Der Staudenhibiskus verblüfft mit XXL-Habitus und erobert rasant Beet und Balkon

Superhelden im Blütenuniversum

Riesenblütenduo: Staudenhibisken der Sorten „Sultry kiss“ (links) und „Royal gems“ (rechts).
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Riesenblütenduo: Staudenhibisken der Sorten „Sultry kiss“ (links) und „Royal gems“ (rechts).

Der Staudenhibiskus beeindruckt mit imposanter Größe und hat echte Superheldeneigenschaften, was das Wachstum betrifft. Bei guter Pflege bringt er jedes Jahr mehr wunderschöne, tellergroße Blüten zum Vorschein und ist dabei zuverlässig winterhart. Das wissen immer mehr Gartenfreunde zu schätzen.

Schon mal von Typen namens „Midnight Marvel“, „Kopper King“ und „Dark Mystery“ gehört? Klingt nach Comic-Figuren mit Riesenkräften wie aus dem Marvel-Universum. Ihr beeindruckender XXL-Habitus passt perfekt ins Bild – schade nur, dass Gartenblumen ihre Superhelden-Eigenschaften auf der Kinoleinwand bisher noch nicht unter Beweis stellen durften. Der mannshohe Staudenhibiskus mit seinen bis zu 30 Zentimeter großen Blütentellern wäre nämlich ein heißer Favorit.

Spezialisiert auf Staudenhibisken: Gärtnerin Beatrice Bartels-Vogt mit „Hibiscus Royal Gems“-Blüte.

Kinderstube im Sumpf

Wer sich einmal in „Hibiscus x moscheutos“ verguckt hat, kommt nicht mehr davon los. So erging es auch Beatrice und Peter Bartels aus Delmenhorst, die sich in ihrer Spezialgärtnerei seit über 15 Jahren mit der opulenten und winterharten (bis -30 Grad) Staude beschäftigen und ihr als Erste den Namen „Staudenhibiskus“ gaben. „Die deutsche Bezeichnung Sumpfhibiskus ist etwas irreführend, denn sie weist auf die Kinderstube der Pflanze in nordamerikanischen Fluss- und Marschlandschaften hin“, sagt Beatrice Bartels-Vogt. Während der pompöse Riesenblüher in den USA seit den 1950-Jahren gezüchtet wurde, kannte man hierzulande bisher nur seine Verwandten: den als Zimmerpflanze kultivierten Roseneibisch (Hibiscus rosa-sinensis) und den strauchförmig wachsenden, kleinblütigen Garten-Hibiskus (Hibiscus syriacus).

Das könnte sich ändern, denn der Staudenhibiskus ist trotz seines exotischen Äußeren beileibe keine Diva und fühlt sich an den meisten Gartenstandorten wohl. Man bietet ihm fünf bis acht Stunden Sonne, regelmäßig Wasser und normalen Gartenboden – schwere Lehmböden werden mit Sand und Kompost oder Blumenerde verbessert – und es kann losgehen.

Reinweiß mit kirschrotem Zentrum: „Old Yella“.

Dünger fürs Wachstum

Mit dem Austrieb nach der Winterruhe werden eine regelmäßige Versorgung mit Gießwasser und Dünger immer wichtiger, erklärt Beatrice Bartels. Sind die Stängel erst mal ausgetrieben, kann man dem Staudenhibiskus regelrecht beim Wachsen zusehen. Je nach Sorte schafft er täglich mehrere Zentimeter und wächst in unterschiedlichen Formen. Niedrigere Sorten bilden reichlich Seitentriebe und wachsen buschförmig, andere sehen eher V-förmig aus mit dichtem Austrieb am Boden, der sich dann im oberen Bereich locker verzweigt. Säulenförmig wachsende Sorten wie  „Hibiscus Old Yella“ und „H. Fireball“ gehen nur langsam in die Breite, starten dafür aber alljährlich in schwindelerregende Höhen bis zu 2,20 Meter durch. „Man muss sich den Staudenhibiskus als Hochleistungssportler vorstellen, der in seiner Wachstumsperiode viel Energie braucht“, sagt Bartels. Als Starkzehrer mag er Langzeitdünger im Frühjahr und ab Juli zusätzlich wöchentlich etwas Kalium-phosphor-betonten Flüssigdünger für die Blütenbildung. Optimal für die Versorgung seien auch abgelagerter Kompost und Mineralstoffdünger wie Urgesteinsmehl.

Farbverlauf in Weiß und Rosa: Staudenhibiskus „Luna pink swirl“.

Kultur auch im Topf

Blütenträume auf Augenhöhe kann man auch auf dem Balkon erleben. Ebenso wie im Freiland sind regelmäßiges Düngen und Wässern Pflicht. Mit zunehmendem Blätterwachstum und Blütenaustrieb braucht die Staude immer ausreichend Wasser. Schlaffe Blätter und abfallende Blüten sind Anzeichen für Wassermangel. Wird der Boden gut durchfeuchtet, erzieht man die Pflanze auch dazu, ihre Wurzeln in tiefere Erdschichten auszustrecken, sodass sie auch Trockenperioden leichter übersteht.

Der Staudenhibiskus lässt sich Zeit: Der Austrieb erscheint frühenstens ab Mai.

Da der Staudenhibiskus remontiert – die Pflanze also nach dem Entfernen des Verblühten zu einer zweiten Blütenrunde ansetzt – kann man sich bei guter Pflege bis Oktober an der vielfarbigen Pracht erfreuen. Über 60 Sorten in vielen Farben von Weiß, Rosa und Rot sowie mehrfarbige Varianten hat die Spezialgärtnerei Bartels im Angebot – ein Dutzend davon aus eigener Zucht. Die Riesenblüten sind essbar und eignen sich sowohl als pompöse Salatbeilage als auch als vitaminreiches Teeblatt.

Trockene Stängel stehenlassen

Wenn die Vegetationsphase im Spätherbst endet, fallen wie bei vielen anderen Stauden die welken Blätter ab. Die hohlen Stiele sollten den Winter über stehenbleiben, rät Expertin Bartels. Erst im März/April werden sie bis auf zehn Zentimeter eingekürzt – auf diese Weise ist der Standort der Pflanze geschützt und vor dem Austrieb gut zu erkennen.

Echte Helden brauchen nämlich einen ausgiebigen Winterschlaf und meiden Spätfröste. Daher bittet die Hibiskus-Flüstererin um Geduld: Es könne Mitte Mai oder sogar Mitte Juni werden, ehe endlich die neuen Triebspitzen zum Vorschein kämen.

Aber dann starten sie richtig durch – bei liebevoller Pflege auch mit Superheldenkraft.

Information: Bartels in Delmenhorst, Telefon 0 42 21/7 09 01, staudenhibiskus.com. Fragen und Antworten zu den wichtigsten Pflegetipps gibt es hier.
Beim Gartenfest in Kassel vom 17. bis 20. Juni 2021 ist die Gärtnerei mit einem Stand vertreten.
(Gisela Busch)

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