Rot-rosa Kerne: Buschbohne „Reade Krobben“.

Gartenbohnen benötigen zur Keimung mindestens zehn, besser zwölf Grad oder mehr, dann ist die Erde auch etwas abgetrocknet. Kommt zur Kälte noch Nässe hinzu, verfaulen die Bohnenkerne oft, anstatt zu keimen. Oder sie entwickeln sich nur langsam und kränkeln. Feuerbohnen gelten als etwas robuster und auch unter den Busch- und Stangenbohnen gibt es einzelne kältefeste Sorten, welche die Bezeichnung „Eisbohne“ auch im Sortennamen tragen. Einen früheren Start vertragen allein die Dicken Bohnen, die schon gelegt werden können, wenn der Boden „offen“, also frostfrei ist. Ihre Aussaatzeit liegt je nach Region zwischen Mitte Februar und Ende März.

Mit gelbem Auge: die „Wieringer Buschbohne“.

An den Hülsen zeigt sich die enorme Sortenvielfalt. Diese können gerade, gebogen oder, wie bei der Sorte „Gelbes Hörnchen“, sogar spiralig eingedreht sein und in allen Grüntönen sowie gelb, purpur und violett sowie einfarbig oder mit Zeichnung erscheinen.

Rot-weiß: Stangenbohne „Dynajec“.

Bohnen benötigen kalkhaltigen bis neutralen Boden (Gesteinsmehl im verwendeten Kompost wirkt günstig). Sie sind sogenannte Schwachzehrer, sollten also nicht in frisch gedüngten Boden gelegt werden. Den benötigten Stickstoff holen sie sich mit Hilfe der an ihren Wurzeln befindlichen Knöllchenbakterien aus der Luft im lockeren Boden. Deshalb können Bohnen auch in staunassem Boden nicht gedeihen. Die Saattiefe beträgt etwa zwei bis drei Zentimeter. Keinesfalls tiefer, was auch die alte Gartenweisheit, dass „Bohnen die Glocken läuten hören“ wollen, gut verdeutlicht. Für bessere Standfestigkeit können die Jungpflanzen später etwas angehäufelt werden.

Buschbohnen werden in Horsten gelegt (jeweils 4 bis 6 Körner in etwa 40 Zentimeter Abstand voneinander). Manche Buschbohnensorten („Einlochbohnen“) wachsen besonders kräftig verzweigt und werden deshalb einzeln und in 20 Zentimeter Abstand in Reihen gelegt.

Aus Bayern: „Bamberger Blaue Reiserbohne“.

Bei Stangenbohnen sät man 5 bis 7 Körner rund um eine stabile, mindestens zwei Meter hohe Rankhilfe herum aus. Mehrere Stangen können auch im Kreis angeordnet und oben wie ein „Tipi“-Zelt zusammengebunden werden. Die Jungpflanzen sind bei Schnecken beliebt und müssen nun regelmäßig gewässert werden. Vor allem in der Zeit von der Blüte bis zum Fruchtansatz haben sie den größten Wasserbedarf.

Info: Tipps für den Anbau von Bohnen gibt es unter nutzpflanzenvielfalt.de/kulturanleitungen. Dort kann auch Saatgut von privaten Erhaltern bestellt werden. Sage und schreibe 441 Bohnensorten stehen derzeit zur Auswahl. Wer Bohnen-Raritäten vor dem Aussterben bewahren will, kann beim VEN mitmachen.

Die schlimmsten Fehler bei der Aussaat:

Wenn Bohnen nicht keimen wollen, kann das viele Ursachen haben. Neben zu niedrigen Bodentemperaturen kann es auch daran liegen:

Saatgut zu alt: Die Keimfähigkeit von Bohnenkernen nimmt mit den Jahren ab. Saatgut ist laut Herstellerhinweis auf der Tüte je nach Sorte nur zwei bis drei Jahre haltbar.

Wassermangel: Damit Bohnenkerne in der warmen Erde quellen und keimen können, brauchen sie genug Feuchtigkeit. Einmal ausgetrocknet, sterben die Keimlinge ab.

Zu tief gesät: Bohnen sollten höchstens drei Zentimeter tief in der Erde liegen.

Beliebte Bohnensorten für den Garten

Bohnen sind randvoll mit Mineralstoffen, Vitaminen und Proteinen, zudem kalorienarm und reich an Ballaststoffen. Je nach Sorte wird die ganze Frucht mit Hülse oder nur der Kern verspeist. Alle Bohnensorten müssen vor dem Verzehr gegart werden, um bekömmlich zu werden. Die Auswahl ist riesig – über 700 Sorten sind bekannt. Der Boden wird durch ihren Anbau mit Stickstoff angereichert. Beliebt im Garten sind Feuerbohne/Prunkbohne (Phaesolus coccineus), Stangenbohne (Phaseolus vulgaris), Buschbohne (Phaseolus vulgaris var. nanus), Sau- oder Puffbohne (Vicia faba), Reiserbohne (Phaseolus vulgaris) und Sojabohne (Glycine max.).

In der deutschsprachigen Datenbank bohnen-atlas.de werden Sorten nicht nur nach Merkmalen wie Wuchsform, Blütenfarbe und Korngröße beschrieben und mit Fotos vorgestellt. Bohnen-Fans können auch eigene Erfahrungen beisteuern.

Tipps für Multikulti im Gemüsebeet gibt das Buch „Spriessbürger spezial“

Buchtipp: Multikulti im Garten und auf dem Teller

Dem neugierigen Gärtner ist nichts Fremdländisches fremd: Schließlich kamen viele heimische Kulturen einst als „exotischer“ Import übers Meer oder Landwege nach Europa – von der (südamerikanischen) Kartoffel über (afghanische) Rüben bis zum (ägyptischen) Kopfsalat: Gemüsebau war schon immer multikulti. Dank des Klimawandels sprießen bei uns mittlerweile auch wärmeliebendere Gemüsepflanzen und Salate. 45 noch weitgehend unbekannte, aber pflegeleichte (oft auch balkontaugliche) Sorten – kenntnisreich beschrieben und im eigenen Garten jahrelang getestet – stellt Eveline Dudda in ihrem Handbuch „Spriessbürger spezial“ vor. Wer hätte schon gewusst, dass sich Meterbohnen bei über 25 Grad erst wohlfühlen, Malabarspinat erst dann zur Hochform aufläuft und Erdbirnen selbst im Winter reiche Ernte liefern?

„Spriessbürger Spezial“ von Eveline Dudda, 264 Seiten, Spriessbürgerverlag, 22,50 Euro. 

(Gisela Busch)

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