Berliner Familie sucht Käufer für gut gepflegtes Ferienhaus des Großvaters aus den „Swinging Sixties“

Retro-Ferienhaus am See

Seit Jahrzehnten im Besitz der Familie: Nach dem Tod seiner Großmutter bietet Nicolai Volkmann aus Berlin das Ferienhaus seines Großvaters in Edertal-Bringhausen zum Kauf an. Fotos: Junker

Dieses Haus war viele Jahre lang unser Stück Freiheit“. Marlis Volkmann, pensionierte Mathematikerin aus Berlin, verbrachte Urlaube in den letzten fünf Jahrzehnten in Bringhausen, zuerst mit den Eltern, später mit ihrer eigenen Familie.

„Wir bekamen im umzingelten West-Berlin eine Art Koller, unser Berlin-Gefühl war Eingesperrtsein“, erzählt sie. Bringhausen dagegen, das eigene Ferienhaus, symbolisierte die totale Freiheit. „Es war ein ganz unglaubliches Gefühl, wenn man mit dem Interzonen-Zug die Grenze passiert hatte und plötzlich im Westen war, die freie Wahl hatte, an jedem Bahnhof aussteigen zu dürfen“, berichtet Marlis Volkmann.

Anfangs habe man während des Urlaubs noch im Wirtshaus am Ort genächtigt, doch bereits im Jahr 1965 kaufte ihr Vater das 1600 Quadratmeter große Grundstück oberhalb des Sees. Und er begann mit dem Bau des Ferienhauses für seine Familie, in dem er später mit seiner Frau auch den gemeinsamen Lebensabend verbringen wollte.

Bis letztes Jahr jeden Sommer bewohnt

Dazu kam es dann zwar nicht, weil er bereits 1970 verstarb, aber bis zum vergangenen Jahr verbrachte Marlis Volkmanns inzwischen 93-jährige Mutter jeden Sommer am Edersee, bewohnte Haus und Garten von April bis Oktober. „Die Vorfreude darauf war in all den Jahren ihre Art Lebenserhaltung während des Berliner Winters“, erzählt die Tochter.

Als die alte Dame im Herbst starb, musste die Familie über die Nutzung des Hauses entscheiden. Wirtschaftsprüfer Nicolai Volkmann sitzt neben seiner Mutter im Ferien-Wohnzimmer, an deren Vorwende-Ausflucht von Berlin hat der 30-Jährige weniger deutliche Erinnerungen.

„Grundstück, Garten, Haus – das kostet Pflege und Erhaltung, die nicht mal eben an einem Wochenende zu leisten sind“, sagt er. Der Job und die junge Familie in Berlin ließen ihm wenig Spielraum für längere Ausflüge nach Bringhausen. „Für ein Wochenende ist Berlin einfach zu weit weg. Und für uns hat das alles auch nicht mehr die Bedeutung wie für meine Eltern und Großeltern“, sagt Volkmann.

Marlis Volkmann gibt zu bedenken, dass sie und ihr Mann nicht jünger werden, mit den Jahren würde für sie der Weg von Berlin nach Bringhausen irgendwie immer länger. Außerdem habe sich auch ihre Wahrnehmung verändert: „Hier ist es so still. Ganz wunderbar, solange man ansonsten Arbeit und Stress um sich hat.“ Aber jetzt – als Rentnerin – wolle sie diese Ruhe gar nicht mehr haben.

Nun also soll das Familiendomizil verkauft werden: Ein Architektenhaus aus den „Sweet Swinging Sixties“. Individuell geplant, massiv errichtet und mit hochwertigen Materialien und Objekten ausgestattet, die heutzutage gesucht sind und im Retro-Design nachgebaut werden: seidene Tapeten, blumige Dessins, fröhliche Farben und gefällige Formen. „Mein Vater hat damals sehr großen Wert auf eine solide Bauausführung und eine exklusive Ausstattung gelegt“, sagt Marlis Volkmann.

Garten bedarf der Pflege

Draußen umgrenzen Hecken und Bäume das Areal, machen aus dem Grundstück ein echtes Rückzugsgebiet. „Garten und Teich sind ein wenig verwildert, darauf wurde in den letzten Jahren nicht mehr so viel Wert gelegt“, sagt Nicolai Volkmann.

Achtzig Quadratmeter Wohnfläche stehen im Haus zur Verfügung, ein Kamin im Wohnzimmer und ein Außenkamin auf der großen Terrasse erwärmen den Aufenthalt an kühleren Tagen. Vier Räume, zwei Bäder und Küche werden komplettiert mit Hauswirtschaftsraum und separatem Heizungsraum. Eine kleine Garage befindet sich unter dem Haus.

„Wir hatten hier auch einmal ein Gespenst“, sagt Marlis Volkmann und berichtet über Geräusche im Kamin, die man nicht einordnen konnte. Dann stellte sich aber heraus, dass eine Waschbärin oben in den Schornstein geklettert war und darin Junge geboren hatte. „Die da heraus zu bekommen – das war eine Riesenaktion. Darum haben wir gleich Vorsorge getroffen und Waschbären-sicher umgebaut.“

Von Constanze Junker

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