Nostalgie trifft auf Moderne

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Funktionierendes Backhaus als Hingucker: Erbaut aus alten Steinen und Pfosten ist es seit vielen Jahren ein nicht mehr wegzudenkendes und schmückendes Element im Reitzschen Garten. 

Die pensionierte Fotografin lebt seit dem Jahr 1965 in der Schwalm. Nach der Heirat zog sie mit ins Haus der Schwiegereltern. Der Garten wurde damals von der Schwiegermutter bewirtschaftet. „Für sie war wichtig, von dem Stück Land möglichst viel zu ernten. Auf einem Teil liefen auch Hühner rum“, erinnert sich Marlies Reitz.

Ende der 1960er-Jahre erfüllte sich Familie Reitz den Traum vom Eigenheim. Satte 1200 Quadratmeter Garten warteten auf Bepflanzung und auf neue Ideen. Zunächst legte Marlies Reitz einen kleinen Nutzgarten an. Bis in die 1980er-Jahre erntete die Fotografin fleißig Möhren, Salat und Kräuter. Doch Arbeit und Familie nahmen viel Zeit in Anspruch. Sie gab die Beete auf, säte Rasen aus und legte neue Beete an. Mit den Jahren wuchs der Spaß am Gärtnern: „Ich habe das Werkeln plötzlich nicht mehr als Arbeit, sondern als Entspannung empfunden“, erzählt sie.

Nostalgie trifft auf Moderne

Ihr Mann entdeckte ebenfalls seine Leidenschaft fürs grüne Wohnzimmer. In wochenlanger Arbeit baute er ein Backhaus mit funktionierendem Backofen in den Garten. „Dafür hat er aus alten Häusern Materialien wie Steine und Balken ausgebaut“, sagt Marlies Reitz.

Ohne große Vorkenntnisse

Die Ziegenhainerin gibt bei ihrer Gartengestaltung offen zu: „Am Anfang hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Ich habe sogar im Sommer Pflanzen umgepflanzt – da hing zwar so mancher Kopf, aber geklappt hat es immer.“ Bei der Auswahl der Pflanzen habe ihr Hauptaugenmerk auf Farbe und Höhe der Pflanzen gelegen, sagt sie. Glücklich sei sie aber über die gute Ziegenhainer Erde: „Die ist schön dunkel und wir haben nicht ein einziges Steinchen drin.“ Gelesen habe sie nur wenig über Anbau, Schnitt und Pflege. „Ich hab vieles ausprobiert“, erzählt sie. Bei Reisen zu Bundesgartenschauen habe sie sich regelmäßig Ideen und Anregungen geholt. „Einen Schnittkurs für Sträucher habe ich allerdings mal besucht.“

Zahlreiche überraschte Besucher

Seit 2000 gehört die Fotografin der Initiative „Offene Gärten“ an. Den Austausch mit anderen Gartenliebhabern findet sie inspirierend. „Mir gefiel, dass mich zwar Menschen im Garten besuchen, aber nicht erwarten, dass da eine Würstchenbude steht.“

Was ihr Beruf mit sich brachte, war das gute und detailverliebte Auge. „Viele Flächen habe ich mir quasi als Kulissen für meine Aufnahmen gestaltet“, erklärt sie. Marlies Reitz liebt Rosen. Ob im Beet oder als Kletterversion – jene zarten Blüten, die mit jeder neuen Knospe mehr ihres betörenden Duftes im Garten verströmen und deren Eleganz die Ziegenhainerin immer wieder begeistert. Wählerisch ist sie bei ihrer Auswahl schon: „Ich kaufe nur Sorten, die wirklich was dürfen. Raritäten sind schön, aber zu pflegebedürftig“, sagt sie.

Und Rosen korrespondierten wunderbar mit anderen Pflanzen, seien optimale Blickfänge  im Staudenbeet. „Lavendel, Klematis oder Spiren – das sind robuste Blütensträucher, die sogar zu Hecken heran wachsen – sind perfekte Begleiter“, erklärt die Fotografin.

Unendlich viele Ideen

Entspannen kann die Gärtnerin im eigenen Garten jedoch nie so ganz: „Man schaut sich um, blättert im Liegestuhl in einer Gartenzeitung und durchdenkt schon wieder die nächste Idee. Oder man springt auf, weil einem etwas ins Auge fällt, was man unbedingt sofort erledigen muss.“

Im Reitzschen Garten macht es die Mischung: Alter Obstbaumbestand korrespondiert mit gefällig angelegten Staudenbeeten, die farblich harmonieren. Ein naturnaher Teich lockt regelmäßig ein Entenpärchen an. Wie kleine Inseln wirken die zufällig arrangierten Sitzgelegenheiten: niedliche Korbmöbel, eine rustikale Holzbank, elegantes Mobiliar aus Eisen. Putten und Engel haben in stilvollen Stillleben ihren großen Auftritt. Ein achteckiger Pavillon lädt auch bei Regenwetter zum Entspannen ein.

Der jüngste Sturm entwurzelte gleich drei alte Bäume: An sie erinnern jetzt drei unbehandelte, rohe Balken in einer kreativen Konstruktion. Marlies Reitz möchte ihren Garten nicht missen, aber künftig ein wenig anders strukturieren. „In einigen Beeten werde ich Storchenschnabel wachsen lassen. Der ist pflegeleicht und sieht gefällig aus“, sagt die Ziegenhainerin. Übrigens findet Marlies Reitz jede Jahreszeit reizvoll. Während im Sommer die Leichtigkeit atmet, hauchzarte Stoffe – Gardinen als Tischtücher –im Wind wehen und der Duft von satter Blüte durch den Garten rankt, illuminiert Reitz im Herbst und Winter Hauseingang und Balkon mit vielen Lichtern. „Mein Garten ist meine Oase der Ruhe“, sagt sie. „Zum Abschalten brauche ich nur ein paar neue Pflanzen und meine Hände.“

Von Sandra Rose

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