Amerikas Graslandschaften lieferten das Vorbild

Der Präriegarten: Pflegeleichtes Pflanzkonzept mit tollen Stauden

Gräser in einer Präriepflanzung mit Stauden im Sichtungsgarten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
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Gräser geben einer Präriepflanzung mit Stauden erst Struktur: Im Sichtungsgarten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf kann man solch farbenprächtige Pflanzengesellschaften bewundern.

Pflegeleicht, naturnah, hitzefest, trockenheitsresistent und natürlich eine Augenweide vom Frühling bis zum Frost. Klingt nach einem Traumgarten, beschreibt aber recht genau die Vorzüge eines Pflanzkonzeptes, das bei Gartenbesitzern immer beliebter wird und dem im Angesicht des Klimawandels sicher die Zukunft gehört: der Präriegarten.

Gärtnermeister Michael Moll, Vorsitzender des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS)

Kein Wunder, dass Gärtnermeister wie Michael Moll, Vorsitzender des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS), bei der Auswahl von robusten Pflanzengesellschaften seit Jahren auf Stauden schwören, die ihre Wurzeln in den nordamerikanischen Prärien haben. Als Pionier der naturnahen Gartengestaltung mit Präriestauden gelte in Deutschland Prof. Cassian Schmidt, der im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof bei Weinheim an der Bergstraße zuerst mit Präriestauden experimentierte, sagt Moll. Schmidt führte auch viele neue Arten ein, die heute das Sortiment bereichern.

Ein echter Bienenmagnet ist die Duftnessel (bot. Agastache).

Blütensaison

Blütenhöhepunkt der Präriepflanzungen ist der Sommer, Spätsommer und Herbst, aber auch im Winter bieten die standfesten Halme und Fruchtstände in vielen Braun- und Ockertönen ein tolles Bild, sagt Moll. Auch längere Trockenperioden überdauern sie problemlos: „Ich besuchte im Dürrejahr 2018 Weinheim. Nach monatelanger Hitze und völligem Regenmangel war der Rasen tot, die Steppenpflanzungen hatten sich völlig zurückgezogen, aber die Präriepflanzungen standen erstaunlich ansehnlich und blühten. Das war sehr beeindruckend.“

Ein wochenlanges Blütenfeuerwerk liefert die Prachtkerze (Gaura).

Mischpflanzungen

Da sich die nordamerikanische Prärie über verschiedene Klimazonen erstreckt, ließen sich für verschiedene Böden und Feuchtigkeitsstufen im Hausgarten stets passende Stauden finden. Dabei komme es auf die richtige Pflanzenzusammenstellung an, erklärt Moll und empfiehlt, sich vor der Anlage bei einem Staudengärtner beraten zu lassen. Orientierung auch für private Gartenbesitzer bieten die Mischpflanzungskonzepte mit Präriestauden, die der BdS-Arbeitskreis Pflanzenverwendung für Profis entwickelt hat. „Mit diesen in der Praxis erprobten Zusammenstellungen, die so blumige Titel wie Präriesommer, Präriemorgen oder Indianersommer tragen, kann man wenig falsch machen“, sagt Moll.

Für Farbe in der Prärie sorgen auch die Halme der Rutenhirse „Rotstrahlbusch“.

Gräser als Rahmen

Auch die schönste Prärieblume braucht einen passenden Rahmen für ihren großen Auftritt: Gräser. Seit sich „Staudenpapst“ Karl Foerster in den 1970er-Jahren für Ziergräser im Garten stark gemacht hat, denkt man bei Gras nicht mehr nur an Rasen. „Gräser“, so Moll, „sind mein absolutes Lieblingsthema“ mit breitem Sortiment. Viele Solitäre machten auch in Töpfen schon direkt nach der Pflanzung eine tolle Figur. Zudem treiben die Präriegräser erst im späten Frühjahr aus, entwickeln sich dann aber rasant zu teils imposanten Erscheinungen mit tollen Blüten und überraschender Herbstfärbung und liefern bei Raureif märchenhafte Winterbilder.

Bodenbedeckung

Das Ziel ist eine rasche Bodenbedeckung – laut Gärtnermeister Moll „der Schlüssel zum pflegeleichten Garten“. Damit sich auf offenen Stellen kein Unkraut ansiedelt, empfiehlt er sechs bis acht Pflanzen pro Quadratmeter, um bereits im ersten Jahr eine annähernd geschlossene Pflanzdecke zu erreichen. Zuvor sollten vor allem schwere Lehmböden tiefgründig gelockert und von Wurzelunkräutern befreit werden. Für trockenheitsliebende Arten könne man Splitt oder Lava in den Boden einarbeiten, um den Wasserabzug zu verbessern. Wichtig ist auch eine mindestens fünf Zentimeter dicke Deckschicht aus mineralischem Mulch, meist Splitt. „Das hat nichts mit Schottergarten zu tun, sondern dient neben der Unkraut-Unterdrückung auch der Regulierung des Wasserhaushaltes.“

Um diesen möglichst selbstregulierend zu gestalten, gilt besonders in Dürreperioden die alte Regel: Lieber weniger oft, aber dafür durchdringend – das könne durchaus nur einmal in zwei Wochen sein, dafür aber dann mindestens 15 Liter Wasser auf den Quadratmeter. Komfortabel geht das mit einer Tropfbewässerung.

Pflegebedarf gering

Hand aufs Herz – auch in der heimischen Prärie kommt man laut Moll um gelegentliches Unkrautzupfen nicht herum. „Den pflegefreien Garten wird es nie geben, den will aber auch niemand wirklich“, sagt Moll. Schließlich sei ja die Beschäftigung mit den Pflanzen gerade das Entspannende. Selbst Pflegemuffel hätten das in den vergangenen Monaten gemerkt, als Gartenarbeit plötzlich zur Therapie für die zwangsweise Entschleunigten wurde. In eingewachsenen Pflanzungen, das habe man in Weinheim ermittelt, betrage der Pflegeaufwand dreieinhalb bis fünf Minuten pro Quadratmeter im Jahr, sagt Moll „Das hört sich doch gut an.“

Auch wenn im Hausgarten meist nicht sehr viel Platz für eine Präriepflanzung zur Verfügung stehe – etwa 20 Quadratmeter sollten es laut Moll schon sein, damit eine Mischpflanzung zur Geltung komme. In jedem Fall gelte: Präriegäten werden mit den Jahren immer schöner. Besonders spannend sei die dynamische Entwicklung der einzelnen Arten, schwärmt Moll. „Nichts bleibt, wie es war, alles ist im Fluss – aber das macht ja den Garten aus.“

Information: Weihenstephaner Gärten, bund-deutscher-staudengaertner.de, mollstauden.de

(Gisela Busch)

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