Mit der Sonne Bier brauen

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Große Einsparungen: Sie gaben den Anstoß für die Solarthermieanlage, von links Bastian Schmitt, Christoph Lauterbach, Prof. Dr. Klaus Vajen und Klaus-Peter Reinl.

Kochen, kühlen, maischen – bevor ein Bier frisch gezapft werden kann, wird viel Energie verbraucht. Die Hütt-Brauerei in Baunatal-Rengershausen beispielsweise benötigt im Jahr so viel Wärmeenergie wie durchschnittlich 180 Einfamilienhäuser.

Um ihre Energiebilanz zu verbessern, setzt die Privatbrauerei seit vergangenem Jahr auf Solarenergie. In Kooperation mit Forschern der Universität Kassel ist es Hütt als erster deutscher Brauerei gelungen, eine Solaranlage vollständig in einen komplexen industriellen Prozess wie die Heißwasserversorgung zu integrieren.

Solarwärme für die Brauerei

„Angefangen hat alles mit einer Diplomarbeit“, sagt Hütt-Braumeister Klaus-Peter Reinl rückblickend. Vor sieben Jahren analysierte der Kasseler Student Bastian Schmitt die Schwachstellen des Brauhauses. Daraus entwickelte sich zunehmend eine Kooperation zwischen Hütt und der Uni Kassel, die schließlich zu einem Pilotprojekt führte.

Erhöhte Energieeffizienz bei der Bierproduktion

Ziel des Projekts war es, auf der Knallhütte künftig eine nachhaltige Bierproduktion durch die Nutzung von thermischer Solarenergie und einer erhöhten Energieeffizienz zu gewährleisten. Wissenschaftler des Fachgebiets Solar- und Anlagentechnik analysierten zuerst die Produktionsabläufe und erstellten eine Energiebilanz.

Im Mai vergangenen Jahres haben sie dann eine 155 Quadratmeter große Solaranlage auf dem Dach der Brauerei installiert, das Kochverfahren auf ein Vakuumkochsystem umgestellt und für eine verbesserte Ausnutzung der Erwärmungs- und Abkühlungsprozesse gesorgt. Die Sonnenkollektoren sammeln seitdem einen Teil der für die Heißwasserversorgung benötigten Wärmeenergie. Diese wird an einen Pufferspeicher abgegeben und erhitzt das kalte Brauwasser aus den Vorlauftanks über einen Plattenwärmetauscher. Große Einsparungen verspricht auch das Einmischen des Malzes in das Brauwasser, das Einmaischen. Für das Erhitzen verwendeten die Bierbrauer bisher    kochend heißen Wasserdampf. Da zum Maischen jedoch nur relativ niedrige Temperaturen benötigt werden, musste der Dampf mit kaltem Wasser abgekühlt werden. Jetzt wird auf diesen energieaufwändigen Prozess verzichtet. Stattdessen wird jetzt für das Einmaischen das von der Solaranlage passend erhitzte Wasser verwendet.

Weiteres Potenzial

Dank der ebenfalls optimierten Würzekochung im Sudhaus habe sich bereits ein Drittel des dort benötigten Energieeinsatzes reduziert, frohlockt Reinl. Er schätzt, dass Hütt allein durch die Solaranlage etwa 3500 bis 5000 Euro pro Jahr einsparen werde. „Im Sommer liegen die ersten Vergleichswerte vor“, sagt der Braumeister und hat schon weitere Pläne: Demnächst werde Hütt auch in der Reinigungsanlage der Flaschenabfüllung Solarenergie nutzen.

Für das innovative Konzept haben die Kasseler Forscher und der Braumeister inzwischen nicht nur den Energy Masters Award 2010 gewonnen, sondern auch das Interesse anderer Brauereien geweckt. „Es haben schon Kollegen deswegen angerufen“, sagt Reinl nicht ohne Stolz.

Von Sebastian Schaffner

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