Architektur

Experiment: Studenten wohnen in Kunststoffblase

+
So könnten Studenten in Zukunft wohnen: in einer Blase aus Polyurethan. Entworfen wurde diese Unterkunft von Architektur-Student David Keuer.

Wie schläft es sich in einer Kunststoffblase? Und wie duscht es sich in einer Telefonzelle? 20 junge Architektur-Studenten probieren es in Bochum gerade aus: Ihr Experiment versteht sich als Lösungsidee für studentische Wohnungsnöte.

Bochum - "Die Autos sind in dieser Straße noch nie so langsam gefahren", sagt Angelika Koch. Jeder halte an, um zu sehen, was 20 Architektur-Studenten da in die Einfahrt neben ihr Mehrparteienhaus in gequetscht haben.

Eine Wohnblase aus Polyurethan

In dieser Woche wollen sie testen, wie es sich darin schläft. Man betritt das Gebilde über eine Leiter in einer grau-pinken ausrangierten Telefonzelle. Sie ist Eingang, Treppenhaus und Badezimmer zugleich.

Oben steht man in einem fast leeren Kugelraum mit lichtdurchlässigen Wänden. Ein hüpfburgartiger Boden bildet eine große Matratze. "Er ist nicht so fest wie ein Betonboden", sagt Alexander Rakow, einer der Studenten, "aber er trägt einen, und es ist ein schönes Gefühl, darauf herumzulaufen."

"Bloon" haben sie ihren Testballon getauft. Vorausgegangen war ihm ein Wettbewerb zur Frage, wie Studierende künftig wohnen können. Architektur-Dozentin Agnes Giannone erweiterte die Frage im Seminar: "Wie entwickelt sich eine Stadt wie Bochum, die alle Studentenwohnheime außerhalb hat, die sich aber neu erfinden muss und durch ihre Studenten ein wahnsinnig lebendiges Potenzial hat?", war die Frage, die ihre Studenten bearbeiten sollten.

Die Wohnblasen-Idee war als eine von mehreren im Rennen. Sie stammt vom Seminarteilnehmer David Keuer. "Eigentlich waren sich alle einig, dass mein Projekt raus ist, weil es halt nach unserem damaligen Stand schwierig bis gar nicht zu realisieren ist", erinnert er sich ans bange Warten auf die Jury-Entscheidung. "Jetzt haben wir das Gegenteil gesehen."

Anderthalb Jahre haben die Studenten an der Umsetzung gearbeitet

Mehrere zehntausend Euro habe das Experiment gekostet, sagt Agnes Giannone. Der größte Teil davon kam aus einem Förder-Programm für neue Ideen für städtisches Zusammenleben des internationalen Chemie-Unternehmens Akzo Nobel. "Das Wohnen der Zukunft ist eine Herausforderung, und das hier könnte eine Antwort darauf sein", erklärt eine Firmensprecherin die Förder-Entscheidung.

Bei der Bewohnbarkeit der Blase scheiden sich die Geister

Die Küche würde ihr fehlen, sagt eine von ihnen. Tatsächlich ist die minimalistische Einrichtung eine Konsequenz aus einer Befragung von 277 Bochumer Studierenden, erklärt Alexander Rakow: "Rausgekommen ist wirklich, dass die Leute sich heutzutage vor allem auf ihr Bett und auf ihr Laptop beziehen."

Eine Woche wird der "Bloon" nun in Bochum erprobt. Dabei werden allabendlich Fotos auf die Rückseite der Kunststoffhaut projiziert, die die Bewohner auf einen angeschlossenen Computer hochladen. Bilder an die Wand zu nageln, geht ja nicht.

Das Besondere: Die Fotos sollen bleiben, wenn der Bewohner wechselt, erklärt Sandro Engel. Sein Hildesheimer Start-up "Urban Invention" hat die Projektionstechnik beigesteuert. "Dadurch kann ich als Bewohner in den Erinnerungen anderer Menschen schwelgen und schauen, wie sich der "Bloon" weiterentwickelt, von Nacht und Nacht."

Und von Stadt zu Stadt. Denn wenn alles klappt wie geplant, will die Studentengruppe mit dem "Bloon" auf Reisen gehen, sagt Seminarleiterin Giannone.

Diese 5 Studenten-Wohnheime kann sich nicht jeder leisten

Die Dachterrasse des DOORM in Lissabon bietet Ausblick über die Altstadt.
Die Dachterrasse des DOORM in Lissabon bietet Ausblick über die Altstadt. © doormportugal.com
Der eigene Basketballplatz des Garching Living Center (GLC) in München.
Der eigene Basketballplatz des Garching Living Center (GLC) in München. © studentenwohnung-garching.de
Auch eine Sauna bietet das GLC.
Auch eine Sauna bietet das GLC. © studentenwohnung-garching.de
Der beheizte Pool des GLC.
Der beheizte Pool des GLC. © studentenwohnung-garching.de
Nur für die Elite: das Münchner Maximilianeum.
Nur für die Elite: das Münchner Maximilianeum. © maximilianeum.mhn.de
Das Maximilianeum: Bewerben oder mieten ist nicht möglich.
Das Maximilianeum: Bewerben oder mieten ist nicht möglich. © maximilianeum.mhn.de
Das Maximilianeum ist Deutschlands exklusivstes Studentenwohnheim.
Das Maximilianeum ist Deutschlands exklusivstes Studentenwohnheim. © Wolfgang Dirscherl / pixelio
Paris Gardens in London: Ein Semester kostet rund 10.000 Britische Pfund.
Paris Gardens in London: Ein Semester kostet rund 10.000 Britische Pfund. © crm-students.com
Luxus pur im Londoner Wohnheim.
Luxus pur im Londoner Wohnheim. © crm-students.com
Paris Gardens: Wohnheim mit Blick über London.
Paris Gardens: Wohnheim mit Blick über London. © crm-students.com
Die Apartments im Twenty First in Kiel.
Die Apartments im Twenty First in Kiel. © Twenty First Apartments

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.