Grüne widersprechen

Studie: Wärmedämmung rechnet sich nicht

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Lohnt sich die Wärmedämmung volkswirtchaftlich nicht?

Berlin - Eigentlich sollte die Studie die Förderinstrumente der KfW bestätigen. Doch die „Welt“ hob einen Teilaspekt hervor, der Häuslebauer verunsichert: Wärmedämmen rechnet sich demnach nicht.

Die Kosten für energiesparendes Bauen belaufen sich in dem kommenden Jahrzehnten nach einer Studie auf mehr als das Zweifache der Einsparungen bei den Heizkosten. Auch die zusätzlichen Aufwendungen für energiesparende Stoffe bei einem Neubau würden sich nicht rechnen. Die Investitionen ließen sich „nicht allein aus den eingesparten Energiekosten finanzieren“, heißt es in einer Prognos-Studie, die die staatliche Förderbank KfW in Auftrag gegeben und vor einer Woche veröffentlicht hatte.

Die KfW ließ Kosten und Nutzen der Energiewende vom Schweizer Forschungsinstitut vor dem Hintergrund untersuchen, dass die Bundesregierung den Energieverbrauch in Wohngebäuden bis 2050 um 80 Prozent senken will. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut Studie „wohnungswirtschaftliche Investitionen“ von 838 Milliarden Euro nötig. Dadurch könnten jedoch nur „Energiekosten von 370 Milliarden Euro eingespart werden“, errechneten die Prognos-Forscher, wie auch „Die Welt“ (Samstag) berichtete.

Kritiker bezweifeln Zahlen des Ministeriums

Die Bundesregierung will die gesteckten CO2-Klimaziele unbedingt erreichen, zumal sie sich hier in einer weltweiten Vorreiterrolle sieht. Der zuständige Bauminister Peter Ramsauer (CSU) wies wiederholt auf das erhebliche Einsparpotenzial bei der Gebäudesanierung hin. Dämmen lohne sich für Klima und Hausbesitzer. „Die Energieversorgungslage und die tendenziell steigenden Energiepreise zeigen, dass es zum Energiesparen keine Alternative gibt.“

Auf der Homepage seines Ministeriums heißt es weiter: „Öffentliche und private Gebäude in Deutschland verbuchen für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung einen Anteil von 40 Prozent des Gesamt-Energieverbrauchs und stehen für fast 30 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Zugleich werden in privaten Haushalten rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser eingesetzt.“

Beim Neubau sei eine energiesparende Bauweise weitgehend etabliert. „Doch die großen Energieeinsparpotenziale liegen in Deutschland mit 18 Millionen Wohngebäuden und rund 1,7 Millionen Nichtwohngebäuden im Gebäudebestand.“ 75 Prozent seien vor 1979 mit oft schlechter Qualität errichtet worden, so Ramsauer. „Durch fachgerechtes Sanieren und moderne Gebäudetechnik können teilweise bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden.“ Kritiker bezweifeln solche Zahlen.

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Kanzlerin Angela Merkel  macht die Energiewende stärker zur Chefsache. Doch noch zeigen sich vielen offenen Fragen, die dringend geklärt werden müssen, damit der Atomausstieg auch klappt. © dpa
ÖKOSTROM BOOMT: Bei der Produktion von Wind- und Solarenergie purzeln die Rekorde. Von Januar bis April gab es beim Windstrom ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten 2011. Bei der Solarenergie waren es sogar 30 Prozent mehr: Der Ökoenergieanteil am Strommix liegt bereits bei rund 20 Prozent. © dpa
Doch während überall neue Wind- und Solarparks entstehen, kommen die Netze an ihre Grenzen. Wenn viel Geld für die Förderung ausgegeben wird, die Anlagen dann aber mangels Netzen abgeschaltet werden müssen, sei das volkswirtschaftlicher Unsinn, sagt Umweltminister Peter Altmaier. Es fehlt bisher der Schlüssel für die Speicherung überschüssigen Stroms. © dapd
NETZAUSBAU LAHMT: Rund 4500 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen fehlen, dazu zehntausende Kilometer an Verteilnetzen, über die der meiste Ökostrom transportiert wird. Die Netzbetreiber müssen sich verstärkt vorhalten lassen, nicht genug zu investieren und so die Energiewende zu torpedieren. Hier ist die Politik gefragt. © dpa
Vor allem müssen wegen der Anschlussprobleme des Betreibers Tennet rasch Lösungen gefunden werden, damit die extrem teuren Windparks in der Nordsee ihren Strom auch wegbekommen. © dpa
KRAFTWERKE FEHLEN: Wenn tatsächlich bis 2022 die restlichen neun Atommeiler vom Netz sollen, müssen neue Kraftwerke mit einer Leistung von mindestens 10 000 Megawatt her. Das sollen vor allem hochmoderne Gaskraftwerke und weniger klimaschädliche Kohlemeiler sein. Die bisherigen Atomländer Bayern und Baden-Württemberg wollen so nicht zu abhängig von Windstrom aus dem Norden und Osten werden. © dpa
Und man braucht sie, wenn kein Wind weht und es Nacht ist. Aber angesichts des Ökostromwachstums fehlt eine Garantie für genug Betriebsstunden. Daher wird ein eigener Strommarkt für solche konventionellen Kraftwerke erwogen, damit sie eine Absatzgarantie haben. © dpa
KOSTEN DROHEN AUSZUUFERN: Ob bei Netzkosten, Ökoenergieförderung oder möglichen Zuschüssen für neue Kraftwerke - die Energiewende dürfte viel teurer werden als gedacht. Das Energiesparen wird aber vernachlässigt. Zudem fehlen wegen eines Preisverfalls im Handel mit EU-Verschmutzungsrechten in den nächsten Jahren bis zu fünf Milliarden Euro. © dpa
Hier ist die Regierung gefragt, mittelfristige Kostenprognosen zu erstellen. Sonst drohen bei den Strompreisen starke Steigerungen und ein Verlust der Akzeptanz. Die Industrie warnt bereits vor einer Deindustrialisierung. Erwogen wird daher eine Senkung der Stromsteuer. Oder der Staat könnte stärker mit Milliardenzuschüssen eingreifen, wird gefordert. © dpa
KOORDINATION FEHLT: Das Mammutprojekt muss dringend zentral und übergreifend koordiniert werden, weil alles miteinander zusammenhängt. Mit einem Masterplan, der über Jahre reicht, könnte auch Investitionssicherheit hergestellt werden. Jedes Bundesland hat bisher ein Energiekonzept, hinzu kommen Hunderte kommunale Pläne. Der Bund muss stärker regeln, dass der Ausbau erneuerbarer Energien auf die Netze abgestimmt wird. © dpa

Die Prognos-Studie berechnete nun die Gesamtinvestitionen, die nötig sind, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Angaben für individuelles Bauen sind daraus kaum abzuleiten. Allerdings bietet die Studie einen Überblick darüber, was der Gesamtstaat von diesen Investitionen der Häuslebauer hat: 200 000 bis 300 000 Arbeitsplätze würden über die Jahre gesichert. Und sie trügen mit 0,4 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum bei.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, kritisiert, die Studie richte einen immensen soziale Schaden an. „Zu befürchten ist, dass sie viele Hausbesitzer und Vermieter von der energetischen Sanierung ihres Gebäudebestands abhält.“ Fell bezweifelte auch deren Stichhaltigkeit. So hätten sich die Heizölpreise in Deutschland seit 1998 verdreifacht, was Prognos nie prognostiziert habe. Prognos setze auch die künftigen Heizkosten viel zu niedrig an, obwohl fossile Rohstoffe sich dramatisch verknappten. Der Regierung dürfte die Grünen-Kritik nicht ganz ungelegen kommen.

Aussagen über 30 bis 40 Jahre sind generell schwierig. Letztlich kann man wohl, wie Fell dies andeutete, nicht genau einschätzen, wie sich die Preise für fossile Energieträger entwickeln. Und auch die Entwicklung der Baustoffe - vom Stein über Holz bis zum Dämmmaterial - lässt sich nicht klar absehen, ebenso wenig gesetzliche Maßnahmen späterer Regierungen in diesem Bereich.

dpa

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