Hepatica faszinieren Sammler in aller Welt

Leberblümchen sind Edelsteine im Buchenlaub

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Das Leberblümchen (botanisch: Hepatica) bringt vor allem die schattigen Gartenbereiche zum Erblühen.

Kaum eine andere Frühlingsblume im Garten macht mit derartigem Farbenspiel auf sich aufmerksam. Das Leberblümchen (botanisch: Hepatica) bringt vor allem die schattigen Gartenbereiche zum Erblühen. In Japan hat die filigrane Blume regelrechten Kultstatus.

Wer bei einem Waldspaziergang im Frühling viel Glück hat, kann im lichten Schatten von Buchen- und Mischwäldern die wohl betörendste Frühlingsbotin antreffen, welche die Natur hervorgebracht hat: das Leberblümchen (Hepatica). Vor allem im Mündener und Volkmarser Stadtwald sowie im Werratal, erzählt Gärtnermeister Karl-Heinz Härtl aus Niedenstein/Schwalm-Eder-Kreis findet man noch Kolonien des streng geschützten, tiefblauen Hahnenfußgewächses mit den typischen dreilappigen, immergrünen Blättern. 

Erste eigene Hepatica-Kreuzung von 2008: Härtls Hepatica nobilis „Hessenstern“.

Ab März drängen die Blüten durchs halb verrottete Buchenlaub und glitzern dort wie Edelsteine für vier Wochen lang mit der Sonne um die Wette.

Eine von zwei insgesamt europäischen Leberblümchen-Arten: Hepatica transsilvania „Blaue Donau“ stammt aus Siebenbürgen/Rumänien und ist mit den weißen Staubbeuteln im Frühlingsbeet nicht zu übersehen. 

Auch im Garten lassen sich die winterharten Arten der heimischen Leberblümchen mit etwas Geduld ansiedeln. „Genau wie an ihrem Naturstandort im lichten Laubwald, braucht Hepatica lockeren Boden und verabscheut Staunässe“, sagt Härtl. Jungpflanzen aus der Gärtnerei fühlen sich am wohlsten in ungedüngter Erde – aufgelockert mit etwas Blähschiefer oder Kalksplitt – an einem schattigen Platz unter Buchen, Obstbäumen, Haselnusssträuchern oder anderen Gehölzen mit weichem Laub.

Karl-Heinz Härtl,  Staudengärtner in Niedenstein.

Dort bekommen die Pflanzen jedes Jahr automatisch eine frische, lockere Mulchschicht aus Rohhumus. Die lockere Laubrotteauflage schützt die Pflanzen nicht nur vor Frost, Wind und Staunässe, sondern versorgt sie auch mit Wasser und Nährstoffen.

Rosa-weiß und gefüllt: H. nobilis „Multipetala“ ist eine echte Schönheit.

„Das liebenswerte Leberblümchen macht es dem Pflanzenfreund wirklich einfach“, weiß auch Leberblümchenzüchter Jürgen Peters, der in seiner Gärtnerei im niedersächsischen Uetersen 1200 Sorten Hepatica kultiviert. Selbst sehr trockene Sommer übersteht Hepatica aufgrund des gut verzweigten Wurzelwerks unterm Falllaub meist problemlos.

Jürgen Peters,  Staudengärtner in Uetersen

Teilen lässt sich die Pflanze am besten zur Blütezeit. Dazu wäscht man von einer großen Pflanze die Erde behutsam ab und zupft dann den Wurzelballen (sehr vorsichtig und in nicht zu kleine Teile) auseinander. Auch wenn es schwerfällt: Die Blüten der Ableger müssen nun unbedingt abgeschnitten werden, damit die Jungpflanze ihre ganze Kraft auf die Entwicklung neuer Wurzeln und Blätter konzentrieren kann.

Wer Hepatica züchten und „mit dem Pinsel mal Bienchen spielen will“, erklärt Peters, braucht nicht nur „zwei hübsche Probanden“, sondern Glück beim Zusammenbringen von Pollen und Fruchtknoten (in der Natur erledigen dies Ameisen, Erdhummeln und Bienen) sowie sehr viel Geduld. Aufgrund ihres langsamen Wachstums entwickeln aus Samen gezogene Pflanzen erst im Alter von etwa sieben Jahren Blüten. Dafür, so Staudengärtner Härtl, der 2008 mit dem „Hessenstern“ die erste von 30 eigenen Namenssorten vorstellte, könne das Leberblümchen – wenn Pflege und Standort stimmen – mit bis zu 50 Jahren Lebensdauer „Freude für ein ganzes Gärtnerleben“ bescheren.

Informationen: Staudengärtnerei Härtl in Niedenstein, Telefon 0 56 24 / 92 60 45. Fachgruppe in der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS), gds-staudenfreunde.de Hepatica-Schau: Luisenpark Mannheim, 22./23. Februar, je 10 bis 17 Uhr. luisenpark.de Leberblümchen-Schau: 21./22. März, Staudengärtnerei Härtl, Am Frießelsbach 3, 34305 Niedenstein, Tel. 05624 / 926045. ihrgartenbau-haertl.com Leberblümchen-Thementage: 20. bis 22. März, präsentiert werden über 500 Sorten, Staudengärtnerei Peters, Auf dem Flidd 20, 25436 Uetersen, Tel. 0 41 22 / 33 12. alpine-peters.de Buchtipp:„Hepatica“ von Jürgen Peters, Neuauflage mit 650 Farbfotos, erhältlich über  den Peters-Shop, Preis 25 Euro.

Spektakuläre Farben und gefüllte Blüten

Bereits im botanischen Prachtwerk „Hortus Eystettensis“ von 1613 wird das Leberblümchen als Zierpflanze beschrieben. In Japan, wo man die Blume traditionell als Begleiterin für den Bonsai kultiviert, gibt es seit den 1950er-Jahren eine ungeheure Farben- und Formenvielfalt, die von Botanikern auch auf Genmutationen infolge der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki zurückgeführt wird. In Deutschland war die Blume in den 1950er-Jahren fast vollständig aus den Gärten verschwunden. Die schwierige und vor allem langwierige Anzucht und Kultur passte nicht mehr in eine schnellebige Zeit, in der Gärtner in möglichst kurzer Zeit verkaufsfertige Pflanzen produzieren mussten, schreibt Andreas Händel, Gärtnermeister aus Ketzin bei Potsdam, in seinem Standardwerk „Hepatica“. Seit den 1980er-Jahren werden die „Edelsteine im Frühlingsbeet“ aber wieder verstärkt gezüchtet. Jährliche Ausstellungen zeigen die spektakulärsten Züchtungen. 

Echte Japanerin:  H. nobilis var. japonica "Saiun"

Aufgrund der Formenvariabilität insbesondere von „Hepatica nobilis var. japonica“ gibt es mittlerweile über 1000 registrierte Sorten. Kreuzungen von japanischen mit europäischen Arten und Sorten brachten Farben von violett, blau, rot, weiß bis grün und gelb hervor – bis hin zu mehrfarbigen und sogar gefüllten Blüten. Letztere sind meist steril und können nur vegetativ, also durch Teilung, vermehrt werden. Für außergewöhnliche Sorten zahlen Sammler mehrere tausend Euro je Pflanze.

 

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