Es gibt nicht viele Pflanzen in der Lieblingsfarbe der Deutschen

Sehnsucht nach der blauen Blume der Romantik

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Der himmelblaue Himalaja-Scheinmohn, Novalis dachte  bei seiner Suche nach der blauen Blume sicher an genau diese Farbe. 

Streng genommen, die Puristen  unter den Farbenfreunden nehmen es da sehr genau, kommen blaue Blumen in der Natur eher selten vor. Dafür ist die Farbe schon seit der Romantik mit großen Gefühlen verknüpft. Der Dichter Novalis setzte ihr ein literarisches Denkmal.

Zwar gibt es in der Blütenwelt ein überwältigendes Spektrum an Farben und Farbtönen, aber von reinem und tiefem Blau sind die wenigsten. Umso mehr werden sie verehrt. Vor allem seit der Epoche der Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Dichter Novalis der vergeblichen Suche nach der sagenhaften „Wunderblume“ literarisch ein Denkmal setzte. Seither steht die blaue Blume stellvertretend als Symbol für die romantische Sehnsucht nach dem ewig Unerreichbaren.

Novalis, eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772 bis 1801).

Dies gilt zum Glück nicht für den Garten, wo es für jeden Standort die passende Sehnsuchtsblume gibt. Vor allem Korn- und Glockenblumen, Vergissmeinnicht und Rittersporn sowie Enzian und Gedenkemein lassen uns mit ihren intensiven Farben vom Himmelblau bis zum tiefdunklen Nachtblau erstaunen.

Das Gedenkemein.

All diese blauen Gartengesellen, als heimische Arten zuverlässig winterhart, erobern, wie das als anspruchsloser Bodendecker beliebte Gedenkemein (Omphalodes verna), auch problematische Gartenplätze im Handumdrehen. Als „Blume des Jahres“ wurden mit Gemeiner Wegwarte, Berg-Sandglöckchen, Sibirischer Schwertlilie, Leberblümchen und Ehrenpreis schon einige „Blaublüter“ ausgezeichnet. Wer Kinder hat, sollte aber bei der Auswahl beachten, dass viele dieser blauen Gartenstauden giftig sind.

Der Rittersporn. 

Zwar verhält sich der Rittersporn mit Windempfindlichkeit, Nährstoff- und Standortansprüchen („Sonne im Gesicht, Schatten an den Füßen“) mitunter etwas anspruchsvoll, doch die wahre Herausforderung an die Gärtnerkunst ist der ebenso kapriziöse wie strahlend himmelblaue Himalaja-Mohn. Die 1886 in China entdeckte Pflanze namens Meconopsis kam erst 1926 nach Europa und wächst als einjährige oder mehrjährige, krautige Pflanze. Sie braucht einen halbschattigen, windgeschützen Standort ohne direkte Mittagssonne mit gut durchlässigem, humosem, schwach saurem Boden, also etwa so wie im Wald, empfiehlt dazu das Onlineportal gartenratgeber.net. Gepflanzt wird der Scheinmohn ab April, doch ob es ihm dort gefällt und er sich am Standort als mehrjährige Staude entwickelt, zeigt sich leider erst, wenn er im ersten Jahr Knospen bildet. Oder eben nicht.

Die Kornblume. 

Deutlich unkomplizierter sind zuverlässig winterharte Stauden wie der imposante Rittersporn (Delphinium), von dem es zahlreiche Hybriden in verschiedenen intensiven Blauvariationen gibt – leider ist er auch bei Schnecken sehr beliebt. Unübersehbar in ihrer Blütenfarbe sind auch der blaue Eisenhut (Aconitum carmichaelii „Arendsii“) sowie der mehrblütige Gartenenzian (Gentiana triflora „Shine blue“). Selbst in trockenen Lagen gedeiht der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea), ein unverwüstlicher Bodendecker. Unter den Einjährigen bezaubert die Trichterwinde (Ipomoea violacea „Heavenly Blue“) mit fast unwirklich strahlender Farbintensität.

Der Garten-Enzian.

Im zeitigen Frühjahr holen Zwiebelblumen wie Blau-sternchen (Scilla biflora), Traubenhyazinthen (Muscari) und Vergissmeinnicht (Myosotis sylvestris) die Himmelsfarbe direkt in den Garten. Nur für Rosenliebhaber wird sich der Wunsch nach der Sehnsuchtsfarbe des Novalis trotz jüngster japanischer Gentechnik-Kreationen wie der Sorte „Applause“ sicher niemals erfüllen. Schließlich ist ein blasses Violett noch lange kein Blau.

Blaublütige Pflanzenlisten: zu.hna.de/pflanzenfinderblau zu.hna.de/gartenjournalblau

Das Vergißmeinnicht. 

Buchtipp: Blauer Schatz der Gärten

In „Gärten der Blauglut“ sah der Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl Foerster anno 1953 „Funken zwischen Himmel und Erde überspringen“. Solch rauschhaftes Empfinden dürfte manchen Gärtnern nicht fremd sein – spiegelt diese besondere Stelle im Farbenreich doch endlose Himmelshöhen und Meerestiefen ebenso wider, wie sie als Symbol für die ewige Hoffnung (auch die des Gärtners auf Wachstum) steht. Als ein wahrer Schatz nicht nur für blauverrückte Pflanzenfreunde erweisen sich die poetischen Betrachtungen Foersters auch noch fast 70 Jahre nach ihrer Erstauflage. Vorgestellt in Text und Bild werden ein- und mehrjährige Blaue sowie Sträucher, Gehölze und sogar (beinahe) blaues Blattwerk für das ganze Jahr. Strenge Blau-Puristen finden hier ebenso ihr Glück wie farbtolerantere Gärtner, für welche die Grenzen zu Lila und Violett auch fließend sein dürfen.

„Blauer Schatz der Gärten“ von Karl Foerster, Verlag Ulmer, 192 Seiten, 124 Farbfotos, ISBN 978-3-8001-3385-7, Preis 39,90 Euro.

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