Ab 2017

Neue Grenzwerte für Phosphor in Maschinen-Spülmittel

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Ab 1. Januar 2017 gelten neue Grenzwerte für Phosphor-Verbindungen in Spülmittel für Maschinen. Foto: Andrea Warnecke

Die Umsetzung vieler EU-Verordnungen bemerken Verbraucher in ihrem Alltag gar nicht. Eine davon ist, dass sich bis Januar 2017 die Zusammensetzung von Geschirrspülmitteln für die Maschine ändern muss. Dann sind die Mittel nahezu frei von Phosphor. Was steckt dahinter?

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Vom Januar 2017 an wird der Phosphorgehalt in Reinigungsmitteln für Spülmaschinen stark reduziert sein. Restbestände mit Produkten in alter Zusammensetzung dürfen zwar noch verkauft werden, neu Produziertes aber muss nahezu ohne den Stoff auskommen.

Phosphor kommt in Wasch- und Reinigungsmitteln in chemischen Verbindungen wie Phosphat und Phosphonat vor, deren Grenzwerte folglich auch verschärft werden. Wichtige Fragen dazu:

Was steckt dahinter?

Die sogenannte Detergenzienverordnung der Europäischen Union sieht vor, dass weniger als 0,3 Gramm Phosphor pro Standardspülgang aus dem Reinigungsmittel freigesetzt werden darf, wie Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) erklärt. Betroffen sind Spülmittel für Maschinen mit einer möglichen Ladung von 16 Maßgedecken. Dieser Begriff steht für eine bestimmte Anzahl an Besteck-, Geschirr- und Servierteilen. Unter diese maximale Füllmenge fallen im Grunde alle haushaltsüblichen Spülmaschinen.

Warum wird Phosphor begrenzt?

Man kennt die Phosphor-Verbindung Phosphat allem aus Düngemitteln in der Landwirtschaft. Aber auch in Nährstoffpräparaten für den Hausgarten ist Phosphat häufig enthalten. Es fördert hier zum Beispiel die Bildung von Blüten und lässt den Rasen wachsen. Doch der Rohstoff reichert sich in Gewässern an, was Algenwachstum fördert. Auch Menschen scheiden Phosphate, das sie über Lebensmittel aufgenommen haben, wieder aus.

Was bewirken Phosphate und Phosphonate bisher in Reinigungsmitteln?

Phosphate galten lange als schwer ersetzbar. Sie haben unter anderem geholfen, angetrocknete Speisereste aufquellen zu lassen. Phosphate haben auch den gelösten Schmutz im Spülwasser gehalten und verhindert, dass er sich wieder am Geschirr ablagert, erklärt Glassl. Phosphonate wirken unter anderem als Stabilisator von Bleichmitteln und Enzymen - dadurch könnten auch bei niedrigen Waschtemperaturen und folglich weniger Energie gute Waschergebnisse erzielt werden.

Wie geht die Industrie mit der Beschränkung um?

Sie musste tüfteln. "Für Phosphat in Maschinen-Geschirrspülmitteln werden mehrere Ersatzstoffe benötigt, weil es bisher keinen gibt, der alle Eigenschaften auf sich vereint und nicht giftig ist für Mensch und Umwelt", erläutert Glassl. Die Stiftung Warentest hat im Sommer 2016 ("test"-Heft 8/2016) Tabs und Pulver ohne Phosphate getestet. Es zeigte sich, dass die Industrie gut auf das Verbot reagiert hat: Der Testleiter nannte das Ergebnis eine kleine Sensation. Im Warencheck erhielt die Mehrzahl der Produkte die Noten "sehr gut" oder "gut".

Bis vor einigen Jahren war Phosphat EU-weit auch noch ein fester Bestandteil in Waschmitteln. Der Anteil wurde 2013 beschränkt. In Deutschland werden laut IKW schon seit den 1980er Jahren keine Waschmittel für Privathaushalte mit Phosphat mehr hergestellt.

Warum schafft man Phosphat in Spülmitteln nicht ganz ab?

Im Grunde geschieht dies mit dem Phosphor-Grenzwert von 0,3 Gramm pro Standardspülgang, sagt Glassl. Zum Beispiel Phosphate seien nur dann gute Inhaltsstoffe in Geschirrspülmitteln, wenn sie in hoher Konzentration oder großer Menge enthalten sind. "Deswegen bedeutet die Neuregelung das Ende des Einsatzes von Phosphaten, obwohl eine kleine Menge noch eingesetzt werden dürfte", sagt der Experte.

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