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O Nadelbaum, wie mies ist dein Image: Ehrenrettung für Koniferen

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Von: Gisela Busch

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Seltenheit im Garten: Die Andentanne (Araucaria araucana) ist eine außergewöhnlichste Koniferenschönheit.
Seltenheit im Garten: Die Andentanne (Araucaria araucana) ist eine außergewöhnlichste Koniferenschönheit. © Manfred Ruckszio/Panthermedia.net

Nadelgehölze haben in der heutigen Gartengestaltung einen schweren Stand. Einst als Vorgarten-Must-haves inflationär oft gepflanzt, ging es mit ihrem Image bald steil bergab. „Sehr schade“ findet das Gartenbauingenieur Volker Lange aus Kassel: „Koniferen sind genügsam und können sich im freien Stand zu markanten und eindrucksvollen Baumgestalten entwickeln“. Eine Ehrenrettung haben sie in Klimawandelzeiten auf jeden Fall verdient.

„Langweiler“, „Spießergewächs“ und „Friedhofsbaum“ lauten noch die schmeichelhafteren Attribute, mit denen die anspruchslosen Gehölze landläufig oft bedacht werden. Auch eine Folge des Koniferen-Hypes der 1970er-Jahre, als Scheinzypressen, Lebensbäume, Wacholder und Fichten als Garten-Allzweckwaffe derart inflationär häufig eingesetzt wurden, bis niemand mehr sie leiden konnte.

Volker Lange Gartenamt Stadt Kassel
Volker Lange, Gartenamt der Stadt Kassel © Gisela Busch

Gartenbauingenieur Volker Lange aus Kassel meint dazu: „Im Hausgarten setzen kleinwüchsige Sorten gerade im Winterhalbjahr immergrüne Akzente und bilden im Sommer ideale dunkle Kulissen für Rot oder Weiß blühende Ziersträucher und starkwachsende Kletterrosen. Als Heckenpflanzen sind sie sowieso immer noch unersetzlich.“

Von fast allen Koniferen gibt es inzwischen viele Züchtungen, die sich durch Wuchsstärke, Wuchsform oder Nadelkleid von den ausladenden Naturformen unterscheiden und auch in kleineren Gärten nicht den Rahmen sprengen.

Eigenwilliger Wuchs und viele Grüntöne: Die Kleine Muschelzypresse ist eine langsamwachsende Gartenform der in Japan heimischen Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa).
Eigenwilliger Wuchs und viele Grüntöne: Die Kleine Muschelzypresse. © Gisela Busch

Der Name „Koniferen“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Zapfenträger“. Oft werden Koniferen auch als Nadelgehölze bezeichnet. Genau genommen sind aber nicht alle Pflanzen aus dieser Gruppe Nadelbäume. So sind zum Beispiel Zypressengewächse ebenfalls Koniferen.

Schon gewusst? Der Gingko trägt Laub, aber ist mit den Koniferen eng verwandt

Auch wenn er wie ein Laubbaum aussieht: Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist botanisch mit den Koniferen eng verwandt und wird bis zu 30 Meter hoch. Er gilt als lebendes Fossil, ist robust, resistent gegen Hitze und Schädlinge und existierte schon zur Zeit der Dinosaurier und viele Millionen Jahre davor – lange bevor es überhaupt Laubgehölze gab. In China wird von tausendjährigen Exemplaren mit berichtet. Für den Hausgarten eignet sich die niedrige und kompakt wachsende Sorte „Princeton Sentry“. 

Gezielt und in Maßen eingesetzt, können Koniferen sogar ein wichtiger Bestandteil naturnaher Gärten sein. Eine kleine Auswahl:

Bodendecker im Steingarten: der Blaue Kugel-Wacholder (Juniperus squamata ‘Blue Star’).
Bodendecker im Steingarten: der Blaue Kugel-Wacholder (Juniperus squamata ‘Blue Star’). © Gisela Busch

Weihnachtsbaum im Topf: Etwas teurer, aber dafür nachhaltig

So kennt man das alle Jahre wieder: Die Feiertage sind noch nicht vorbei, da rieseln schon die Nadeln. „Nachhaltiger als ein abgesägter Weihnachtsbaum ist da ein Baum im Topf, der später in den Garten gepflanzt werden kann“, sagt Gartenbauingenieur Lange.

Allerdings seien getopfte Tannenbäume (neben Nordmann-Tannen meist Fichten oder Kiefern) deutlich teurer, zudem aufgrund des Erdballens schwerer und nur bis zu einer transportablen Höhe erhältlich. Weil die Aufzucht von Tannenbäumen im Topf aufwendig und teuer ist, die Nachfrage aber groß, werde zuweilen mit der Qualität geschummelt: Freiland-Bäume würden im Herbst ausgegraben, in Töpfe gesteckt und als Topf-Weihnachtsbäume verkauft. „Diese überleben auch die Festtage noch scheinbar gut, wachsen dann im Garten aber oft schlecht an, weil sie über zu wenig Wurzeln verfügen“, sagt Lange. Hochwertige Weihnachtsbäume werden dagegen schon länger im Topf kultiviert – erkennbar am fest durchwurzelten Ballen, bei dem die Feinwurzeln schon aus dem Loch im Topfboden herauswachsen.

Der Topf-Baum muss nachdem Kauf gleichmäßig feucht (nicht nass) gehalten werden, sollte so lange wie möglich im Freien bleiben und erst kurz vorm Fest ins Haus gebracht werden. Bei Frost braucht er einige Tage Akklimatisierung im kühlen Keller oder Treppenhaus, ebenso beim Umzug an seinen endgültigen Platz im Garten, der baldmöglichst nach dem Fest erfolgen sollte.

Nicht vergessen: Immergrüne Gehölze verdunsten auch im Winter Wasser. Bleiben Niederschläge aus, sollten sie gegossen werden.

(Von Gisela Busch)

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