Strompreise weiterhin im Steigen begriffen

Die Strompreise steigen und ein Ende dieses Trends ist vorläufig nicht abzusehen. Denn Preistreiber sind nicht die Preise an der Strombörse. Hinzu kommen Steuern und Abgaben oder die CO2-Zertifikate.
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Die Strompreise steigen und ein Ende dieses Trends ist vorläufig nicht abzusehen. Denn Preistreiber sind nicht die Preise an der Strombörse. Hinzu kommen Steuern und Abgaben oder die CO2-Zertifikate.

Strom wird für Privathaushalte immer teurer. Der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde Strom liegt in Deutschland derzeit bei knapp 30 Cent.

In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Preis bei etwa 40 Prozent der insgesamt 826 Grundversorger gestiegen – um durchschnittlich fünf Prozent. Ein normaler Vier-Personen-Haushalt, der einen Jahresverbrauch von circa 4000 Kilowattstunden hat, muss mit Mehrkosten von 60 Euro pro Jahr kalkulieren, und das bei der ohnehin angespannten Lage in vielen Privathaushalten. 

Merkwürdig: An der Strombörse in Leipzig sinken die Preise

Ein Ende der Aufwärtsspirale ist nicht erkennbar. Bei der Grundversorgung ist auch weiterhin mit Preiserhöhungen zu rechnen. Mit Verzögerung bekommen die Verbraucher jetzt die in den letzten Jahren gestiegenen Beschaffungspreise für die Versorger zu spüren. Der Anstieg hat sich in den letzten Monaten allerdings stark verlangsamt. Die Höchstwerte waren im Herbst 2018 erreicht worden. Mittlerweile ist an der Strombörse in Leipzig ein anderer Trend erkennbar. Für den im Jahr 2020 zu liefernden Strom sinken die Preise derzeit um etwa zehn Prozent. Einzelne Stromversorger sind schon jetzt nicht mehr an dieser Preistreiberei beteiligt und haben die Preise um circa zwei Cent gesenkt. Verbraucher, die einen günstigeren Anbieter suchen und einen Anbieterwechsel in Erwägung ziehen, sollten sich im Internet schlau machen und die Preise vergleichen. Mit einem Tarifcheck ist es leicht möglich einen günstigeren Anbieter zu finden und auch gleich dorthin zu wechseln.

Verbraucher zahlen am Ende die Verschmutzungsrechte

Die Kosten für andere Energieträger, wie Kohle und Gas, haben merklich nachgegeben. Sie sind gegenüber den Strompreisen im gleichen Zeitraum um mehr als 20 Prozent gesunken. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass die Nachfrage nach Steinkohle derzeit auf dem Weltmarkt wesentlich geringer ist, als sie es noch vor drei Jahren war. Das macht sich natürlich am Kohlepreis bemerkbar. Dass die Strompreise bei dieser Entwicklung nur teilweise beteiligt sind, hängt auch damit zusammen, dass CO2-Zertifikate noch immer sehr teuer sind. Eine Tonne CO2 kostet mehr als 20 Euro. CO2-Zertifikate sind Verschmutzungsrechte, die alle Stromerzeuger besitzen müssen. Die Preise dafür sind stets im Steigen begriffen. Bei Versteigerungen ist der Preis auch in diesem Jahr bei über 20 Euro je Tonne geblieben.

Großhandelspreise haben erst mal keine Auswirkungen auf die Haushaltspreise

Der Rückgang der Strompreise im Großhandel zeigt zunächst keine Auswirkungen auf die Strompreise für die privaten Haushalte. Experten zufolge ist der Preisrückgang dafür zu gering. Denn die Beschaffungskosten an der Börse machen nur knapp 20 Prozent des Endpreises aus. Viel mehr fallen Netzentgelte, die EEG-Umlage und Steuern sowie Abgaben ins Gewicht. Hier könnte es in absehbarer Zeit jedoch zu einer Entlastung der Verbraucher kommen. Die Kohlekommission hat den Vorschlag gemacht, Privatpersonen und Unternehmen ab 2023 einen Zuschuss auf die Netzentgelte zu zahlen.

Unabhängig von der Preisspirale werden

Verbraucher haben noch ganz andere Möglichkeiten, der Aufwärtsspirale bei den Strom- und insgesamt bei den Energiepreisen zu entgehen: die Installation einer Solaranlage. Damit senken Verbraucher nicht nur ihre Stromkosten, sondern machen sich für die Zukunft auch unabhängig von weiteren Energiepreisentwicklungen. Ein Beispiel, wie groß die Verbreitung aktuell bereits ist, zeigt sich in Hessen: Ende 2015 verfügte das Land über mehr als 1800 Megwatt installierter Leistung. Solartechnik lohnt sich sogar noch mehr. Verbraucher sparen damit nicht nur Geld, sie können sogar Geld damit verdienen. Die Stromerzeugung auf dem eigenen Dach ist aufgrund sinkender Preise für die Solarmodule günstiger geworden. Die Kosten belaufen sich mittlerweile nur noch auf zehn bis zwölf Cent pro Kilowattstunde. Das liegt deutlich unter dem Preis von 30 Cent, den die Grundversorger derzeit von den Verbrauchern verlangen. Hier liegt dann auch das größte Sparpotenzial zugrunde. Verbraucher sollten den selbst erzeugten Strom weitgehend selbst nutzen, sodass sie nicht in die Situation kommen, Strom aus dem Netz dazukaufen zu müssen. Den Überschuss sollten sie jedoch unbedingt ins Netz einspeisen. Denn Eigentümer erhalten derzeit elf Cent für jede Kilowattstunde Strom, die sie freigeben. Doch die Sonnenenergie kann nicht nur Strom erzeugen. Sie eignet sich auch hervorragend für die Erzeugung von Warmwasser und für die Heizungsunterstützung. Das spart dann am Ende noch weitere Energie. In vielen Fällen ist es Gas, das die Haushalte einsparen, weil sie weniger verbrauchen für Heizung und Warmwasser.

Die Investition lohnt sich nach einigen Jahren

Verbraucher, die sich noch unschlüssig sind, ob sie tatsächlich in eine eigene Solaranlage investieren sollten, können sich bei der Landesenergieagentur weitere Informationen holen. In der Regel gibt es in den Städten und Gemeinden Energieberater, oftmals auch Mitarbeiter der Verbraucherzentralen, die in die privaten Haushalte kommen. Sie analysieren vor Ort den baulichen Zustand von Gebäuden und geben Tipps und Hinweise, wie und wo eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden sollte. Die Experten geben Tipps zur Ausrichtung der Anlage, zeigen mögliche Schatten auf, prüfen den Platz für die Anlage und den Energieverbrauch. Am Ende der Beratung bekommen die Interessenten eine Orientierung für ihre individuelle Solar-Lösung und wie diese realisiert werden könnte. Dabei ist es wichtig, sich nicht ausschließlich auf die Stromerzeugung zu konzentrieren. Solaranlagen können nämlich auch Wärme erzeugen. Die Kosten für die Installation einer Solaranlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses belaufen sich auf circa 6000 bis 7000 Euro. Die Kosten für eventuelle Stromspeicher kommen noch hinzu.

Eine eigene Stromquelle ist durchaus sinnvoll

Angesichts der Energiewende, der Klimaschutzziele und der steigenden Elektromobilität ist die Investition in eine eigene Stromquelle sinnvoll. So können Verbraucher ihr Elektroauto noch kostengünstiger und umweltschonender aufladen. Die Unabhängigkeit von den Stromerzeugern hilft einerseits Geld zu sparen und vielleicht sogar welches zu verdienen. Darüber hinaus macht sie ein gutes Gewissen der Umwelt und nachfolgenden Generationen gegenüber.

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