Weiße Röckchen zum Niederknien

Schneeglöckchen wecken auch in Deutschland die Sammlerleidenschaft

Die Sorte Galanthus nivalis „Floro Pleno“ verströmt einen lieblichen Duft und wird schon seit 1731 kultiviert.
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Die Sorte Galanthus nivalis „Floro Pleno“ verströmt einen lieblichen Duft und wird schon seit 1731 kultiviert.

Kaum zeigt sich im tiefsten Winter mal länger die Sonne, schon bahnt sich das Schneeglöckchen seinen Weg ans Licht. Die Vorfrühlingsbotin bildet ab Januar gern üppige Blütenteppiche.

Verrückt nach Schneeglöckchen? Also wirklich, wo gibt’s denn so was? Natürlich in England. Im Mutterland der Gartenbegeisterung hat die „Galanthomanie“ ihre Opfer traditionell fest im Griff.

 Aber wir müssen auf der Hut sein, denn das hochansteckende, unheilbare Schneeglöckchenfieber ist längst über den Ärmelkanal gesprungen. Vor allem im Winter, wenn die Abwehrkräfte von Gartenfreunden ohnehin geschwächt sind, greift es weiter um sich.

Schlichte Schönheit mit Porzellan-Teint: Das Schneeglöckchen. 

Sammler geben schon mal bis zu 500 Euro für eine herausragende neue Galanthus-Sorte aus. 

Zum Glück gibt es aber auch für kleines Geld im Gartenfachhandel eine Fülle betörend hübscher Glöckchen-Arten, mit denen sich bereits im tiefsten Winter der Frühling herbei läuten lässt.

Schneeglöckchen für Sammler

Staudengärtner Florian Härtl aus Niedenstein (Schwalm-Eder-Kreis) ist im Februar beim Treffen der Schneeglöckchen-Enthusiasten im Luisenpark Mannheim wieder dabei – neben den Schneeglöckchentagen im Kloster Knechtsteden bei Dormagen heute eines der bekanntesten Sammlertreffen in Deutschland.

Angefangen habe das alles mit dem deutschen Pionier der Galanthus-Begeisterung, dem 2012 verstorbenen Günter Waldorf vom Niederrhein, erinnert sich Härtl. 

Die „Nettetaler Schneeglöckchentage“ nach englischem Vorbild entwickelten sich in knapp einem Jahrzehnt zum Mekka für Sammler aus ganz Europa.

Florian Härtl, Staudengärtner aus Niedenstein.

Schneeglöckchen begeistert Liebhaber

Für Liebhaber der zarten Frühlingsblume mit dem makellosen Porzellan-Teint, die eigentlich in keiner Weise als spektakulär gilt, seien solche Sammlertreffen Pflichttermine. 

Man deckt sich mit Nachschub ein und bestaunt außergewöhnliche Neuzüchtungen, tauscht sich aus über früh- und spätblühende Sorten und verliert ganz bestimmt sein Herz an ein neues Exemplar, dessen Blütenblätter in reinweiß, grün-geflammt oder womöglich sogar gelb-gefleckt leuchten.

So klein und zart die Pflanzen auch sind, so unterschiedlich sind dank zahlreicher Neuzüchtungen die Zeichnungen der Blütenblätter. 

Wer es ganz genau wissen will, muss niederknien. Kenner haben sogar einen Handspiegel dabei, um dem Glöckchen unters Röckchen zu gucken.

Schneeglöckchen steht unter strengem Schutz

Per Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben werden natürlich Tipps zu Vermehrung und Pflege sowie Adressen bewährter, englischer, belgischer und holländischer Blumenzwiebelspezialisten, welche ihre besonderen Sortimente auch nach Deutschland liefern.

Als Wildblume ist das Schneeglöckchen hierzulande nur selten anzutreffen und steht unter strengem Schutz: Weder Pflücken noch Ausgraben sind erlaubt. Die ersten Sonnenstrahlen im zeitigen Frühjahr regen die Zwiebelchen zum Austrieb an. 

Die europäische Art Galanthus nivalis öffnet bereits ab Januar ihre Glöckchen, großblütige Sorten folgen ab März. Etwa 19 Arten der Gattung Galanthus sind bekannt. 

Die Zahl der kultivierten Sorten liegt längst bei weit über 1000 und es entstehen immer neue Varianten, wobei die Unterschiede für Laien nur schwer erkennbar sind. Erst im vorigen Frühjahr, so berichtete die Zeitschrift Gartenpraxis, haben Botaniker in der Nordwest-Türkei eine ganz neue, herbstblühende Schneeglöckchen-Art (G. bursanus) entdeckt.

Vermehrung der Schneeglöckchen

Bei der Vermehrung und Verbreitung, so erklärt Staudengärtner Härtl, spielen Ameisen eine tragende Rolle: Wenn der Blütenstängel welk zu Boden sinkt und der Fruchtknoten aufplatzt, machen sich die Tiere, angelockt durch einen Nährkörper an jedem Körnchen, darüber her und tragen es mit sich herum. 

Ist das Leckerli verputzt, lassen sie das Samenkorn irgendwo anders wieder fallen. Dagegen setzen Züchter, die von einer aufsehenerregenden neuen Sorte möglichst schnell viele Pflanzen produzieren wollen, auf das „Chipping“-Verfahren, erklärt Härtl. 

Dabei wird die Zwiebel in millimetergroße Stückchen zerteilt, welche dann im Labor unter idealen Kulturbedingungen zu neuen Zwiebelchen heranwachsen: Aus eins mach 20 oder mehr.

Humus für die Schneeglöckchen

Im Garten klappt die Vermehrung viel einfacher: Wer den Blütenteppich unter einem Laubgehölz vergrößern oder die hübschesten Glöckchen an weiterer Stelle ansiedeln möchte, kann die Horste – „Zwiebelnester“ lautet der Fachbegriff – einfach zur Blütezeit oder kurz danach teilen. 

„Dabei muss man“, so sagt Härtl, „mindestens eine Mutterzwiebel samt ihren Kindlein verpflanzen“. Die Tuffs werden an einem frostfreien Tag ausgegraben, vorsichtig geteilt und möglichst bald am neuen Platz wieder eingesetzt, wo sie mit etwas Humus als Beigabe ungestört anwurzeln können.

Keinesfalls darf das Laub nach der Blüte (etwa, wenn sie im Rasen stehen) abgemäht werden. Über die Blätter sammeln die Zwiebeln die nötige Kraft fürs Wachstum, ehe sie – übers Jahr eingezogen in der Erde – der nächsten Blüte entgegen schlummern.

Veranstaltungen: Schneeglöckchentage Knechtsteden (südlich von Düsseldorf), 15./16. Februar, jeweils 10 bis 16 Uhr. 

Internationale Schneeglöckchentage im Luisenpark Mannheim, 22./23. Februar, jeweils 10 bis 17 Uhr.

Schneeglöckchentage im Garten von Ehren in Hamburg, 29. Februar/1. März, 9-18 bzw. 10 bis 16 Uhr.

Tipps gibt Schneeglöckchen-Gärtnerin Maria Mail-Brandt auf ihrer Galanthomanie-Website.

Ihr Buch „Schneeglöckchen-ABC“ ist im Selbstverlag buecher.de erschienen, 15 Euro.

Info: Gartenbau Härtl

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