So werden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge satt:

Speiseplan fürs Gartenjahr: Pollen und Nektar à la carte

Ausnahmsweise der einzige Gast am Mittagstisch: Ein Kohlweißling saugt Nektar am Patagonischen Eisenkraut. Die Staude ist auch für viele andere Insekten den ganzen Sommer über eine wichtige Nahrungsquelle.
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Ausnahmsweise der einzige Gast am Mittagstisch: Ein Kohlweißling saugt Nektar am Patagonischen Eisenkraut. Die Staude ist auch für viele andere Insekten den ganzen Sommer über eine wichtige Nahrungsquelle.

Für ein nahrhaftes Menu auf dem Teller braucht es hochwertige Zutaten. In diesem Punkt herrscht Einigkeit – bei Sterneköchen ebenso wie bei Wildbienen, Hummeln und anderen Insekten. Doch weil deren Lebensräume durch Monokulturen, Versiegelung und Nutzungsintensivierung sowie Pflanzenschutzmittel immer mehr verschwinden, bieten die Landschaften in freier Natur vor allem im Sommer nach der Wiesenmahd kaum noch Nahrung für Wildbienen und andere wichtige Bestäuberinsekten.

Paradoxerweise, so hat es Staudengärtnermeister Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße, beobachtet, sieht die Lage für Insekten heute ausgerechnet in besiedelten Gebieten oft besser aus. Diese bieten, obwohl ungeplant, durch ihre Mischung aus verwilderten und kultivierten Flächen ein vielfältiges Mosaik an Lebensbereichen. „In Privatgärten wäre das Potenzial sogar noch viel größer, würde man dort etwas mehr „laissez faire“ walten lassen, also weniger „aufräumen“, sagt Schmidt.

Cassian Schmidt

Statt Insektenhotels aufzustellen sei es viel effektiver, Totholz und Laub liegen zu lassen, nicht jede Mauerfuge mit Zement zu verschließen und den Tieren offene, sandig-kiesige Flächen („keinen groben Schotter“) mit trockenheitsverträglichen, bienenfreundlichen Stauden anzubieten.

Sammelt Pollen am Bein: Hummel an Färberhülsenblüte.

Dabei komme es nicht nur auf eine möglichst lange Blütezeit von März bis Oktober an, sondern auch auf den Blütenbau. Honig- und Wildbienen haben eher kurze Rüssel und fliegen deshalb mit Vorliebe Lippen- und Rachenblütler wie Salbei, Disteln und Nesseln an. Solche Lippenblütler haben bestimmte Zugangsmechanismen entwickelt, die nur bestimmte Insekten mit einem geeigneten Gewicht betätigen können: So schafft es nur die dicke Hummel, beim Löwenmäulchen die Unterlippe herunterzudrücken, um an Nektar und Pollen heranzukommen, erklärt Schmidt. „Regelrechte horizontale Landeplattformen aus hunderten von kleinen Blütchen“ bieten dagegen Doldenblütler wie Engelwurz und Fetthenne, deren Nektar auch für kaum spezialisierte Schwebfliegen mit kurzen Rüsseln gut erreichbar ist. Langröhrige Blüten wie Phlox werden eher von Schmetterlingen mit langen Rüsseln besucht, während der Nektar der Kugeldisteln auch für kurzrüsselige Fluggäste zugänglich ist.

Pflanzenwolle zum Brutzellenbau

Manche Wildbienen-Arten wie die Garten-Wollbiene brauchen für den Bau ihrer Brutzellen Pflanzenwolle, die sie von den Stängeln abschaben. Für sie sind filzig-pelzige, behaarte und trockenheitstolerante Stauden aus Südosteuropa wie Wollziest, Kronenlichtnelke, Wolliger Fingerhut, Königskerze und Lavendel ideal. Unsere größte heimische Wildbiene, die Blauschwarze Holzbiene, labt sich besonders gern an nordamerikanischen Indigolupinen, japanischem Blauregen und dem ostmediterranen Muskatellersalbei. Noch im Spätsommer liefern nordamerikanische Präriestauden wie Asternarten, Prachtscharten, Staudensonnenblumen, Sonnenbraut, Rudbeckia, Purpurdost sowie Indianernessel, Duftnessel und Bergminze zumindest den weniger spezialisierten Wildbienenarten eine gute Ergänzung an Pollen und Nektar, rät Schmidt.

Wildstauden wie die Engelwurz bieten dem hungrigen Kleingetier die Nahrung quasi auf dem Präsentierteller.

Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu sind fast 90 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Sie sorgen nicht nur für deren Vermehrung, sondern sorgen beim Pollenschmausen auch dafür, dass der Garten Früchte trägt. Wenn jedoch diese bienenfleißigen Helferlein nicht mehr genug zu beißen finden, bleiben auch bei den Sterneköchen irgendwann die Teller leer.

Mehr Infos: Der Sortenfinder der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg hilft bei der insektengerechten Pflanzenauswahl. Auch der Nabu informiert darüber, welche Pflanze für welches Insekt sinnvoll ist. Wie man „Tiere pflanzt“, zeigt das Bundesprogramm „Tausende Gärten, tausende Arten“.

Welche Art von Blüten braucht welches Insekt?

Während Wildpflanzen als Nahrungsquelle für Insekten gut erforscht sind, wird der Nutzen gezüchteter Blumen für Bestäuberinsekten gerade erst erforscht. Das Projekt „Blühinsel“, so erklärt Ute Ruttensperger von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg, will auf wissenschaftlicher Basis Empfehlungen für bestäuberfreundliche Pflanzungen erarbeiten, um blütenbesuchende Insekten wie Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Hautflügler (dazu gehören Bienen, Hummeln und Hornissen) zu unterstützen.

Blütenpflanzen bieten als Nahrung vor allem kohlenhydratreichen Nektar und eiweißreichen Pollen. Ein Energielieferant kann auch Honigtau, das zuckerhaltige Ausscheidungsprodukt von Blatt- und Schildläusen sein. Nektar befindet sich in der Regel am Blütenboden, Menge und Zuckergehalt können je nach Pflanzenart und Umweltbedingungen aber stark schwanken.

Wildbienen und Hummeln füttern ihre Brut aktiv mit überwiegend Blütenprodukten wie Pollen (als einzige Eiweißquelle) und Nektar und ernähren sich auch davon. Ihre Nahrung suchen sie nur in einem Umkreis von wenigen hundert Metern um ihre Nester herum, brauchen also ein enges Nahrungsquellennetz.

Honigbienen sammeln Pollen in einem großen Radius von bis zu drei Kilometern.

Schmetterlinge nehmen mit ihren Saugrüsseln vor allem flüssigen Nektar auf, gern auch aus tiefen Blütenkelchen, aber auch Honigtau von Läusen und Saft von faulendem Obst.

Schwebfliegen lecken mit ihren kurzen Mundwerkzeugen überwiegend Nektar auf.

Käfer fressen mit ihren beißenden Mundwerkzeugen Pollen, aber auch Blütenteile.

Wespen brauchen als Nahrung Nektar und andere Pflanzensäfte und für die Aufzucht der Brut tierische Nahrung wie Insekten oder Insektenlarven. Blüten besuchen sie vorwiegend zum Jagen.

(Von Gisela Busch)

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