Interview mit der österreichischen Garten-Bloggerin Katrin Lugerbauer

Mit diesen Pflanzen bringen Sie Leben in den Schattengarten

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Große Blätter neben filigranen Stauden und Farnen: Funkien sind im Schattenbeet echte Hingucker.

Bei Sommerhitze gibt es wohl kaum einen besseren Ort als den Schatten.  Umso mehr wundert sich Garten-Bloggerin Katrin Lugerbauer über die oft lieblose Behandlung dieses Bereiches. Hier gibt sie Tipps, wie man die „dunkle Seite“ des Gartens üppig begrünt.

Jenseits der Sonnenseite weisen Gärten viel zu oft kein üppiges Grün auf, sondern es herrschen eintönige Bodendecker oder wenige, lieblos kombinierte pflegeleichte Sorten vor. Was sie an Schattenpflanzen besonders fasziniert und wie man die „dunkle Seite“ des Gartens üppig begrünt und vielseitig gestaltet, verrät die Österreicherin im Interview.

Was fasziniert Sie persönlich am Schattenbereich eines Gartens besonders?

Katrin Lugerbauer: Schattenbereiche sind, wenn man sie mit Pflanzen gestaltet, die den Schatten mögen und brauchen, sehr pflegeleichte Bereiche, die trotzdem nie langweilig aussehen müssen. Dazu bieten sie ganz früh im Jahr, wenn es an anderen Standorten noch wenig zu sehen gibt, eine ungeahnte Blütenfülle – etwas, womit man nicht unbedingt rechnen würde. Hier sind vor allem Schneeglöckchen, Krokus, Winterlinge, Schneeglanz und Blausternchen wertvolle Pflanzen, die sich dann auch von selber ausbreiten und im Frühling für bunte Beete sorgen, bevor das Laub der Bäume erscheint und der Schatten erst dunkel wird.

Welche Stauden eignen sich für Schattengarten-Anfänger? 

Lugerbauer: Wichtig ist, bei der Bepflanzung auf kontrastreiches Blattwerk und unterschiedliche Laubstruktur der jeweiligen Pflanzen zu achten. Blüten spielen im Schatten meist keine besonders große Rolle, viel länger sieht man die Blätter der Stauden. Eine Faustregel, die bei der Gestaltung im ganzen Garten hilft, ist die Kombination von feinem Laub und großen Blättern. Mögliche Kombinationen können also sein: Funkien (Hosta) mit Farnen, Christrosen (Helleborus) mit Lungenkraut (Pulmonaria), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera) mit Japan-Waldgras (Hakonechloa macra) oder Tafelblatt (Astilboides tabularis) mit Funkien und Farnen. Eine unterschätzte Staude ist der Salomonssiegel (Polygonatum) – zusammen mit Farnen, Funkien und Frühblühern eine großartige Staude für das Schattenbeet. Wenn es größer werden darf, sind Geißbart (Aruncus dioicus), Wachsglocke (Kirengeshoma palmata) und Wiesenraute (Thalictrum delavayi) gute Stauden für den Halbschatten.

Farne fühlen sich im Schattengarten sehr wohl. Sie sind absolut winterhart und anspruchslos.

Worauf muss man noch achten bei der Gestaltung eines schattigen Gartenbereiches?

Lugerbauer: Meist ist Schatten an einem Standort nicht das einzige Problem. Wenn Trockenheit dazukommt, bringt das manche Stauden an ihre Grenzen, noch schwieriger ist es mit verdichtetem Boden und fast unmöglich ist die Unterpflanzung von alten Nadelbäumen oder sehr großen Laubbäumen nahe des Stamms. Man kann als Test ein Loch graben – wenn das uns Menschen mit dem Spaten schon kaum gelingen mag, können auch Pflanzen dort nicht einwurzeln. Dazu kommen mangelnde Feuchtigkeit und wenig bis keine Nährstoffe. An solchen Extremstandorten ist der Schatten selbst das geringste Problem: Dort sollte mit Pflanzen in Töpfen gearbeitet werden, das klappt zuverlässig und sieht längerfristig viel schöner aus.

Welche Schattenstauden eignen sich besonders gut für die Pflanzung im Topf und für den schattigen Balkon? 

Lugerbauer: Klassiker für den Schattengarten im Topf sind Funkien. Sie sind robust, wüchsig und sehr attraktiv, dazu gibt es sie in den unterschiedlichsten Farbtönen. Wichtig ist, sie nicht zu viel zu gießen und ab dem Verfärben im Herbst fast gar nicht mehr. Viele Funkien verfaulen im Winter, weil sie noch gegossen werden, obwohl keine Blätter da sind, die Feuchtigkeit brauchen würden. Trocken überwinterten Topffunkien passiert dagegen so gut wie nie etwas. Als Ergänzung eignen sich feinblättrige Stauden wie Gelber Lerchensporn (Corydalis lutea), Pfauenradfarn (Adiantum pedatum) und Purpurglöckchen (Heuchera). Das Tolle an Töpfen ist, dass man sie beliebig neu ordnen oder mit nicht-winterharten Stauden ergänzen kann. Super passen dazu Fuchsien, dunkellaubige Klee-Sorten oder Buntnesseln. Wichtig ist auch, den Boden im Schatten möglichst immer bedeckt zu halten – mit Staudenschnitt, Holzhäcksel (kein Rindenmulch!) oder optimalerweise Laub. Nur so entstehen Bodenbedingungen, die Waldpflanzen brauchen, der Boden wird „humos“ und hält Feuchtigkeit besser.

Lektüretipp: Schattenstauden, Verlag Ulmer, ISBN 978-3-8001-0831-2, 24,90 Euro.

Katrin Lugerbauer, Garten-Bloggerin und Autorin.

Hintergrund: Katrin Lugerbauer ist seit vielen Jahren Gärtnerin aus Leidenschaft. 2002 überraschte sie ihre Eltern mit der „einigermaßen ungewöhnlichen Idee“, in deren großem Nutzgarten im oberösterreichischen Schlierbach „Beete anlegen“ zu wollen. Niemand tat bisher dort so etwas Exotisches. Blühflächen entstanden einfach von selbst, am Zaun entlang oder unter Bäumen. Eine 80-qm-Fläche extra für Blumen umzugraben war daher ein reichlich seltsamer Gedanke. Der allen Bedenken zum Trotz angelegte Staudengarten entwickelte sich aber schon bald so, dass bei der Familie schon bald alle Zweifel an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns hinweg gefegt waren. Ihre seither stetig gewachsene Gartenbegeisterung teilt Lugerbauer in vielen Büchern rund ums Gärtnern. In ihrem neuen Buch gibt sie Einblicke in die faszinierenden Pflanzengesellschaften des Schattengartens. Seit 2010 bloggt die Lehrerin für Deutsch und Geografie über ihre Pflanzen-Erfahrungen. 

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