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Nostalgische Blüten für alle Sinne

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Von: Gisela Busch

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Heike Mehle und Stefan Rumpf (Baumschule Steuber in Kassel) mit der „Edenrose 85“.
Heike Mehle und Stefan Rumpf (Baumschule Steuber in Kassel) mit der „Edenrose 85“. © Gisela Busch

Die beste Zeit für neue Rosen ist der Juni. „Dann blühen die meisten Sorten und man sieht genau, wen man sich da in den Garten oder auf den Balkon holt“, sagt die Kasseler Gärtnermeisterin und Rosenexpertin Heike Mehle von der Baumschule Steuber. Der Hauptblütemonat im Rosenreich ist zugleich die beste Pflanzzeit für die „Königin der Blumen“.

Angesichts der ungeheuren Vielfalt an Farben und Blütenformen, an frühen und späten Sorten und diversen Wuchsformen dürfte aber jeder seine perfekte Rose finden. Die Entscheidung fällt aber angesichts der Fülle der angebotenen Rosen-Varietäten gar nicht so leicht. Von der Lieblingsfarbe einmal abgesehen: Sollte es eher eine bewährte Sorte sein, die in Gartenkreisen schon seit Jahren für ihre Blühfreudigkeit und Pflanzengesundheit bekannt ist? Oder eine der vielversprechenden Züchter-Neuheiten aus ganz Europa, die durch ihre Farbgebung oder ihren Duft beeindrucken?

Nach Erfahrung von Gärtnermeisterin Mehle stehen zwar meist die Blütenfarbe und -form sowie der Duft im Mittelpunkt, allerdings sollten auch Eigenschaften wie Blattgesundheit, Frosthärte und Standfestigkeit nicht außer Acht gelassen werden. Für viele wichtig sei auch Bienenfreundlichkeit, welche die meisten einfachblühenden, aber auch viele gefülltblühende Sorten aufweisen.

Pflege und Schnitt von Rosen

Pflege: Rosen sind Tiefwurzler und benötigen daher einen tiefgründigen Boden. Der Boden darf ruhig etwas schwerer sein. Im Frühjahr werden die Triebe dann auf etwa drei bis fünf, bei älteren Exemplaren auch sieben Augen, zurückgeschnitten und eine Grunddüngung mit Volldünger gegeben, die je nach Art des Düngers über den Sommer noch ein bis zweimal wiederholt werden sollte. Wie alle Gartenpflanzen werden auch Rosen ab August nicht mehr gedüngt, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen und frosthart sind.

Verblühtes: Wenn man verblühte Blütenstände laufend herausbricht oder schneidet, bleibt die Kraft zum Nachtreiben neuer Blüten erhalten.

Umpflanzen: Sollen ältere Gartenrosen an einen anderen umziehen, ist der Zeitpunkt entscheidend: Am besten im Frühwinter in der Zeit ab Mitte Oktober bis zum Frost, dann kann sich über den Winter das Bodenleben rund um die Wurzel etablieren. Vor dem Ausgraben werden die Triebe zum Transport zurückgeschnitten und zusammengebunden. Beim tiefgründigen Ausgraben sollte man möglichst viele der Wurzeln unbeschädigt lassen und die Hauptwurzel erst sehr tief kappen. Das Pflanzloch sollte seitlich und in der Tiefe mindestens 20 Zentimeter größer sein als der Wurzelballen, sodass die Veredlungsstelle beim Einpflanzen eine Handbreit unter der Erde liegt. Den Aushub kann man mit Pflanzsubstrat und Bodenaktivator mischen und nach dem Einpflanzen gut festtreten. Nun wird die Rose auf maximal ein Drittel der ursprünglichen Größe zurückgeschnitten, damit sie ihre Kraft aufs Anwurzeln konzentrieren kann. Wichtig: In den nächsten Tagen durchdringend wässern und vor dem Winter anhäufeln.

In jedem Fall sollte vor dem Einpflanzen einer Rose der Boden tiefgründig gelockert werden. Der Strauch muss so tief ins Pflanzloch eingesetzt werden, dass die Veredelungsstelle stets unter der Erde liegt, um vor Frost geschützt zu sein. „Kommen doch einmal Wildtriebe von unterhalb der Veredelungsstelle hervor – sie haben eine kerzengerade Form, hellgrüne Farbe und wachsen schnell – kann man diese einfach wegschneiden“, sagt Mehle.

Rosen fühlten sich als Tiefwurzler auch in dichtem Lehmboden grundsätzlich wohl. Bei einer Neupflanzung empfiehlt Mehle aber spezielle Rosenerde als einen „Löffel extra für den guten Start“. Deren Struktur fördere die Haarwurzelbildung. Zur Bodenauflockerung eigne sich auch grober Estrichsand.

Am wichtigsten aber sei die regelmäßige Nährstoffversorgung der Starkzehrer, die bei ihrem Blütenspektakel viel Energie verbrauchen. Rosendünger macht eine Pflanze für sechs bis acht Wochen lang satt, dann braucht sie einen Nachschlag. Nach dem Frühjahr wird im Juni die zweite Düngergabe fällig. Anfang August müsse aber dann Schluss sein mit den Nährstoffen, betont Mehle. „Wer später noch düngt, riskiert das Nachwachsen frischer Triebe bis Ende Oktober und Frostschäden im Winter“.

Infos: Baumschule Steuber, Telefon 05 61/4 00 66 45, Rosenwochen „Lieblingsplatz Rosen-Garten“ vom 11. bis 25. Juni 2022 in der Baumschule in Kassel, Leipziger Straße 361.
Rosarium Uetersen: Infos über 900 Rosensorten und ihre Pflege gibt es auf rosarium-uetersen.de – nicht nur im Rosenmonat Juni ein tolles Reiseziel für Rosenfreunde.

Buchtipp: „Rosen“ von Tony Hall

Ein Buch wie ein Rosenfest: 78 verschiedene Arten und Sorten stellt der Leiter des Royal Botanic Gardens in Kew/England nebst allen nötigen Informationen dazu in seinem aufwendig gestalteten Pflanzenbuch vor. Neben Tipps zu Pflanzung und Pflege finden Rosen-Anfänger und -Liebhaber zudem 12 inspirierende und ambitionierte Rosen-Projekte zum Nachmachen und Ausprobieren. „Rosen“ von Tony Hall , Haupt Verlag, 144 Seiten, 26 Euro.

Drei Rosen-Neuheiten zum Verlieben ...

„Munstead Wood“ (David Austin 2007)
„Munstead Wood“ (David Austin 2007) © Busch, Gisela

Munstead Wood (David Austin 2007): Nach „Munstead Wood“, dem Garten der legendären englischen Gartengestalterin Gertrude Jekyll, benannte der englische Züchter David Austin 2007 seine Strauchrose mit dem atemberaubenden Duft nach Himbeeren und Heidelbeeren und nostalgischen Blüten in tiefem, dunklem Rotviolett. Die Englische Rose ist von buschigem Wuchs und erreicht eine Höhe von 80 bis 130 Zentimetern. In Japan wurde sie mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

„Skyline“ (Tantau 2020).
„Skyline“ (Tantau 2020). © Baumschule Steuber

Skyline (Tantau 2020): Die Farbe Hellorange ist in der Rosenwelt eher eine Seltenheit. Daher zieht die erst 2020 vom Züchter Tantau aus Schleswig-Holstein eingeführte, süß duftende Kletterrosensorte alle Blicke auf sich. Sie erreicht zwei bis drei Meter Höhe, kann aber auch im großen, hohen Topf kultiviert werden. Dann ist eine regelmäßige Nährstoffversorgung wichtig. Die gefüllten Blüten öffnen sich ganz weit, sodass ihre Staubgefäße auch für Bienen gut erreichbar sind. 

 „Malaica“ (Tantau 2021)
„Malaica“ (Tantau 2021) © Baumschule Steuber

Malaica (Tantau 2021): Mit ihren gelben Knospen, die auf ihrem Weg zur Vollblüte hin einen bemerkenswerten Farbwechsel vollziehen und dann in knalligem Pink leuchten, ist die erst 2021 vorgestellt Edelrose von Tantau nicht zu übersehen. Sie erreicht 80 bis 120 Zentimeter und fügt sich perfekt in romantische Staudenbeete ein. Von ihrem betörenden Duft werden Bienen wie Gartenfreunde angelockt. Als Schnittblume erfüllt sie jeden Raum mit ihrem Duft.

... und drei zeitlos schöne Klassiker

„Edenrose 85“ (Züchter 1985)
„Edenrose 85“ (Züchter 1985). © Busch, Gisela

Edenrose 85 (Mailland 1985): Als Strauch- und Kletterrose macht die von dem französischen Züchter Mailland 1985 vorgestellt Edelrose eine gleichermaßen gute Figur. Die moderne Rose mit dem nostalgischen Flair wird für ihre Blattgesundheit geschätzt. Sie erreicht 100 bis 150 Zentimeter Höhe, wird aber auch als Dreier-Hochstamm veredelt. Als Solitärpflanze ist sie Blickfang in jedem Rosengarten. Von 2006 bis 2009 wurde ihre Schönheit mit dem Titel „Weltrose“ gewürdigt.

Die Edelrose „Augusta Luise“ (Tantau 1999)
Die Edelrose „Augusta Luise“ (Tantau 1999). © Busch, Gisela

Augusta Luise (Tantau 1999): Die Rose ist nach der als „Goethes Gustchen“ in die Literaturgeschichte eingegangenen Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg benannt, für die Matthias Claudius das Frühlingslied „Heute will ich fröhlich sein“ schrieb. Ihre herausragende Farbgebung, die lange Blütezeit und der süße Duft haben der Tantau-Edelrose (1999) viele Preise beschert: „Beste Edelrose“/„Rose des Jahres“ 2010 in Neuseeland sowie „Schönste Rose im Rosarium Uetersen“ 2012.

 „Rose de Resht“ (unbekannter Züchter um 1950)
„Rose de Resht“ (unbekannter Züchter um 1950) © Busch, Gisela

Rose de Resht (Züchter unbekannt um 1950): Der Name geht angeblich zurück auf die englische Rosensammlerin Nancy Lindsay, welche die stark gefüllte Alte Rose mit dem umwerfenden Duft nahe der nordpersischen Handelsstadt Resht im Jahre 1949 entdeckte und sie nach England importierte, wo sie als „Rose de Resht“ ab 1950 in den Handel kam. Sie ist nachblühend – untypisch für historische Sorten – und eignet sich dank ihres kompakten Wuchses (100 bis 150 Zentimeter) auch für Kübel.

(Von Gisela Busch)

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