Sorgfältiger Umgang mit einem alten Familienstück

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Als säße man direkt im Garten: Der Rasen grenzt direkt an die Fenster. Dieser planerische Kniff war Grit Kluthe besonders wichtig.

Bevor die Familie mit dem Umbau begonnen hat, lebten Verwandte in dem Haus. „Als der Gedanke reifte, das Haus für unsere Tochter und ihre Familie umzubauen, drängte sich sofort die Frage auf: Wie sollen wir hier ausreichend Platz für vier Personen finden?“, erinnert sich Grit Kluthe.

Dass das Haus mit seiner ursprünglichen Wohnfläche von rund hundert Quadratmetern viel zu klein für die Ansprüche einer vierköpfigen Familie war, ist nachvollziehbar. Nach dem Umbau und der Erweiterung stehen der Bauherrenfamilie nun 165 Quadratmeter sehr großzügig wirkende Wohnfläche zur Verfügung.  Beide Bauherren, Dres. Till und Marin Eggers, sind ganz in der Nähe aufgewachsen, haben längere Zeit nicht in Kassel gelebt und sind nun zurückgekehrt. Das Haus steht in ihrer gewohnten Umgebung. Die Nachbarschaft ist ihnen bekannt, sodass sie sich in ihrem Haus schnell heimisch fühlten.

Sorgfältiger Umgang mit einem alten Familienstück

Ab August 2008 haben Wolfgang und Grit Kluthe die Erweiterung und den Umbau des stilechten 50er-Jahre-Hauses geplant. Im November wurde der Bauantrag eingereicht. Die geplanten Maßnahmen mussten mit dem Amt für Denkmalschutz abgestimmt werden. „Am 15. März 2009 haben wir angefangen zu bauen und am 15. August 2009 sind wir eingezogen“, erinnert sich die Bauherrin. Sie hat schon als Kind in dem Haus gespielt. „Wir fühlen uns hier alle wohl. Unsere vierköpfige Familie hat genügend Platz. Gerade für die Kinder ist der große Garten ideal“, sagt sie.

Anbau an zwei Seiten

Ehepaar Kluthe baute das schlichte Haus an zwei Seiten an. Durch einen Anbau wurde das frühere Wohnzimmer vergrößert und die Wohnnutzung der vorhandenen Räume neu aufgestellt: Der Wohnraum der Familie verlagerte sich in das gartenseitig ebenerdige Untergeschoss. Das frühere Wohnzimmer ist nun ein großzügiges Esszimmer, das tolle Blickbeziehungen zum Garten und über die Galerie zum Wohnraum zulässt. An der anderen Seite wurde eine Garage angebaut. Die Verbindung zwischen Haus und Garage ist der geschickt geschnittene Flur.

Wenn man das Haus betritt, kann man gleich den Garten sehen. „Das ist ganz wichtig. Wenn ich ein Haus betrete, möchte ich durch das Haus hindurch sehen können“, beginnt Grit Kluthe zu erklären. „Das war vorher, mit dem kleinen Flur, nicht möglich.“ Nun ist der Eingangsbereich durch die Rundum-Verglasung hell und offen.

Altes und Neues

„Man muss mit den Gegebenheiten umgehen können.“, sagt Wolfgang Kluthe. „Ein Altbau macht viele Vorgaben an den Architekten.“ Auch der Denkmalschutz spielte bei dem Umbau eine Rolle. Die Architekten sind allerdings so behutsam und mit so viel Liebe zum  Detail vorgegangen, dass der Umbau ein Musterbeispiel für den ehrwürdigen Umgang mit schützens- und erhaltenswerter Bausubstanz ist. Die starke familiäre Bindung an das Haus ist in jedem Winkel spürbar.

„Bei einem Altbau muss man mit dem planen und arbeiten, was man vorfindet“, sagt Wolfgang Kluthe. „Das Bad beispielsweise ist immer eine Herausforderung. Es erfordert besonders viel Planung, um aus einem kleinen, alten ein modernes und vor allem funktionales Bad werden zu lassen. Auch das ist den Architekten hervorragend gelungen. Beispiele dafür sind die besonderen Schranklösungen im Bad und in den Schlaf- und Kinderzimmern. Die Einbauschränke sind praktisch, platzsparend und entsprechen dem Charakter des Hauses.

Unbemerkte Details

Kleinigkeiten und feine Details, die dem Besucher nicht gleich auffallen, bewirken viel. So ist die Wand zwischen Flur und Garage leicht gerundet. Das hat den Effekt, dass sich hinter der leichten Wölbung der Wand die Garderobe befindet. Dadurch verschwinden Jacken, Mäntel und viele kleine Kinderschuhe aus dem Blickfeld des Besuchers. „Das ist eine sehr geschickte Lösung. Mit diesem fast unmerklichen Kniff stolpern Besucher nicht gleich über die Garderobe. Kleidung und Schuhe werden nicht auf den ersten Blick wahrgenommen“, verrät die Architektin. Auch in der Garage ist die Fläche nützlich, mit Kindern ist der Ein- und Ausstieg ins Auto problemlos.

Einladendes Entrée

Der Flur des Erdgeschosses ist – typisch für Baujahr und Baustil des Hauses – eher eng. Die Treppe wendelt sich elegant nach oben. Die Architekten setzten konsequent auf helle Farben, gute Belichtung und authentische Materialien. So wirkt der Flur einladend und macht neugierig auf die anderen Räume des Hauses.

Auch bei der neuen Innentreppe, die das Esszimmer mit dem Wohnraum verbindet, hat das Ehepaar Kluthe mit einem gut platzierten Detail eine optimale Wirkung erreicht: Um die Treppe einladender wirken zu lassen, haben die Architekten Kluthe die zwei Antrittsstufen angeschrägt. „Auch dieses Detail nehmen Bewohner und Besucher nicht bewusst wahr. Sie registrieren nur die Wirkung: Die Innentreppe wird als einladend und empfunden.

Fenster am Fuß der Treppe

Und das Wichtigste: Durch die zwei Antrittsstufen läuft die Treppe nicht gegen eine Wand. „Der raumhohe Fensterschlitz Fuß der Innentreppe erreicht außerdem, dass man beim Hinabschreiten nicht gegen eine Wand läuft“, erklärt Grit Kluthe.  Im unteren Wohnzimmer wird der fließende Übergang von innen nach außen besonders deutlich: Der grobe Außenputz des Hauses samt des dunkelgrauen Anstrichs wird innen fortgeführt. Innen wird die Struktur und Farbe der Fassade aufgenommen, es besteht kein Absatz. So ist innen und außen kleinstmöglich voneinander getrennt – lediglich durch das Fensterprofil.

Als säße man im Garten

„Einen Aspekt, der mir schon immer am Herzen lag, konnte ich auch bei dem Haus für meine Tochter und ihre Familie umsetzen: An die Fensterflächen zum Garten hin soll sich auch Garten anschließen“, sagt Grit Kluthe. Ihr ist es wichtig, den Rasen oder die Grünflächen des Gartens direkt bis an die Fenster herangehen zu lassen.

Das vermittelt den Eindruck, fast unmittelbar im Garten zu sitzen. „Schließlich sitzt man die überwiegende Zeit des Jahres im Haus und erfreut sich von dort aus an seinem Garten.“ So darf die Terrasse nicht unmittelbar vor dem Innen-Sitzplatz wie Esstisch oder Sofa liegen. „Man muss von innen aus den Garten erfassen können“, betont sie. Erst dann hat man das Gefühl, mit dem Sofa im Garten zu sitzen.“ Sowohl im Erdgeschoss als auch im Untergeschoss, das wegen des starken Gefälles auf Gartenniveau liegt, geht der Blick immer in den Garten.

„Unsere lange Berufserfahrung hat uns gelehrt, dass die individuelle Lösung, die Maßanfertigung, nicht teuer sein muss. Wir haben schon immer mit der Herangehensweise, die Bauvorhaben gut durchdacht und bis in die letzte Kleinigkeit geplant anzugehen, gute Erfahrungen gemacht“, so Grit Kluthe. Auch hier zeigt sich, dass gute Planung ein höchst individuelles und auf die Bedürfnisse der Bewohner perfekt konfektioniertes Haus entstehen lässt.

Wolfgang Kluthe sagt, es sei für ihn und seine Frau als Großeltern besonders schön, nun junge Familie mit den zwei Enkeln so nah bei sich zu haben – praktisch in direkter Nachbarschaft.

Von Hendrike Racky

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