Sanierung des Kasseler Palais Bellevue fast abgeschlossen

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Von außen hingeschaut: Das Palais Bellevue hat neue Fenster bekommen.

Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten mit umfangreicher energetischer Sanierung soll das Palais Bellevue in Kassel Ende Januar für Besucher des darin beheimateten Grimm-Museums wiedereröffnet werden.

Palais Bellevue

Architekt Guido Höfert, HHS Architekten, ist mit Achtung vor der historischen Bausubstanz an diese Bauaufgabe herangegangen. „Wir waren stets bemüht, der alten Bausubstanz gerecht zu werden“, sagt er. Gleichzeitig sei es gelungen, die zeitgemäße Gestaltung der Modernisierung nicht zu verstecken.

Herzstück des Gebäudes ist die imposante, gewendelte, dreiläufige Eichenholz-Treppe mit einem wunderschön geschwungenen Geländer. Durch Setzung über die Jahrhunderte – das Palais Bellevue wurde 1714 erbaut – kam es zu einer deutlichen Schiefstellung der Stufen. Beim Betreten geriet die Treppe ins Wanken und es durften sich maximal zehn Personen gleichzeitig auf der Treppe befinden. Besonders unansehnlich: Der Lastabtrag wurde durch von der Decke hängende Stahlseile abgefangen, die das Treppenhaus wie ein Provisorium aussehen ließen.

Treppenläufe verstärkt

Jetzt wurde die Schiefstellung der Stufen behoben und die Tragkonstruktion der Treppe erheblich verbessert: Jeder Treppenlauf wird durch zwei Stahlkonsolen, die in den massiven Wänden verankert sind, zusätzlich gehalten. Jede Stufe ist unterseitig mit zusätzlichen Holzauflagen stabilisiert. Die Verstärkung der Tragkonstruktion wird von der zum Teil rekonstruierten Verkleidung der Stufenunterseiten kaschiert. Die Stufen wurden von viel Farbe und Teppichbelag befreit und zeigen sich nach der Sanierung in ihrem ursprünglichen Zustand, in geölter Eiche natur.

Vor der Wiedereröffnung soll der Handlauf noch erhöht werden. Zudem wurde das historische Tafelparkett erhalten und aufgearbeitet. Es gibt nun zwei Räume im ersten Obergeschoss, die mit dem alten Parkett ausgestattet sind, in den anderen Räumen mit Tafelparkett wurden neue Elemente, die dem historischen Vorbild nachempfunden sind, verlegt. Im Mansardgeschoss wurden alte Wandbekleidungen durch hochwertige Wärmedämmung ersetzt und auch beim Schallschutz auf den neuesten Stand gebracht, da die viel befahrene Frankfurter Straße direkt vor der Tür entlangführt.

Energetische Sanierung

Zu der soliden energetischen Sanierung gehörte auch der Austausch der alten Fensterflügel, zum Teil auch der Rahmen. Unter Einhaltung der Auflagen des Dankmalschutzamtes wurde ein Großteil der Fenster saniert und mit entsprechender Wärmeschutzverglasung versehen. Um das historische Gebäude zeitgemäß nutzen zu können, wurde die Elektroverteilung erneuert. Außerdem wurden eine flächendeckende Brandmeldeanlage, eine Einbruchmeldeanlage, EDV-Anschlüsse und die eine Abluftanlage eingebaut. Probleme, die durch die neuen dichten Fenster entstehen könnten, sollen dadurch vermieden werden.

Auch ein Aufzug vom Kellergeschoss bis zum zweiten Obergeschoss hat einen Platz gefunden. Wichtig: Der Eingang zum Palais Bellevue wurde verlegt. Der Zugang erfolgt nun durch den Garten, durch das kleine Tor gegenüber der Neuen Galerie.

Hendrike Racky

PDF der Sonderseite "Sanierung des Palais Bellevue"

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