Kennen Sie Reifrocknarzisse, Schneestolz und Frühlingsstern?

Jetzt ist Pflanzzeit für außergewöhnliche Zwiebelblumen

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Kecke, gelbe Röckchen: Die Wild-Narzisse Narcissus bulbocodium „Oxford Gold“ entwickelt kelchförmige Blüten und gehört zu den Reifrocknarzissen.

Bei Zwiebelblumen, die jetzt im Herbst für den Frühling gepflanzt werden, ist die Auswahl riesengroß. Doch wer nur auf Tulpen und Narzissen setzt, bringt sich um eine Fülle betörend hübscher, aber zumeist unbekannter  Frühlingsblüher, die es sich zu entdecken lohnt.  

Kecke, gelbe Röckchen: Die Wild-Narzisse Narcissus bulbocodium „Oxford Gold“ entwickelt kelchförmige Blüten und gehört zu den Reifrocknarzissen.

Bei Zwiebelblumen fürs Frühjahr denken wir erst mal an Tulpen und Narzissen, an Schneeglöckchen und Krokusse und vielleicht noch an Hyazinthen und Zierlauch. Neben diesen Klassikern der Blumenzwiebelwelt gibt es aber noch viele andere Frühlingsboten, die wegen ihrer grazilen Erscheinung oder unermüdlichen Blühfreude Aufmerksamkeit verdienen. Pflanzt man sie am richtigen Standort und schenkt ihnen je nach Bedarf ab und zu etwas Dünger, so breiten sie sich zuverlässig wiederkehrend im Garten aus.

Blaue Blüten mit weißem Herz: Der Schneestolz (Chionodoxa forbesii).

Aus dem Mittelmeergebiet und Kleinasien etwa kommt der Schneestolz oder Schneeglanz (Chionodoxa), der – dicht und im großen Stil gepflanzt – schon im März für eine überwältigende Blütenpracht sorgt. Das leuchtende Blau der kleinen Zwiebelblume sei einfach fantastisch, schwärmt Carlos van der Veek vom holländischen Blumenzwiebelspezialisten Fluwel

Leuchtet in schneeweiß von April bis Mai: der Frühlingsstern (Ipheion).

Kaum bekannt sei auch der Einblütige Frühlingsstern (Ipheion), der aus Südamerika stammt. Er blüht von April bis Mai und breitet sich an einem sonnigen Platz Jahr für Jahr weiter aus. Die Sternblüten des Ipheion gibt es in weiß (Sorte „Alberto Castillo“), blau („Rolf Fiedler“) und violett („Charlotte Bishop“).

Dieter Levin-Schröder Gartenakademie Kassel

Viele Blumenzwiebel-Arten wie etwa Tulpen und Hyazinthen stammen aus Vorderasien und anderen sommertrockenen Gebieten, erklärt Dieter Levin-Schröder von der Gartenakademie Kassel. Sie brauchen daher sonnige und trockene Standorte und sind empfindlich gegenüber Staunässe und feuchten Böden. Einheimische Arten wie etwa Hundszahn (Erythronium) vertragen feuchte Böden besser oder benötigen sogar feuchte Böden (Märzenbecher und Schachbrettblume).

Im Lebensbereich „sonniger, offener Gehölzrand“ finden Zwiebeln und Knollen Ruhe und sind im Wurzelbereich der Bäume und Sträucher gut vor Mäusefraß geschützt, rät Levin-Schröder. Gut gedeihen hier Weiße Windröschen (Anemone blanda „White Splendor“), Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum), Lerchensporn (Corydalis), Wildtulpen wie Tulipa Fosteriana und Tulipa liniifolia, Herbstkrokus (Crocus speciosus) und Waldanemone (Anemone sylvestris).

Im halbschattigen Bereich „waldähnliche Standorte“ gedeihen Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Buschwindröschen (Anemone nemerosa), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Alpenveilchen (Cyclamen-Arten), Türkenbundlilie (Lilium martagon) und Blaustern (Scilla siberica). In Gruppen gepflanzt, bilden sie vor dem Blattaustrieb der Bäume/Sträucher hinreißend schöne Blütenteppiche.

Zum Verwildern im Raseneignen sich, ehe gemäht wird, nur früh einziehende Arten wie Anemonen (Anemone blanda), Buschwindröschen (Anemone nemerosa), Schneestolz (Chionodoxa forbesii), Gelber Krokus (Crocus flavus), Elfenkrokus (Crocus tommasinianus), der gewöhnliche Krokus (Crocus vernus), Winterling (Eranthis hyemalis), Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und je nach Standort der Märzenbecher (Leucojum vernum).

Spät einziehend und daher im Beet besser aufgehoben sind zum Beispiel Hundszahn (Erythronium dens-canis), Hasenglöckchen (Hyazinthoides hispanica), Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum), Reifrocknarzisse (Narcissus bulbocodium), Osterglocken (Narzissus), Dichternarzissen (Narcissus poeticus) und viele Wildtulpen (Tulipa sylvestris).

Gibt´s auch in weiß: Hasenglöckchen, auch bekannt unter dem englischen Namen "Blue Bells".

Pflanzung im Drahtkorb schützt Zwiebeln vor Mäusen

Bei den Blumenzwiebeln unterscheidet man Frühjahrs-, Sommer- und Herbstblüher. Die frühjahrsblühenden Blumenzwiebeln können im Herbst bis zum Frost gepflanzt werden. Eine Pflanzung bis Oktober/November hat jedoch den Vorteil, dass die Zwiebeln/Knollen vor dem Winter noch ausreichend Wurzeln bilden können. Blumenzwiebeln benötigen meist einen durchlässigen, humosen Boden (ph-Wert 5-6). Um Fäulnis vorzubeugen, setzt man die Zwiebeln im Pflanzloch auf eine Schicht Sand. Zum Schutz vor Wühlmäusen kann in Drahtkörbe gepflanzt werden. Bei Narzissen und Kaiserkronen ist das unnötig – die schmecken den Wühlmäusen nicht. Bei der Pflanztiefe gilt meist die Faustregel: Doppelt so tief, wie die Zwiebel hoch ist. In Gruppen gesetzt (je kleiner die Blume desto größer die Anzahl) wirken Zwiebelblumen noch üppiger. Im Pflanzjahr brauchen Blumenzwiebeln keinen Dünger, später wird ab dem Austrieb bis nach der Blüte gedüngt.

So erkennt man gesunde Zwiebeln

Wenn im Herbst draußen alles nur noch grau aussieht, locken im Gartenfachhandel die Blumenzwiebeln in Tüten mit bunten Etiketten, welche die Blütenfülle des kommenden Frühlings schon herbeizuzaubern scheinen. Bei aller Vorfreude sollte man sich die Zwiebeln in der Verpackung aber etwas genauer anschauen, empfiehlt Dieter Levin-Schröder von der Gartenakademie Kassel. Ist die Schale unbeschädigt sowie fest und sauber und die Knolle insgesamt schwer (also nicht ausgetrocknet) – dann handelt es sich um eine gesunde Zwiebel. Ein weicher Zwiebelhals deutet dagegen auf Krankheitsbefall hin, sagt Levin-Schröder. Auch sollte die Zwiebelknolle weder schmutzig, rissig oder weich sein und schon gar nicht beschädigt oder ohne Schale. Auch darf der Zwiebelboden keinen Schimmelbefall aufweisen. Ein deutliches Triebwachstum oder sogar dünne, blasse, vergilbte Triebe deuten auf minderwertige Zwiebeln hin. Eine feste, gesunde Zwiebel hat maximal eine etwas verdickte Spitze, aber keinen Austrieb.

Cyclamen haben ein markantes Blattmuster. Es gibt sie als Frühlings- und Herbstblüher. 

Der besondere Frühlingsbote: Winterharte Alpenveilchen

Alpenveilchen (botanisch: Cyclamen) kennen die meisten von uns nur als preiswerte Zimmerpflanze, die vor allem zur Wintersaison in vielen Rosa-, Rot- und Violett-Tönen allerorts angeboten wird. Als winterharte Gartenpflanze ist das aus trockenen Bergregionen in Kleinasien stammende Primelgewächs dagegen viel weniger bekannt. Dabei sind die Pflanzen mit ihrem unglaublich variantenreichen Blattmuster und den filigranen Blüten, die sie keck durch das kompostierte Laub der Bäume strecken, sehr anspruchslos und bringen Farbe in den winterlichen Garten. Ungestört am Standort können sich die anfangs drei bis vier Zentimeter kleinen Knollen die Jahre zu großen, flachen Fladen entwickeln, die jahrzehntelang blühen, erzählt Isabelle van Groeningen im Blog der Königlichen Gartenakademie (gartenakademie-berlin.de) in Berlin. An ihrem Schattenplatz unter Bäumen fühlen sie sich ungestört am wohlsten und verkraften auch Trockenheitsperioden problemlos. Es gibt 24 Arten mit zahlreichen Unterarten, Formen und Varietäten, wobei manche Sorten für Liebhaber von großem Sammlerwert sind. Es gibt zwei Sorten, die auch kältere Winter in Deutschland problemlos überstehen, heißt es auf der Internetseite von blumenzwiebel-welt.de

Das Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) wird jetzt gepflanzt und treibt schon bald runde bis herzförmige Blätter aus der Knolle. In milden Lagen erscheinen dann schon im Dezember die weißen oder violetten bis karminroten Blüten, wo es kälter ist, blühen die Pflanzen im Februar und März zusammen mit Schneeglöckchen und Winterlingen. Nach der Blüte wird das Laub eingezogen und die Knollen ruhen bis zum nächsten Austrieb im Herbst in der Erde. 

Das Efeublättrige oder Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) bilden ab Ende August viele kleine rosa oder weiße Blüten, die bis 12 Zentimeter hoch werden. Der erste Bodenfrost beendet die Blüte. Im April ziehen die Pflanzen das Laub ein und ruhen bis zum Spätherbst.

Eine Broschüre zum Thema Alpenveilchen von Ottmar Funk gibt es bei der Gesellschaft der Staudenfreunde, Preis 15 Euro inklusive Versand, Bestellung per Mail an: info@gsd-staudenfreunde.de

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