Wohlgerüche vieler Pflanzen werden allerdings höchst unterschiedlich wahrgenommen

Im Duftgarten wird die Nase verwöhnt

Ein Bad im Meer der Blütendüfte: Im Kiesgarten von Cynthia Nagel in Felsberg-Rhünda buhlen olfaktorische Wogen von sommerblühenden Stauden um die Aufmerksamkeit schnuppernder Gartenbesucher. Geteilte Meinungen gibt es etwa über den stark duftenden Muscateller-Salbei (rechts im Bild), an dem keine Nase vorbeikommt.
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Ein Bad im Meer der Blütendüfte: Im Kiesgarten von Cynthia Nagel in Felsberg-Rhünda buhlen olfaktorische Wogen von sommerblühenden Stauden um die Aufmerksamkeit schnuppernder Gartenbesucher.

Dieser Duft! Man möchte unwillkürlich die ganze Nase in die Blüte hineinstecken und dann die Augen schließen, um das Feuerwerk der Moleküle mit allen Sinnen in sich aufzunehmen. Der Nase ist es nämlich piepegal, ob es sich bei dem Objekt der olfaktorischen Begierden um eine spektakuläre Rose oder ein bescheidenes Veilchen handelt – Hauptsache, die Zusammensetzung der chemischen Substanzen von Blüte oder Pflanzenteil stimmt.

Der „direkte Draht“ ins Gehirn arbeitet nicht nur beim Erschnuppern von Blumenduft, so heißt es auf dem Wissenschaftsportal dasgehirn.info (zu.hna.de/bluetenduft), mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Er funktioniert bei den Wohlgerüche verbreitenden Pflanzen ebenso perfekt wie bei den (manchmal trotzdem hübschen) Stinkern. Blüten oder andere Pflanzenbestandteile duften schließlich nicht, um uns Menschen zu erfreuen. Der Blütenduft dient fast ausschließlich dazu, Insekten anzulocken, damit die Blüten bestäubt werden. Denn erst dann bilden sich Früchte und Samen, und die Pflanzen können sich fortpflanzen. In der Evolution haben sich so im Pflanzenreich die unterschiedlichsten Düfte entwickelt.

Betören auch die Nase: Die roten Blüten des Chinesischen Wachsstrauchs (Sinocalycanthus „Hartlage Wine“).

Die Gartenbuchautorin Dr. Cynthia Nagel aus Felsberg-Rhünda (Schwalm-Eder-Kreis), Vorsitzende der Regionalgruppe Kassel-Göttingen in der Gesellschaft der Staudenfreunde (gds-staudenfreunde.de), teilt Duftpflanzen in verschiedene Kategorien ein: „Da sind Parfüm-Pflanzen wie Rosen, Tuberosen, Maiglöckchen, Flieder, Lavendel, echter Jasmin, Orangenblüten und Magnolien, die mit ihrem Duft einen ganzen Garten erfüllen können und die die meisten Menschen als gut riechend empfinden“.

Dann gebe es den Duft der Nadelbäume, vor allem Kiefern, die bei Hitze an die Pinienwälder der Mittelmeerküste erinnern. Auch für Kräuter gilt, dass diese nur bei Berührung oder hohen Temperaturen ihren Duft preisgeben. Mit hitzespeichernden Materialien wie Kies und Natursteinmauern und solchen Pflanzen lasse sich im Garten leicht ein Toskana- und Provence-Feeling“ zaubern, sagt Nagel: „Im Hochsommer riecht unser Kiesgarten dank Kiefer und Thymian sehr nach Urlaub.“

Staudenneuheit: Der Duft des Strandflieders lockte Bienen magisch an.

Daneben gibt es auch viele angenehm duftende Gartenpflanzen, die aber nicht so stark riechen wie jene für die Parfümherstellung. Bei typischen Bauergartenpflanzen wie Duftwicken, Bartnelken, Nelken und Echtem Waldmeister mit seinem Honigduft muss man schon die Nase in die Blüte stecken. Dann gibt es aber auch solche Duftpflanzen, an denen sich die Geister scheiden: Muskatellersalbei etwa mit seiner würzigen Salbei-Zitronennote oder der intensiv-süßliche Holunder. Die (Duft)schönheit liegt nun mal in der Nase des Betrachters – weshalb zum Beispiel ein Jasminstrauch, in der Nähe der Terrasse gepflanzt, für Wohlbefinden ebenso wie für Kopfweh sorgen kann. Zum Glück gelten aber die wenigsten Pflanzen als „echte Stinker“, sagt Nagel. Weißdorn zählt sie dazu oder auch Schafgarbe. „Eigentlich riecht der größte Teil der Pflanzen nur schwach. Wie wir den Duft einer Pflanze empfinden, liegt auch stark an den persönlichen Erfahrungen.“

Einfache Wildrosen wie die Apothekerrose „Gallica officinalis“ duften meist besonders stark.

Nur bei Rosen sind sich alle einig – zumindest bei jenen Sorten, deren Duft noch nicht weggezüchtet wurde. An Kletter-, Strauch- oder Beetrosen und (leider nur kurzlebigen) Pfingstrosen zu schnuppern, wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.

Lesetipp: „Dufte“ Insektenpflanzen stellt Cynthia Nagel in ihrem Buch „Mein summendes Paradies“, Verlag GU, 29,99 Euro, vor.

Nachtdufter und Stinker

Manche Pflanzen öffnen ihre Blüten erst spätabends oder in der Nacht, um Motten und Nachtschwärmer zur Bestäubung anzulocken. Ihre Blüten sind meist besonders hell, wären sie dunkel, würden sie von den Nachtfaltern nicht gefunden. Die englische Gartengestalterin Gertrude Jekyll (1843-1932) schwärmte hier vor allem für Levkojen (Matthiola incana) und Nachtviolen (Hesperis matronalis). Auch Engelstrompeten (Brugmansia suaveolens/Datura) verbreiten nach Sonnenuntergang ihren schweren, tropisch anmutenden Duft. Intensiv und süß duftet der Nachtjasmin (Cestrum nocturnum) aus vielen kleinen gelben oder weißen Blüten. Die gelb blühende Zitronen-Taglilie (Hemerocallis citrina) verbreitet ab der Dämmerung ihren intensiven Zitrusduft.

Am liebsten verduften möchte man dagegen bei manchen Stinkern. Zu den übelsten gehört der Gefleckte Aaronstab (Arum maculatum), der erst am Abend einen für menschliche Empfindungen widerlichen Aasgeruch verbreitet. Einige Schmetterlingsmücken finden ihn allerdings köstlich.

Informationen über Duft- und Stinkpflanzen gibt es auf dem Gartenportal garten-literatur.de

Duftkiller Ozon

Durch „bezaubernde“ Düfte weisen Pflanzen Bestäubern den Weg zu ihren Blüten. Doch offenbar können Luftschadstoffe diesen Effekt beeinträchtigen: Bei hohen Ozonwerten riechen Blüten für Falter weniger verlockend, geht aus einer Studie von 2020 über das Modellinsekt Tabakschwärmer, einem Nachtfalter-Schmetterling, hervor. Dies berichtete das Internetportal wissenschaft.de.

Das Ergebnis deutet auf zwei mögliche Erklärungen: Entweder die Tabakschwärmer empfinden den Duft tatsächlich nicht mehr als verlockend, oder sie können ihre Nahrungsquelle nicht mehr orten, teilte Studienleiter Markus Knaden vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena mit.

(Von Gisela Busch)

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