Neues Haus in historischem Gewand

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Offen und lichtdurchflutet: Küche, Essbereich und Wohnzimmer bilden zusammen einen großen, freundlichen Raum.

Das Projekt Scheunensanierung begann als Umbau einer alten Scheune und endete als Bau eines komplett neuen, modernen Hauses in einem authentischen Gebäude.

„Eigentlich haben wir in unsere alte Scheune ein neues Haus hineingebaut“, beginnt der Bauherr seine Ausführungen. „Nach der ersten flüchtigen Idee, die alte Scheune auf dem Grundstück meiner Schwiegereltern zu Wohnzwecken umzubauen, musste ich ein wenig Überzeugungsarbeit leisten.“ Der Bauherr brachte seine Frau und deren Eltern dazu, sich ebenfalls vorstellen zu können, aus dem historischen Gemäuer ansehnlichen Wohnraum für eine junge, dreiköpfige Familie zu machen. Dass das tatsächlich richtig gut gelungen ist, zeigt das Resultat sehr anschaulich.

Neues Haus in historischem Gewand

Das Ehepaar hat eine zweijährige, intensive Planungszeit hinter sich, bevor es im November 2009 beginnt, die Scheune umzubauen. Nach nur knapp fünf Monaten Bauzeit konnten die Bauherren ihr „Haus in der Scheune“ im April 2010 beziehen.  Was als Umbau der alten Scheune bezeichnet wird, war in Wahrheit eine totale Kernsanierung des bestehenden Gebäudes. Die Bauherren haben die alte Scheune bis auf die tragenden Strukturen, also die Außenwände aus altem Ziegelmauerwerk, die tragenden Wände und den markanten Dachstuhl zurückgebaut.

Moderne Technik

Sie erneuerten die Fenster und Türen, dämmten die Gebäudehülle und heizen nun mit Erdwärme. Die Nutzung von Solarenergie ist vorbereitet. „Das Dach ist neu eingedeckt und gedämmt worden. Das mit den Außenmauern war schon ein bisschen komplizierter“, erzählt der Bauherr und verdeutlicht, dass zur Dämmung des alten Ziegelmauerwerks ein Luftpolster geschaffen worden ist, um zwischen den Wänden eine Luftzirkulation zu erzielen. „Dazu wurde eine speziell für belüftete Dach- und Wandkonstruktionen entwickelte Luftdichtungsbahn eingebaut, die als Hochleistungs-Dampfbremse fungiert“, erklärt er die membranbeschichtete Folie fachkundig. „Die Bezeichnung Haus im Haus beschreibt vor allem dieses konstruktive Mittel, eine alte 24-er Ziegelmauer ohne zusätzliche Außendämmung als Sichtmauerwerk erhalten zu können.“

Viel Eigenleistung

ie Bauherren haben sich nicht nur mit erstaunlichem Sachverstand, sondern auch mit viel Eigenleistung in das Projekt Scheunensanierung eingebracht. „Wir haben viel selbst gemacht. Darüber hinaus haben wir versucht, für die anstehenden Bauarbeiten kleine Firmen aus dem Ort zu beauftragen“, sagt der Bauherr und lobt in diesem Zusammenhang die Firmen, die an dem Umbau beteiligt waren. „Es hat alles sehr gut geklappt“, lautet sein Fazit.

Neben unerschütterlichem Willen und guter Vorstellungskraft – gerade in der ersten Zeit der Planung – gehört ein erhebliches Maß an Fingerspitzengefühl dazu, den Umbau einer Scheune zu einem modernen Wohnhaus zu vollziehen.

Ein kleines Beispiel verdeutlicht den behutsamen Umgang mit der alten Bausubstanz: Um die alten Ziegelsteine zu erhalten und weiterverwenden zu können, wurden die Außenmauern vorsichtig von außen nach innen durchbrochen, als die Fensteröffnungen vergrößert wurden. „Wir haben die alten Steine gesäubert und wiederverwendet“, erinnert sich der Bauherr.

Grundrissgestaltung

„Wir haben unseren Wohnbereich ausdrücklich offen und großzügig geplant.“ Um die Großzügigkeit auch bei der  Innen-Außen-Beziehung zu erhalten, hat das Ehepaar viele bodentiefe Fenster einbauen lassen. Das verstärkt die Wirkung der Transparenz. „Den Wohnbereich, also das große Ess- und Wohnzimmer mit der offenen Küche, bezeichnen wir selbst als unseren öffentlichen Bereich. Mit einer Schiebetür ist der private Bereich abgetrennt“, erläutert der Bauherr. Insgesamt hat sich die Familie mit dem Umbau der alten Scheune 190 Quadratmeter modernen Wohnraum geschaffen. Sie bewohnt nun das zweite Obergeschoss und eine offene Galerie.

„Wir schätzen besonders die Blickbeziehungen innerhalb unseres Wohnbereiches“, sagen die Bauherren. Gemeint ist die offene Galerie, die als Arbeitszimmer genutzt wird. Besonders lauschig ist es auf dem großen Balkon, der vom Wohnbereich aus zu betreten ist. „Mit den beiden Balkonen haben wir insgesamt 50 Quadratmeter im Freien“, berichtet der Bauherr. „Auf dem Balkon fühlt man sich wie in einem Baumhaus.“ Der große Balkon mitten im Grünen ist ein idealer Rückzugsort für die Bauherrenfamilie.

Ein ganz besonderer Höhepunkt versteckt sich in dem eher privaten Bereich des Hauses: das wunderschöne Bad. Es lässt von der Ausstattung her keine Wünsche offen und ist auch gestalterisch herausragend – von der gut gewählten spanischen Feinsteinzeugfliese bis zur luxuriösen Regendusche. Zudem bietet es sehr viel Platz und erfreut das Auge mit geschmackvoller und ideenreicher Aufmachung.

Von Hendrike Racky

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