Lichtenborner Kräutergärten

Einblicke in Deutschlands einzigen Demeter-Betrieb für Topfkräuter

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Zu Besuch in Deutschlands einziger Demeter.Topfkräutergärtnerei „Lichtenborner Kräuter“.

Inhaber Michael Brodda steigt mit einem sympathischen Lächeln aus seinem Wagen und deutet auf das kleine Paradies am Rand von Lichtenborn. Das Wetter ist ein wenig ungemütlich, aber der Blick, der sich einem auf dem Anwesen der Lichtenborner Kräutergärtnerei bietet, tröstet sogleich darüber hinweg. Hier darf die Natur noch Natur sein und die verschiedensten Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Würmer, Vögel und Säugetiere aller Art sind nicht nur geduldet, sondern regelrecht erwünscht. Es bleibt einen Moment Zeit um anzukommen in der Welt der Lichtenborner Kräuter.

Lichtenborner Kräuter

 Ein Moment, um die Idylle und Reinheit auf sich wirken zu lassen und durchzuatmen. Weg vom Stress der Welt. Hier oben scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier vereinen sich Philosophie, Spiritualität und der Gedanke an das Ganzheitliche. Die ersten Eindrücke decken sich in jedem Fall mit der Vorstellung, was Bio – und dann auch noch in strenger Demeter-Qualität – tatsächlich sein soll.

Noch einmal tief die bereits von wohlduftenden Kräuteraromen durchtränkte Luft einatmen, dann erzählt Michael Brodda von seinem Werk, dem Betrieb der „Lichtenborner Kräuter“ im Schutz des Gewächshauses. Gewächshaus, nicht Treibhaus. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt“ erklärt der Geschäftsführer und Inhaber präzise. „Denn an diesem Ort dürfen die Pflanzen in geschützter Umgebung ihrem eigenen Rhythmus folgend heranwachsen, bevor sie den manchmal rauen Eigenschaften der Natur strotzen müssen.“

Kein Treibhaus, sondern ein Gewächshaus

Auch den genauen Unterschied zu einem Treibhaus legt Michael Brodda dar: „In einem Treibhaus hingegen werden die zarten Stängel zur Eile „getrieben“, um möglichst schnell und für den Augenblick effektiv groß zu werden.“ Natürlich bleiben dabei Geschmack und Widerstandsfähigkeit der Pflanze auf der Strecke. Um seine gesunden, widerstandsfähigen, langlebigen und aromaintensiven Kräuterpflanzen kümmert Michael Brodda sich schon seit 2003. Selbstverständlich auch damals schon in Bio-Qualität. Dabei ist der passionierte Kräutergärtner gar nicht von Haus aus Gärtner. „Ursprünglich habe ich Geographiestudiert und wollte mit meinem Job nach draußen. Sozusagen auf das Feld und vor Ort in der Natur tätig sein. Doch als es um eine Festanstellung ging, gab es nur mehr oder weniger computergestützte Arbeitsplätze.“ Und das war gar nichts für den Naturliebhaber, der auch seine Freiräume brauchte.

Michael Brodda blickt kurz gedanklich auf diese Zeit zurück und bestätigt kopfnickend eins seiner Lebensmottos: „Wer seine Ängste über Bord wirft und seine Träume anpackt, kann über sich hinauswachsen. Nicht die Anderen können etwas bewegen, Bewegung und Veränderung fängt bei einem selbst an.“ Mit der Aussicht auf einen Job im Gepäck, der ihn schon beim bloßen Gedanken langweilte, horchte Michael Brodda ernsthaft in sich hinein. Das hat ihn immer wieder zu seinem Traum von einer Kräutergärtnerei geführt. Heute lebt er mit den „Lichtenborner Kräutern“ genau diesen Traum seit über zehn Jahren.

Bio ist nicht genug

Angefangen hat „Lichtenborner Kräuter“ als Bioland-Betrieb, denn Qualität möglichst im Einklang mit dem Kreislauf der Natur zu fertigen, entspricht seiner Lebenseinstellung. Mit dem politischen Einfluss auf den allgemeinen, langsam gedeihenden Bio-Trend, der sich bis in die Discounter fortsetzte, kam auch die Einführung des EU-Bio-Siegels. Diese neuen Bedingungen aber entsprachen nicht mehr der Ethik, die Michael Brodda für seinen gewissenhaft geführten Betrieb zugrunde gelegt haben wollte.

2008 vollzog er daher den Wechsel zum Demeter-Verband. „Vom allerersten Schritt an zu wissen, was meine Produkte ausmacht, und vor allem, was in ihnen steckt ist grundlegend für mich. Die Kontrollen, die der Demeter-Verband regelmäßig durchführt, sind sehr intensiv und effektiv. Ich möchte sowohl für mich als auch nach außen eine authentische und ehrliche Arbeitsweise vertreten, und mit Demeter kann ich das voll und ganz.“

Hybriden kommen nicht zum Einsatz

Bereits bei der Wahl der Erde beginnt in Michael Broddas Betrieb Qualität. Es kommt kein Dünger zum Einsatz außer gelegentlich etwas Hornspäne. Stattdessen verwendet er eine Demeter-Erde auf Eichenrindenhumus-Basis, die mit den Kompostpräparaten der bio-dynamischen Landwirtschaft behandelt wurde. Auch das Saatgut weist Demeter-Qualität auf und ist grundsätzlich samenfest; Hybriden werden ausdrücklich nicht verwendet. Ein weiterer Unterschied zu konventionellen Kräuterpflanzen ist die Anzucht. Nur als Jungpflanzen im März werden die Kräuter im beheizten Gewächshaus angezogen. Allmählich wird die Temperatur auf 2 Grad nachts gesenkt, sodass die Pflanzen abgehärtet werden. Wenn sie dann Ende März ins Freie gestellt werden, kommen sie mit widrigen Bedingungen wie starkem Wind oder Frost zurecht.

Michael Brodda erzählt, wie das Arbeiten mit Demeter ihm auch hilft, öfter zu sich selbst zu finden: „Einige Male im Jahr besprühen wir unsere Pflanzen mit den von Rudolf Steiner (erster Anthroposoph) entwickelten Präparaten zum Schutz und zur Stärkung der Pflanzen. Das Anrühren dieser Präparate erfordert Zeit und Ruhe. Das sind Zeiten, die ich richtig genießen kann und die mich irgendwie auch befreien.“

Auf dem Gelände des Unternehmens, auf dem Streuobst ebenso zu finden ist wie Wildwiesen und eben die harmonisch eingefügten Kräuterbeete, gibt es von mediterranen und Küchenkräutern über Duftpflanzen bis hin zu Heilpflanzen und Kräuterraritäten alles, was das Kräuterherz begehrt. Besonderheiten sind beispielsweise Ysop, Zitronenbergbohnenkraut und eine der winterhärtesten Sorten Rosmarin.

Der Betrieb wird konsequent ökologisch bewirtschaftet und es gehört ein Niedrigenergiehaus sowie eine Photovoltaikanlage inklusive Warmwasserversorgung zum Unternehmen. Der CO2-Ausstoß wird bewusst so gering wie irgend möglich gehalten. Durch den Besuch diverser Märkte ist die einzige Demeter Topfkräutergärtnerei übrigens deutschlandweit bekannt. (ysl)

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