Natur kennt keine geraden Kanten

Gartenfreunde können sich die Wartezeit bis zum nächsten Frühjahr mit der Reportage über den Garten der Familie Kappen verkürzen. Diese wird die nächste Blütenpracht allerdings woanders genießen: Das Haus in Neustadt wird verkauft. Bei Interesse können Sie uns eine Mail an rdm@hna.de senden.

Natur kennt keine geraden Kanten

So oft es geht, hält sich die Familie im Freien auf. Von 1990 bis 2005 haben Kappens an ihrem ganz individuellen Gartenparadies gearbeitet. Als die Familie im Jahr 1990 das Haus in Neustadt kaufte, war das Areal zwar groß, aber eher unattraktiv. „Der Garten war quasi von Fichtenbestand eingerahmt. Aber ich habe sofort gewusst, dass sich daraus etwas machen lässt“, erzählt Gunhild Kappen. Botanische Kenntnisse bringt die studierte Pharmazeutin mit, die Lust am Gärtnern entdeckte sie früh. In Neustadt konnte sich die Apothekerin „austoben“. „Der Garten war zwar in der Anlage recht aufwendig, aber wir haben darauf geachtet, dass er weniger pflegeintensiv ist“, beschreibt die Neustädterin ihr Konzept.

Fließende Übergänge

Das Grundstück grenzt unmittelbar an den Waldrand. „Wichtig waren für uns deshalb fließende Übergänge“, erklärt die Hausherrin. „Die Natur kennt auch keine geraden Kanten.“ Der Garten ist bei weitem nicht mit einem Blick zu erfassen. Kleine Inseln mit unterschiedlichen Blühschwerpunkten sorgen für Abwechslung rund ums Jahr. Einen Schwerpunkt hat die Familie Kappen auf Rhododendren und historische Strauchrosen gelegt. Während die Rhododendren im Frühjahr farbige Akzente setzen, haben die Rosen im Sommer ihren duftenden und betörenden Auftritt im Garten.

Alle Materialien, die im Freien verbaut wurden, passen optisch hervorragend zusammen: Treppen, Wege und Mauern sind ausschließlich aus Sandsteinen gefertigt, viele Steine sind Feld-, also Fundsteine. Ein geschwungener Weg lenkt die Gäste über eine imposante Auffahrt zur Haustür. Blickfang ist dort ein gepflastertes Rondell, dessen Mittelpunkt die von einer Buchshecke gesäumte Kastanie bildet. Lässt der Besucher das Auge schweifen, entdeckt er unterschiedlichste, attraktive und immergrüne Blattpflanzen. Dazwischen ranken sich Bodendecker, stehen imposante Eiben, kriechen niedliche Schleifenblumen, thront markanter Buchs. Eingefasst sind die Beete von Frauenmantel. „So bleibt der Garten auch im Winter attraktiv. Denn erst dann werden die Strukturen sichtbar“, sagt Gunhild Kappen.  Der Garten ist bewusst so angelegt, dass man auch aus den jeweiligen Zimmern im Haus spannende Fluchten und markante Strukturen erkennen kann.

Duftende Küchenkräuter

Geschickte Details zeigen, wie gern die Familie Kappen in und vor allem mit ihrem Garten lebt. An die Küche schließen sich zum Beispiel gleich zwei wunderschöne und individuelle Terrassen an: Die eine ist gesäumt von unzähligen, duftenden Küchenkräutern, auf die andere fällt die Morgensonne. Teiche und ein Bachlauf sorgen außerdem dafür, dass sich nicht nur Flora, sondern auch Fauna sichtlich wohlfühlt. Singvögel, Libellen, Frösche und Igel haben hier ein Zuhause gefunden. „Durch das gute Gleichgewicht haben wir kaum Probleme mit Schädlingen“, erklärt Gunhild Kappen. Während sich im Sommer Kröten tummelten, fühle sich im Winter das Hermelin wohl.

Bei der Bepflanzung habe man auch darauf geachtet, dass Früh- und Herbstblüher als Bienenweiden dienten. Durchdacht ist auch die Bewässerung des riesigen Areals: „Wir haben einen Tiefbrunnen, in dem das Wasser gesammelt wird“, erläutert die Neustädterin. Neben der säumigen Bepflanzung aus Stauden, Sträuchern und Bäumen, bietet der Garten immer wieder reizvolle thematische Einblicke. Im „Frühlingsgärtchen“ locken zarte Pflänzchen wie Tränendes Herz, an anderen Stellen brillieren Sedum, die sogenannten Fetthennen. Neben bewährten Sorten spielen im Garten auch Raritäten eine Rolle, etwa der Liebesperlenstrauch, der im Herbst kräftige, lilafarbene, beerenartige Früchte ansetzt oder die Wachsglocke, die mit ihren glänzenden Blüten an filigraner Schönheit kaum zu überbieten ist.

Feurig und beeindruckend kommt im Herbst der Eisenholzbaum daher. Seine beeindruckende Färbung zieht alle Blicke auf sich. Der Purpurgarten macht seinem Namen alle Ehre: Hier hat Gunhild Kappen nur Pflanzen gesetzt, die durch ihre markante Farbe auffallen, unter anderem Salbei, Clematis, Pfingstrosen und Flieder. Nicht nur optisch, auch von einem Zaun getrennt, ist der Gemüsegarten, der im Stil des klassischen Bauerngartens – also in vier Vierteln – angelegt ist. Dort reifen im nächsten Jahr wieder Äpfel, Kirschen, Quitten und sogar Pfirsiche.

Lust auf Garten

Die meisten Pflanzen hat Gunhild Kappen selbst gezogen oder auf Pflanzenbörsen gekauft. Spaß haben die Apothekerin und ihr Mann auch auf Gartenmessen, seit Jahren sind sie bei der Initiative „Lust auf Garten“ dabei. Bald werden sich die Kappens einer neuenHerausforderung stellen: Aus familiären Gründen möchte das Ehepaar bald nach Mecklenburg-Vorpommern, in die Nähe eines ihrer vier Kinder ziehen. Das Haus mit dem malerischen und paradiesischen Garten in Neustadt soll alsbald verkauft werden.

Von Sandra Rose

Aus der aktuellen "Meine 4 Wände"

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