Pfingstrosen der besonderen Art

Strauchpäonien: Die tollen Riesenblüten fürs Leben

Zarte Pastelltöne zeigt „Callies memory“.
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Zarte Pastelltöne zeigt „Callies memory“.

Der beste Zeitpunkt, eine Strauchpfingstrose zu pflanzen, war vor einem Jahrzehnt. Der Zweitbeste ist jetzt. Diese Gärtnerweisheit gilt eigentlich für Bäume, ist aber auf Strauchpäonien übertragbar.

Strauchpfingstrosen mit ihren spektakulär großen Blüten von rund 20 Zentimetern Durchmesser sind nämlich sehr beständige Schönheiten. Erst im Laufe vieler Jahre wachsen sie im Gegensatz zu ihren Staudenkollegen zu üppigen Sträuchern heran. Allerdings verlangen sie Züchtern viel Geduld ab, denn von der Kreuzung und Aussaat bis zur ersten Blüte nehmen sie sich ordentlich Zeit – „Slow flowers“ eben. Einmal am richtigen Platz, erklärt Päonienspezialist Dieter Gaißmayer aus dem bayerischen Illertissen, stellen sie aber kaum Pflegeansprüche, sind extrem standfest und kommen problemlos durch jeden Winter.

Seit es dem Japaner Toichi Itoh 1954 gelang, die Blütenfarben und -größen der Strauchpäonien mit der Wuchskraft der Staudenexemplare zu vereinen haben nachfolgende Züchter das alte Pflanzen-Hochadelsgeschlecht der Päonien zu erstaunlicher Blüte gebracht.

Zarte Pastelltöne zeigt „Callies memory“.

Für die Neuzüchtungen hat sich der etwas sperrige Begriff „Intersektionelle Hybriden“ eingebürgert. Gefüllte Sorten wie die sonnengelbe Paeonia hybride „Bartzella“ und der gelb-pink-geflammte „Lollipop“ ziehen in Gaißmayers Sortiment ebenso die Blicke auf sich wie halbgefüllte Varianten mit atemberaubenden Farbverläufen wie die kupfer-gelbe „Court Jester“ mit ihren knallroten Basalflecken oder die „Kopper Kettle“ in schimmerndem Messing-Kupfer-Orange. Einfachblühende Sorten wie „Scarlett Heaven“ (rot) und „Norwegian Blush“ (rosa) überzeugen mit kraftvollen Farben. Während die Intersektionellen Hybridsorten eine mittelgroße Wuchshöhe (80-100 cm) erreichen, werden die drei Stammarten der Strauchpäonien (P. suffruticosa, P. rockii und P. luthea) bis zu 150 cm hoch.

Dieter Gaißmayer,  Gärtnermeister und Päonienexperte

Ihre zeitaufwendige Vermehrung macht die raren neuen Sorten in der Anschaffung nicht gerade zu den preisgünstigsten Gartenpflanzen, erklärt Gaißmayer. Er bietet Jungpflanzen mit fünf bis sieben Augen zu Preisen zwischen 25 und 50 Euro an. Blütezeit ist je nach Sorte im Mai und Juni, wobei die Hybriden wochenlang immer wieder Knospen nachtreiben.

Günstig ist ein nach Norden ausgerichteter Pflanzplatz ohne direkte Frühjahrssonne, um den frostgefährdeten Austrieb vor hohen Temperaturschwankungen zu schützen – am besten in der Nähe von Terrasse oder Sitzplatz. Dann hat man die Blütenpracht überm dunkelgrünen Laub immer im Blick. Informationen: gaissmayer.de

Dicht gefüllt und sonnengelb: „Bartzella“.

Pflanzung und Pflege

Pflanzzeit: Getopfte Strauchpäonien können im Frühjahr gepflanzt werden. Gärtner Gaißmayer empfiehlt aber den Spätherbst, weil sie dann noch besser anwurzeln. 

Pflanztiefe: Bei Strauchpäonien muss die Veredlungsstelle 10 Zentimeter tief liegen, bei Intersektionellen reichen 5 bis 6 Zentimeter.

Umpflanzen: Besser nicht. Päonien sind sehr standortliebend. Werden sie doch einmal umgesetzt, bleibt ihre Blüte im Folgejahr aus. 

Dünger- und Wasserbedarf: Jährlich im Frühjahr etwas organischen Dünger und Kompost. Eingewachsene Pflanzen brauchen auch bei Trockenheit keine Wassergaben.

Schnitt: Keiner. Eventuell können nach der Blüte Samenstände und im Frühjahr alte Blätter entfernt werden. 

Winterschutz: Keiner. Strauchpäonien und Intersektionelle sind winterhart.

Eignung als Kübelpflanze: Eher nicht, weil sie wie alle Päonien sehr tief wurzeln. 

Begleitstauden: Den Ton gibt die Päonie an, dazu passen Storchschnabel, Frauenmantel und Veilchen, die keine Wurzelkonkurrenz sind.

Staudig oder Strauchig?

Bauernpfingstrosen (Paeonia officinalis) und Chinesische Pfingstrosen (P. lactiflora) wachsen staudig. Im Herbst sterben sie oberirdisch ab, um im Frühjahr aus dem knollenartigen Wurzelstock wieder auszutreiben. Strauch- oder Baumpäonien (P. suffruticosa, P. rockii, P. luthea) bilden dagegen ein verholztes Triebgerüst, das immer größer wird und keinesfalls im Herbst abgeschnitten werden darf. Intersektionelle Hybriden verholzen ebenfalls, können aber bei starkem Frost zurückfrieren. Sie treiben dann problemlos im Frühjahr bodennah wieder aus.

Knallrot bezaubert „Scarlet Heaven“.

Der Züchter Toichi Itoh

Toichi Itoh gelang 1954, woran alle Päonienzüchter zuvor gescheitert waren: Die Kreuzung einer Staudensorte der Paeonia lactiflora mit der nur gelb blühenden chinesischen Baumpäonienart P. lutea, was bis dahin wegen der völlig unterschiedlichen Chromosomensätze für unmöglich gehalten worden war. Mit seinen „Itoh-Päonien“ erregte der Japaner weltweit Aufsehen. Seither setzten andere Züchter sein anspruchsvolles Werk fort und schufen eine Fülle von Hybriden, die zuverlässig über dem Laub blühen, während frühe Sorten ihre Blütenpracht zuweilen im Blattwerk versteckt trugen. Tragisch: Itoh hat die Blüte seiner Neuzüchtung nicht mehr miterlebt: Seine langsam wachsenden Sämlinge blühten erst 1964, acht Jahre nach seinem Tod.

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