Neben der blaublütigen Lieblingsstaude hat die Gattung Geranium noch viel mehr zu bieten

„Rozanne“ hat zauberhafte Schwestern

Geraniumzüchterin Ann Muyldemanns mit dem zweifarbigen Storchschnabel Geranium „Tumbling heart“
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Hingucker im Staudenbeet: Der zweifarbige Storchschnabel Geranium „Tumbling Heart“ von Geraniumzüchterin Ann Muyldemanns.

Geranium „Rozanne“ gehört seit 30 Jahren zu den Lieblingsstauden der Deutschen im Garten. Doch es soll Gärtner geben, die leicht entnervt mit den Augen rollen, wenn man ihnen von „Rozanne“ vorschwärmt.

Wie kann das sein? Diese wunderbare Pflanze blüht fast das ganze Jahr, trotzt Kälteeinbrüchen und Sommerhitze, passt mit ihrem überreichen Blütenflor im schönstem Violettblau praktisch zu allem und jedem und dankt einen bodennahen Rückschnitt nach der Blüte mit raschem Neuaustrieb und erneuter Blütenpracht. Ebenso begehrenswert sind auch ihre fabelhaften Schwestern: Zauberhafte Storchschnabel-Arten und Sorten in vielen Farben für jeden Gartenbereich von Schatten bis Sonne.

Blühende Legende: Seit 30 Jahren ist Geranium „Rozanne“ heiß begehrt.

Die großblumige Storchschnabelsorte, die 1989 im Garten von Donald und Rozanne Waterer im englischen Somerset entdeckt wurde und seither als US-Patent geschützt ist, gilt inzwischen als die bekannteste und meistverkaufte Geranium-Sorte. Besser geht’s doch nicht, oder? Würde sie auch noch duften, dann wäre Geranium „Rozanne“ nicht von dieser Welt. „Wer Geranium sagt, meint fast nur noch „Rozanne“ und das ist ein Jammer, denn die tolle Art hat so viel mehr zu bieten“, sagt Geranium-Expertin Ann Muyldemans. Besonders stolz ist sie auf ihre eigene Züchtung G. pratense „Algera double“, eine aparte, zweifarbig blühende Staude mit weiß-rosa gestreiften Blütenblättern und dunkelviolettem Herz.

Eigene Züchtung der Gärtnerei Algera: Geranium pratense „Algera Double“, eine gefüllte Sorte

Die Gattung Geranium umfasst insgesamt rund 400 Arten. Darunter finden sich robuste, üppig blühende Wild-stauden und Züchtungen für fast alle Lebensbereiche von schattig bis vollsonnig, schwärmt Muyldemans, deren kleine Gärtnerei Algera im belgischen Bekkevoort sich schon in zweiter Generation auf winterhartes Geranium spezialisiert hat.

Fein gezeichnet: Geranium cinereum „Jolly Jewel Coral“

Gartengeranium gibt es in allen Farben außer gelb und orange. Viele Arten tragen zarte, oft zweifarbige Blüten Rosa- und Violetttöne, blühen aber auch weiß und dunkelrot. Die Wuchshöhen variieren zwischen zehn und 90 Zentimetern. Neben kompakten Rabattenpflanzen und großblumigen Sorten sind besonders bodendeckende Arten wie etwa „Thumbling Heart“, „Jolly Jewel Coral“, „Jolly Jewel Purple“ und „Signal“ beliebt. Der deutsche Name Storchschnabel erklärt sich erst beim Blick auf den Fruchtstand: Die länglichen, eigentümlich gestalteten Fruchtstände erinnern an den Schnabel des Storches.

Zartlila Blüte, kaffeefarbenes Laub: Geranium maculatum „Espresso“

Die durchschnittliche Blütezeit, die je nach Sorte von April und Mai bis November reicht, ist an und für sich schon unschlagbar. Dazu kommt die große Blütenzahl: ein üppiger Flor, der jede Lücke im Beet auffüllt. Attraktiv ist auch das Blattmuster mit dunkelgrüner und teils bronzener bis bräunlichgrüner oder grauer Färbung des Laubs, das bei einigen immergrünen Sorten auch im Winter für Struktur im Beet sorgt.

Die langen, zarten Blütenstiele des Geraniums umschmeicheln andere Stauden, ohne sie zu erdrücken. Dazu sind die Pflanzen wüchsig, durch Teilung leicht zu vermehren und werden von Schnecken gemieden – besser geht’s kaum.

Rosa Blüte: Geranium oxonianum „Tic Tac“

Geranium eignen sich hervorragend als Rabattenpflanzen, aber auch als Rosenbegleiter und Lückenfüller an problematischen trockenen oder schattigen Plätzen. So kommen die Arten G. nodosum, G. macrorrhizum und G. cantabrigiense mit Trockenheit besser klar, während G. wlassovianum und G. palustre eher einen feuchten Standort brauchen, erklärt Muyldemans und stellt augenzwinkernd fest: „An Geranium kommt man im Garten eben einfach nicht vorbei.“

Information: Geranium-Spezialgärtnerei Algera, Telefon 0032 / 486 67 8661, Mail: info@algera.de, www.algera.de.
Sorten-Übersicht des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS): staudensterne.de/geranium.html

Geranium und Geranie - die beiden werden oft verwechselt

Trotz ihrer völligen Nutzlosigkeit für Wildbienen und fast alle anderen heimischen Insekten zählen die sogenannten Geranien immer noch zu den beliebtesten Balkonblumen. Doch was viele als Geranie bezeichnen, ist alles andere als ein Geranium. Bei den traditionellen Beet- und Balkonkastenblumen handelt es sich vielmehr um Pelargonien. Kein Wunder, dass es immer wieder zur Verwechslung zwischen beiden Gattungen kommt.

Rote Perlargonien in einer Gärtnerei.

Aufklärung ist also vor dem Pflanzenkauf bitter nötig: Zwar gehören beide Pflanzen zur Familie der Storchschnabelgewächse, aber nicht zur gleichen Gattung. Die botanische Trennung erfolgte bereits vor 200 Jahren. Trotz allem hat sich die Bezeichnung Geranien für die Pelargonien im Volksmund hartnäckig gehalten. Wo liegen also die Unterschiede zwischen Geranium und Pelargonien? Die Geranium sind Stauden, die bei uns zum größten Teil winterhart sind, also im Freien überwintern und entweder immergrün sind oder im Frühjahr wieder austreiben. Ihre Blüten werden gern von Bienen und Wildbienen sowie nützlichen Schwebfliegen besucht.

Die Pelargonien kommen aus Südafrika. Sie finden bei uns Verwendung als Beet- und Balkonpflanzen, ihre sterilen Blüten sind für Insekten nur eine bunte, aber leere Wüste. Sie sind bei uns nicht winterhart und können nur in geschützten Räumen (hell, 5 bis 10 Grad) überwintert werden, landen aber nach der Saison meistens im Müll. Quelle: Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

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