Asiatische Heilpflanze gilt als Superfood und gedeiht problemlos auch in unseren Breiten

So einfach geht’s: Pikant-scharfen Ingwer selbst anbauen

Ingwerknollen im Gewächshaus der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Die weiß-rosa Wurzeln gedeihen hierzulande problemlos.
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Ingwerknollen im Gewächshaus der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Die weiß-rosa Wurzeln gedeihen hierzulande problemlos.

Wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung und der vielseitigen Verwendbarkeit hat Ingwer, traditionelles Gewürz und Heilpflanze Asiens, in den vergangenen Jahren auch die hiesige Küche erobert. Warum also die beliebte Pflanze nicht einfach selbst im Garten anbauen?

Für den Ingwer-Genuss sind weite Transportwege nötig, denn das Superfood kommt vor allem aus China. Selbst bei ökologisch wirtschaftenden Gemüsegärtnern ist Ingwer oft das einzige importierte Produkt am Marktstand. Im Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wird seit 2018 erfolgreich mit den pikant-scharfen Wurzeln experimentiert, erklärt Birgit Rascher, als Versuchsingenieurin zuständig für den Ökoanbau im LWG-Gemüsebauversuchsbetrieb.

Birgit Rascher ist Versuchsingenieurin im Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG Bamberg

Das Ergebnis: Ingwer könnte sich schon bald zur Trendkulturpflanze des „Urban Gardening“ entwickeln. Was landläufig als „Ingwerknolle“ bezeichnet wird, ist botanisch gesehen ein Rhizom, also ein Wurzelstock mit Austriebsknospen („Augen“). Neben etwas Geduld und Experimentierfreude braucht es für die Hobbykultur lediglich ein schönes Rhizomstück aus dem Lebensmittelladen, „am besten in Bio-Qualität“, gute Pflanzerde und ein scharfes Messer. Die aus Fernost importierten Ingwerwurzeln seien zwar getrocknet, sagt Rascher, können aber neu austreiben.

Knollenstücke mit je zwei Augen schneiden

Zunächst schneidet man die Wurzel „in 30 bis 40 Gramm schwere Stücke mit je zwei guten Augen dran.“ Nachdem die Schnittstellen über Nacht etwas angetrocknet sind, werden die Wurzelstücke in einen Topf oder Kübel (jeweils mit Abzugsloch) oder in eine wasserdurchlässige Holzkiste eingepflanzt und dünn mit Erde bedeckt. Als Kultursubstrat eignet sich gewöhnliche Pflanzerde. Der Standort sollte möglichst warm sein, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung. Ideal ist eine Bodentemperatur von etwa 20 Grad. Die Erde wird leicht feucht gehalten, für Luftfeuchtigkeit sorgt eine Folienabdeckung.

Austrieb nach drei Wochen

Nach etwa drei Wochen treiben die „Augen“ aus. Dann wird ein heller Standort benötigt, allerdings ohne allzu viel direkte Sonne. Nach weiteren drei Wochen sind die Ingwer-Rhizome angewurzelt. Ingwer eignet sich laut Rascher weniger fürs Gartenbeet, aber hervorragend für die Kultur im Topf und im geschützten Hochbeet. Trotz seines Wärmebedarfs ist die Pflanze äußerst schattenverträglich. Mit steigenden Temperaturen ab Mitte Mai können die Töpfe auf den Balkon oder an einen windgeschützten, halbschattigen Platz im Garten oder ins Gewächshaus umziehen.

Ingwer aus Eigenbau ist zart und einzigartig frisch

Im Gegensatz zu den importierten Wurzeln, die eine eher faserige Struktur und feste Außenhaut haben, ist „selbst angebauter Ingwer zart und von einer Frischequalität, die man im Laden nicht kaufen kann“, sagt Rascher. „Geerntet werden kann immer mal wieder nach Bedarf, in dem man die Wurzel etwas freilegt und ein Stück abbricht. Die Pflanze kann sorgfältig wieder eingetopft weiterwachsen und neuen Ertrag bilden. Die LWG-Experten haben in Bamberg je Pflanze von 150 bis 200 Gramm (Freiland) über 700 Gramm (Folientunnel) bis 1000 Gramm (Gewächshaus) geerntet. Mit Herbstbeginn ist hierzulande Schluss mit der Ingwersaison. Dann werden die Töpfe bei 10 bis 15 Grad kühl und trocken im Haus überwintert.

Info: LWG-Gartentelefon, Tel. 0931/9801-147 (Mo und Do 10-12 und 13-16 Uhr) sowie per E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de (Gisela Busch)

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