INTERVIEW über Geborgenheit und spannende Perspektiven im Garten

Senkgarten: Ein Zimmer in der Natur zum Innehalten

Der wohl bekannteste Senkgarten Deutschlands befindet sich in Potsdam-Bornim und wurde 1911 von Staudengärtner Karl Foerster angelegt.
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Erst auf den zweiten Blick bemerkt man das Gefälle zur Gartenmitte hin. Der wohl bekannteste Senkgarten Deutschlands befindet sich in Potsdam-Bornim und wurde 1911 vom berühmten Staudengärtner Karl Foerster angelegt.

Der klassische Senkgarten ist hierzulande noch immer eine Seltenheit. Dabei ist er nicht nur schön, sondern schenkt auch Geborgenheit und spannende Perspektiven.

Wer hier hineingerät, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: so ungewohnt die Perspektive, so überwältigend die Wirkung der Pflanzenfülle ringsum und so einladend der Ort der Stille in seiner Mitte. Der Senkgarten spielt auf das Herrlichste mit unserer Wahrnehmung. Er umfasst einen meist rechteckigen Ausschnitt des Gesamtgartens und ist um einige Stufen tiefergelegt, wobei gern eine Natursteinmauer die bepflanzten Böschungen auf allen vier Seiten einrahmt. Im windgeschützten Zentrum liegen ein Teich, ein blühendes Beet oder auch ein gepflasterter Sitzplatz, von dem aus man diesen Raum voller Kontraste zwischen der Strenge der Form und der überquellenden Pflanzenfülle am besten genießen kann.

Mit ihrer Version eines Senkgartens, welcher die vor über 100 Jahren von Staudenaltmeister Karl Foerster in Potsdam-Bornim erschaffene Anlage zum Vorbild hatte, gewann Gartendesignerin Gabriella Pape 2007 bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft für Gartenbaukunst in England eine Silbermedaille. Wir sprachen mit ihr über die Vorzüge des klassischen Senkgartens, der hierzulande immer noch eine Seltenheit ist.

Woher kommt die Idee des Senkgartens?
Es wird behauptet, dass der Staudengärtner Karl Foerster den ersten Senkgarten Deutschlands in Potsdam- Bornim um 1912 hat anlegen lassen. Relativ sicher ist, dass die Idee des Senkgartens in England während des Viktorianischen Zeitalters sehr häufig ein Teil der Gartenplanung war. Es gibt sogar noch frühere Nachweise, die bestätigen, dass es schon im 17./18. Jahrhundert Senkgärten gab, die nicht selten Teil eines Gartenparterres waren. Besonders beliebt war der abgesenkte Rosengarten, weil sich dort genügend Wasser sammelte um die durstige Königin der Blumen mit Wasser zu versorgen. Allerdings waren diese Senkgärten selten so tief wie der von Karl Foerster, man spricht häufig von nur „ein bis zwei Fuß“, also 30 bis 60 Zentimeter Tiefe.
Wie wirkt sich die „Tieferlegung“ auf Pflanzen aus und welche gedeihen dort besonders gut?
Der Senkgarten erleichtert meist die Wasserzufuhr, denn in ein tiefer gelegtes Gartenstück fließt das Wasser leichter als auf ebener Fläche. Auch gibt der Senkgarten vielen Pflanzen einen besonderen Schutz vor Wind und Wetter. Aus meiner Erfahrung genießen es fast alle Pflanzen, in einem solchen tiefergelegten Gartenzimmer zu leben. Auch wer exotische Pflanzen mag, sollte es mit einem Senkgarten probieren, denn hier sind sie besonders gut geschützt, auch vor leichten späten Frösten.
Welche Gestaltungselemente wie Steine oder Wasser sollte ein Senkgarten enthalten und wie groß muss er sein?
Es gibt eigentlich kaum Regeln. Die Größe hängt eher von der Tiefe ab. Ein flacher, also 30 bis 40 Zentimeter tiefer Senkgarten braucht nicht so viele Stufen um hinein und wieder hinaus zu kommen. Mein Senkgarten auf der „Chelsea Flower Show“ maß 25 mal 10 Meter, also 250 Quadratmeter. Aber so groß muss er nicht sein. Um Freude zu bringen, reicht schon ein fünf mal fünf Meter kleines Stückchen Land, das dann aber nur zwei Stufen haben darf.
Auch das Material, aus dem man den Garten baut, spielt natürlich eine Rolle. Wer nicht genug Platz für Natursteinmauern hat, kann die Ränder auch mit Stahlplatten festhalten.
Eine Wasserstelle kann ein Hochgenuss im Senkgarten sein, vor allem wenn sie groß genug ist, um Reflexionen der Bepflanzung zu zeigen oder die am Himmel treibenden Wolken zu reflektieren. Bei wenig Platz reicht auch eine Vogeltränke.
Kann man einen kleinen Senkgarten auch selbst anlegen?
Selbst anlegen ist immer das beste, dann freut man sich am meisten über eine so große Leistung. Allerdings ist zu beachten, dass ein Senkgarten, und ist er auch noch so klein, ziemlich viel Aushub von (meist recht schlechtem) Unterboden produziert. Es sollte gut überlegt sein, ob man aus Kostengründen den Aushub im Restgarten verteilt oder doch lieber abfahren lässt. Ich lege Ihnen Letzteres sehr ans Herz, weil sich die Erde nie „hübsch“ in den Garten integrieren lässt. Selbst ein 40 Zentimeter tiefer Senkgarten muss zumindest in den Pflanzflächen 80 Zentimeter tief ausgehoben werden, um etwas Dränage und guten Gartenboden einbauen zu können. Da kommen selbst bei einem 5x5-Meter-Senkgärtchen schnell mal 15 Kubikmeter zusammen – das ist eine Menge Erde.
Preisgekrönt: Der Senkgarten auf der Chelsea Flower Show, mit dem Gabriella Pape 2007 die Silver-Gilt-Medaille gewann.
Was macht für Sie den besonderen Zauber dieser Gartenform aus?
Das Erlebnis sich in einem Senkgarten zu bewegen oder sich auch nur dort aufzuhalten kann nur verstehen, wer es einmal erlebt hat. Selbst bei einem recht flachen (40-50 Zentimeter) tiefen Senkgarten erlangt man das Gefühl, zusammen mit den Pflanzen ganz allein auf der Welt zu sein. Ich nenne dieses Gestaltungselement gern auch den „Introvertierten Garten“. Er lässt uns innehalten.
Was haben Sie über den Senkgarten vom großen Gartenphilosophen Karl Foerster gelernt?
Eben genau diese Tatsache: Dass man sich im Senkgarten völlig mit der Natur alleingelassen fühlt – also im positiven Sinn: Natur pur. Deshalb ist es ja auch so wichtig, dort Pflanzen und Wasser miteinander zu verbinden.
Gartenexpertin Gabriella Pape

Zur Person

Gabriella Pape (57) gewann mit einem von Karl Foersters Senkgarten in Potsdam-Bornim inspirierten Schaugarten 2007 die „Silver Gilt Medal“ bei der weltberühmten Chelsea Flower Show. Sie studierte in England Horticulture und Gartenarchitektur und erlangte ein Diplom für Landschaftsarchitektur der University of Greenwich. Seit 2008 leitet die Gartenexpertin zusammen mit der Gartenhistorikerin Isabelle van Groeningen die Gartendesignfirma „Königliche Gartenakademie“ in Berlin-Dahlem. gis

Senkgarten: Windschutz und milderes Kleinklima

Der Senkgarten hat seinen Ursprung in den Gärten der Renaissance und des Barock, wo er als gestalterisches Element eingesetzt wurde, ist aber auch für heutige Gartenbesitzer mit eher kleinen Gärten geeignet.

Vom Prinzip her ist er ein reiner Ziergarten, der durch eine abwechslungsreiche Bepflanzung, durch Stauden, Gräser und Gehölze zur Geltung kommt. Sein Zentrum liegt etwa 50 Zentimeter unterhalb der gewachsenen Gartenstrukturen und bietet dadurch einen optimalen Windschutz. Die Natursteine der Umrandung speichern durch die Sonneneinstrahlung Wärme und geben diese an die Pflanzen ab – es entsteht ein besonderes Kleinklima, das den dortigen Pflanzen zugutekommt. Das Spiel mit dem Höhenunterschied sorgt zudem für eine optische Vergrößerung des Gartens und steigert seine Attraktivität.

Querschnitt eines Senkgartens. (Zeichnung)

Pflege von Pflanzen*: Pflanzen brauchen viel Pflege - vor allem im Sommer. Nicht nur im Garten kommt es dabei auf die richtige Menge Wasser an. Falsches Gießen hat Folgen. *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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