Pellets aus der Region

Späne heizen richtig ein

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Herkunft: Die Fachleute der Pelletieranlage können die Ursprungshölzer von Hackschnitzeln an ihrer Farbe erkennen.

Reinhard Heine lässt den Rohstoff zufrieden durch die Hände rieseln. "Auf die regionalen Lieferanten ist Verlass", sagt der Werksleiter der juwi-Holzpelletieranlage in Bad Arolsen.

Die feinen Späne als Reste aus der Holzverarbeitung sowie reine Hackschnitzel kommen über bewährte Partner ins Werk, bereit für die nächste Produktion. Rund 700 Kubikmeter Rohware sind nötig, um daraus 100 Tonnen Pellets zu fertigen - die durchschnittlich Tagesproduktion des Werkes.

Immer mehr Menschen heizen mit nachhaltig verfügbaren Brennstoffen. Pelletheizung, Hackschnitzelheizanlage oder Kaminofen haben vielerorts Öl- und Gasheizung abgelöst, Tendenz steigend.

Allerdings gibt es regionale Unterschiede: „In Hessen ist die Nutzung nachhaltiger Brennstoffe höher als in Thüringen. Dementsprechend gibt es hier auch mehr Pelletwerke“, sagt Rolf Klapp. Er ist als Prokurist bei der Raiffeisen- Warenzentrale Kurhessen- Thüringen für den Sektor Energie zuständig. Das Unternehmen beliefert Endverbraucher unter anderem mit Pellets, die möglichst standortnah produziert wurden, um lange Transportwege zu vermeiden.

Brennwert konstant

Reinhard Heine kann anhand der Farbe erkennen, von welchem Holz die Späne stammen. Tanne, Fichte oder Douglasie – alle Holzarten können zu Pellets verarbeitet werden. „Viele Menschen glauben, dass Buchenholz bessere Brennwerte liefert. Das gilt für Scheitholz. Bei Pellets ist aufgrund der gleichmäßigen Dichte unabhängig von der Holzart der Brennwert konstant“, erklärt er.

Im Bad Arolsener Pelletierwerk der Juwi-Gruppe, die ihre Erzeugnisse im Umkreis von 100 Kilometern vertreibt, arbeiten zwölf Fachleute in drei Schichten. Pro Schicht überwachen maximal drei Mitarbeiter den voll automatisierten Produktionsprozess von Pellets und Holzbriketts an großen Monitoren in der Leitwarte.

Bei der Annahme kontrolliert ein Mitarbeiter das angelieferte Material und verteilt es per Radlader auf dem Rohstoffplatz. „Verunreinigtes Material nehmen wir nicht an“, sagt Reinhard Heine. Die Späne und Holzschnitzel müssen rindenfrei sein, sonst entsteht beim Verbrennen zuviel Asche.

So entstehen Pellets

Um Pellets und Holzbriketts herzustellen, werden Sägespäne und Hackschnitzel in einem bestimmten Verhältnis gemischt und über die Annahmegosse in zwei Nassspansilos befördert. Mühlen zerkleinern die Holzhackschnitzel auf einen Durchmesser von 12 bis 14 Millimetern. Auf Bandtrocknern wird das Material getrocknet. Viereinhalb- bis fünf Tonnen trockenes Material können pro Stunde zur Pelletherstellung gewonnen werden. Ein Metall- und Schwergutabscheider sondert ungeeignetes Material aus – etwa Metalle.

Wichtig ist der Feuchtigkeitsgehalt des Rohmaterials: Bei einem Wasseranteil von maximal zehn Prozent sind die Bindeeigenschaften der Pellets optimal. Je nach Bedarf wird Lignin zugesetzt, ein natürlicher Zellstoff. In einem Reifebehälter wird die optimale Mischung erzeugt. Die Trockenspäne werden anschließend nochmal in einer Trockenmühle zerkleinert.

Briketts und Pellets werden schließlich gepresst. Weil dabei Wärme entsteht, laufen die Brennstoffe anschließend separat über eine Kühlstrecke. Die Briketts werden auf Länge gesägt, automatisch zu verkaufsfertigen Gebinden eingeschweißt und auf Europalletten gewickelt – feuchtigkeitsgeschützt, versteht sich. Die Pellets werden in eines der beiden Pelletsilos befördert, jedes hat ein Fassungsvermögen von rund 2113 Tonnen.

Der gesamte Produktionsprozess ist voll automatisiert und unterliegt einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle. Alle vier Stunden entnimmt ein Mitarbeiter Proben. Dann werden die Maschinen entsprechend Feuchtigkeitsgehalt und Trocknungsvorgang nachgestellt. Ob mit Scheitholz, mit Pellets oder Holzbriketts geheizt werden kann, ist vor allem eine Frage des Platzes und der Kosten. Nicht zuletzt bieten diese Brennstoffe in hohem Maße Versorgungssicherheit für den Verbraucher.

Von Ilona Polk

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