Viele heimische Bäume und Gehölze kranken am Klimawandel – Tipps vom Baumschulgärtner

Robuste Exoten mit Zukunft

Purpurfarbenes Blütenspektakel ab März: Erst danach treibt der Judasbaum Blätter aus.
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Purpurfarbenes Blütenspektakel ab März: Erst danach treibt der Judasbaum Blätter aus.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind nach mehreren Hitzesommern mit extremer Trockenheit unübersehbar geworden. Zum Glück gibt es durchaus robuste Baum- und Gehölzarten, die hitzefest und trockenheitsresistent sind, als Bienenweide dienen und sogar essbare Früchte liefern. Gärtnermeister Lars Kasper aus Riedlingen-Möhrigen stellt einige der schönsten zukunftsträchtigen Gewächse vor.

Vielerorts kränkeln selbst jahrzehntealte Hausbäume, leiden traditionelle Stadtgewächse wie Linden, Eschen und Platanen sichtlich unter Trockenstress. Dazu treten vermehrt tierische Schädlinge auf, die geschwächten Rosskastanien und Eichen zusetzen. Die Zukunft gehört daher den robusten Baum- und Gehölzarten. Viele dieser Gewächse begeistern zudem mit eindrucksvollen Blüten, apartem Blattwerk oder origineller Wuchsform, sagt der gelernte Baumschulgärtner. Es gebe da nur ein Problem: „Kaum jemand kennt sie.“

Lars Kasper

Mit Saatgut exotischer Baumarten aus dem Kaukasus, der Mandschurei, Nordamerika, Sibirien, China, Japan und Südeuropa experimentiert der 40-Jährige seit 2012 erfolgreich in seiner Spezial-Baumschule. Robuste „Klimawandelgehölze“ könnten sinnvollerweise künftig nicht nur die einheimischen Baumarten in Stadtparks und Wäldern ergänzen, sondern auch eine attraktive Bereicherung für den Hausgarten sein. Hier eine Auswahl:

Zieht ab Mai Bienen magisch an: Der Prächtige Trompetenbaum mit seinen duftenden, weißen Glockenblüten.

Bienenbäume

Prächtiger Trompetenbaum (Catalpa speciosa): schattenspendender Baum mit herzförmigen Riesenblättern und ausladender Krone, duftende, glockenförmige Blütentrauben im Mai/Juni und 30 Zentimeter lange Kapselfrüchte im Herbst. Winterschutz n den ersten zwei Jahren nötig.
Samthaarige Stinkesche (Euodia hupehensis): der Großstrauch (8-12 Meter) braucht Sonne und gilt als eine der wichtigsten Bienen-Nährpflanzen, Hochsommer-Blüte im Juli/August mit weißen, duftenden holunder-ähnlichen Dolden. In den ersten Jahren ist Winterschutz nötig, ebenso regelmäßige Bewässerung und Schutz vor Schneckenfraß.
Blasen-Esche (Koelreuteria paniculata): filigraner Kleinbaum (bis 8 Meter) aus China mit leuchtend gelben, fast 40 Zentimeter langen Blütenrispen (Juli/August/September), die auch spät im Sommer das dann rare Bienenfutter liefern. Knorriger, mediterraner Wuchs mit dichter Krone.

Farbenfeuerwerk im Herbst: Die sternförmigen Blätter des hitzerobusten Amberbaums leuchten dann in Gelb-, Orange- und Rottönen.

Laubschmuckbäume

Amberbaum (Liquidambar styraciflua): großwüchsiger Solitärbaum mit wohlriechendem Harz und sternförmigen Blättern mit fulminant-feuriger Herbstfärbung in gelb-orange-rot-violett sowie auffallenden Samenständen.
Rot-Ahorn (Acer rubrum): Kleinbaum (bis 15 Meter) mit kegelförmiger, lichter Krone. Die Farbe Rot dominiert nicht nur bei der spektakulären Herbstfärbung, sondern auch beim Blattaustrieb und den duftenden büschelförmig wachsenden Blüten (März/April); Starkzehrer mit hohem Düngerbedarf.
Strauch-Rosskastanie (Aesculus parviflora): sommergrüner Strauch und Heckenpflanze, bis drei Meter, auch als Kübelpflanze, Bienenweide, goldgelbe Herbstfärbung. Die Kastanien eignen sich als biologisches Waschmittel.

Blüten-/Beerengehölze

Judasbaum (Cercis siliquastrum): stammt aus dem Mittelmeerraum, langsam wachsender Baum, auch strauchförmig, zahllose purpurfarbene, essbare Blüten (März/April) am vorjährigen Holz, später nierenförmige, silbrig-grüne Blätter. Samen ist bei Vögeln beliebt, in den ersten Jahren Winterschutz ratsam.
Weißer Maulbeerbaum (Morus alba): der Kleinbaum (bis 10 Meter) aus China wächst auch als Hecke. Kugelrunde Krone mit hellgrünen, behaarten Blättern. Aus unscheinbaren Blüten (März-Juni) entwickeln sich ab Juli gelbe bis dunkelrote, brombeer-ähnliche, säure-arme Früchte für Saft und Gelee oder getrocknet wie Rosinen.
Baum-Magnolie (Magnolia kobus): Kleinbaum (bis 12 Meter) mit verzweigter Krone und spektakulären, zehn Zentimeter großen Blüten. Die roten Balgfrüchte sind im Herbst bei Vögeln begehrt. Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina): schnellwachsender Bienenbaum mit dunkelroter Rinde; duftende, nektarreiche weiße Blütenständen (Mai/Juni). Singvögel lieben die schwarzen Beeren, die auch geeignet sind für Wein, Saft und Gelee.

Nadelbäume

Tränen-Kiefer (Pinus wallichiana): immergrüner Nadelbaum mit auffallend waagerecht wachsenden Ästen und büschelförmigen, langen Nadeln. Erreicht 35 Meter Höhe bei 4 bis 5 Metern Breite. Schlangenhaut-Kiefer (Pinus leucodermis): stammt aus Südosteuropa und kommt mit Hitze, Dürre, Trockenheit und Wind problemlos zurecht, säulenförmiger Wuchs (bis 20 Meter) mit markanter Krokodilpanzer-Rinde.
Hakenkiefer/Spirke (Pinus uncinata): perfekt für steinige, nährstoffarme Hanglagen, wächst strauchartig (bis 25 Meter), durch Schnitt beliebig formbar – auch als Bonsai.
Lawsons Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana): pyramidal wachsender immergrüner Baum mit roter Rinde.

Nussbäume

Pekanussbaum (Carya illinoiensis): großer (20-40 Meter) Waldbaum, blüht erstmals nach 8 bis 10 Jahren (Befruchterpflanze nötig), aromatische, nährstoffreiche Nüsse.
Königsnuss: (Carya laciniosa): im Gegensatz zur Walnuss schmaler im Wuchs, langsam wachsend (bis 30 Meter), gut auch für kleine Gärten, hoher Ertrag mit auffallend großen süßen Nüssen, deren Schale sich leicht entfernen lässt.
Spott-Nuss (Carya tomentosa): Walnussgewächs (bis 25 Meter) mit Fiederblättern, süße, goldgelbe Nüsse.

Dekorativ: Samenstände des Lederhülsenbaums.

Exotische Gehölze

Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos): erreicht bis 20 Meter, lichte Krone, markant schuppige Rinde und gefiederte (leicht giftige) Blätter. Die traubenartigen Blüten locken mit ihrem zuckersüßen Geruch Bienen und Bestäuber-Insekten magisch an. Aparte, bis zu 30 Zentimeter lange, spiralförmige Hülsen, deren essbare Samen wie Linsen zubereitet werden können. Amur-Korkbaum: lichtbedürftiger Laubbaum (bis 20 Meter) mit dickem Stamm, weiße Blütenrispen im Juni/Juli, schwarze Beeren für Vögel ab Herbst, zweihäusig (man braucht also zwei Exemplare). Seidenraupen-Eiche (Quercus acutissima): schnellwachsender Solitärbaum, erreicht im Garten bis acht Meter, Schattenspender mit ausladender Krone, kastanien-ähnliches dunkelgrünes Laub und üppige Blütenstände.

Weitere Informationen über Bäume und Gartengehölze, die mit Trockenheits- und Hitzestress im Garten besser zurechtkommen, gibt es unter klimawandel-gehoelze.de

Bäume mit Potenzial

Für robuste Baumarten aus fernen Ländern, die den Begleiterscheinungen des Klimawandels, also starken Frösten, Hitzewellen und extremer Trockenheit die Stirn bieten können, sieht Lars Kasper hierzulande großes Potenzial: „Exoten könnten nicht nur den Holzmarkt aufwerten, sondern auch die heimische Tierwelt – Bienen, Vögel, Nager und Schalenwild – mit wichtiger Nahrung versorgen“, sagt der Baumschulgärtner.

Zum gleichen Thema hat das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau an drei Standorten 30 stresstolerante Baumarten aus aller Welt über zehn Jahre lang untersucht. Die vielversprechenden Ergebnisse machen diese auch für Privatgärten zunehmend interessant.

Buchtipp: Mein Garten im Wandel

Oft wird in Gartenratgebern zu „kluger Pflanzenverwendung“ geraten, allerdings bleibt unklar, wie man diese ökologisch sinnvoll in der Praxis umsetzt. Zum Glück gibt es nun das neue Buch des enthusiastischen Gartengestalters Peter Janke, in dem er uns auf einen Spaziergang mit nimmt durch seinen 14.000-Quadratmeter-„Hortvs“. Die Schaugartenanlage in Hilden bei Düsseldorf mit etlichen Gestaltungsbeispielen – von der Steppe bis zum Feuchtgebiet – wird meisterlich in Szene gesetzt mit Stimmungsbildern des Gartenfotografen Jürgen Becker. Mit Humor, Herzblut und schnörkellosem Sachverstand erklärt Janke, wie Pflanzengesellschaften „ticken“ und man sich stetig verändernde Flächen in Lebensräume zum Wohlfühlen verwandelt.

„Layering“ und andere pfiffige Ideen

Begleitet vom Wechsel der Jahreszeiten erklärt Janke sehr anschaulich, was naturnahe Gartengestaltung ausmacht – ein echter Schatz an Ideen für die eigene Grünzone mit detaillierten Pflanz- und Pflegetipps sowie allerhand pfiffigen Vorschlägen. „Layering“ ist so ein Zaubertrick: die geschickte Kombination von Pflanzen mit gleichen Standort- und Bodenansprüchen und zeitversetzten Vegentationszyklen, die einander nicht bedrängen – was dazu führt, dass die Pflanzung ganzjährig toll aussieht. Es bedurfte wohl erst unübersehbar dramatischer Anzeichen des Klimawandels, um die Verwandlung verbrannter Rasenflächen in lebensfrohe Kiesbeete mit trockenheitsverträglichen Pflanzengesellschaften salonfähig zu machen. Hier zeigt uns einer, wie’s geht!

„Mein Garten im Wandel“ von Peter Janke, Becker Joest Volk Verlag, 36 Euro.

(Gisela Busch)

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