Ein steiniges Stück Kärnten

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Akustische Begleitung: Der kleine Bachlauf sorgt im gesamten Garten für leises Geplätscher im Hintergrund.

Hans Tietz ist stolz auf seinen Garten, das merkt man - aber sein Stolz ist auch gerechtfertigt. Denn er hat in diesem Garten alles selbst angelegt und gestaltet. "Die Gartenarbeit hat mir die innerliche Ruhe wiedergegeben, da bin ich einfach ich", sagt Tietz.

Ein steiniges Stück Kärnten

Kurz vor der Baustelle, die sich durch ganz Großropperhausen zieht, biege ich links ab und parke meinen kleinen blauen Flitzer vor einem wunderschönen Holzhaus. Hier könnte ich auch mal das Haus redaktionell vorstellen, schießt es mir durch den Kopf, aber heute bin ich erst einmal für den Garten da. Glücklicherweise habe ich ein Paar Gartenschuhe eingepackt, denn so kann mich Hans Tietz auch an diesem stark verregneten Sommertag durch seinen Garten führen.

Über einen kleinen Wintergarten treten wir hinaus auf den Steilhang, an dem wir rechts abbiegen und über einen kleinen Weg hinab in den Garten steigen. Vorbei an einer Voliere, in der etwa 20 Kanarienvögel eine zwitschernde Unterhaltung führen, kommen wir an dem ersten Höhepunkt des Tietzschen Gartens an: Einem in Eigenregie angelegten Wasserlauf, der bergab unter einer kleinen Brücke hindurch fließt und in einen Teich mündet. „Wie alles hier im Garten, habe ich den Wasserlauf selbst angelegt. Vom Teich bis oben an den kleinen Wasserfall läuft ein Schlauch, der das Wasser zirkulieren lässt“, erklärt Tietz.

Von den Kärntschen Wasserfällen inspiriert

Mit dem Plätschern im Hintergrund gehen wir weiter und bleiben an Gestaltungselementen aus Quarzitsteinen und Wurzeln stehen, die dem Steingarten Rechnung tragen. Die Steine stammen hauptsächlich aus der Region. Hans Tietz wartet, bis die Landwirte ihre Felder von den großen Steinen befreit haben und holt sich dann die schönsten ab. Aber auch aus Kärnten hat er viele Steine mitgebracht. Auf diese Weise holt er sich ein Stück jenes Landes in den heimischen Garten, in das er seit 20 Jahren mit Begeisterung reist.

Auch ein Edelweiß, das auf dem wohl größten Stein im Garten thront, hat er von dort mitgebracht. Vorsichtig, nur mit Zeigefinger und Daumen, pflückt er eine Blüte ab und überreicht sie mir strahlend. Ich strahle zurück und nehme das zarte, pelzige Edelweiß gerne an – traditionell gepresst hat es bereits seinen Platz in meinem Lieblingsbuch gefunden.

Gemütliche Grillkota

Das Herzstück des Gartens ist die Grillkota, die ausnahmsweise gekauft und nicht selbst gebaut wurde. Gerne nehme ich Platz in der gemütlichen Hütte, in deren Mitte eine Grill- und Feuerstelle eingebaut ist und die Gedanken zu gemütlichen Winterabenden am offenen Feuer und einer Tasse Glühwein schweifen lässt.

„Meine Frau wollte unbedingt eine Grillkota. Als wir dann auf der Herbstausstellung in Kassel dieses Gute Stück gesehen haben, gab es kein Halten mehr. Ich habe noch stichelnd zu meiner Frau gesagt: ‚Du hast eine Kota gekauft, weißt du überhaupt, wo du die hinstellen willst?’ – dabei wusste ich genau wo sie zu stehen hat“, erinnert sich Hans Tietz lachend. Wie aufs Stichwort, stößt Monika Kürzel-Tietz dazu und begleitet uns auf dem restlichen Rundgang. „Wenn ich abends von der Arbeit komme, sitzt mein Mann ganz oft still im Garten – dann weiß ich, er hat wieder eine neue Idee. Als Antwort darauf, was er plant, kriege ich aber immer nur zu hören, dass ich mich überraschen lassen soll“, erzählt Monika Kürzel-Tietz.

Unter einem Metallbogen hindurch kommen wir zu dem Lieblingsplatz des Ehepaares: ihrer Liebeslaube. „Hier kann man so schön kuscheln“, schwärmt das Ehepaar von der kleinen Bank, die mit Haselnuss überdacht ist und romantisch anmutet. Von dort aus blicken die Verliebten auf eine Blumenrabatte, einen kleinen Steinbrunnen und den Hang, mit dem alles angefangen hat.

Ich blicke von meinem Notizbuch auf und spreche die Arbeit an, die Hans Tietz seit über zehn Jahren in seinen Garten steckt, doch Monika Kürzel-Tietz klärt mich auf: „Als Arbeit darf man das nicht sehen, nur als Hobby und pure Liebe zum Garten.“ Hans Tietz hatte Recht: Das muss man gesehen haben.

Im Zuge der Aktion Offener Garten kann der Tietzsche Garten in der Ringstraße 12 in Großropperhausen besichtigt werden. Termine: 19. und 20. Mai 2012 und 16. und 17. Juni 2012 jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Von Eva-Maria Biedenbach

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