Hauswurze, Fetthennen, Mauerpfeffer, Steinbrech und Mittagsblumen sind wahre Hungerkünstler

Sukkulenten für den Garten: Ach du dickes Blatt!

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Hauswurze sind ebenso vielseitig wie genügsam: Sie blühen sehr dekorativ, überstehen auch längere Trockenperioden unbeschadet und gedeihen fast ohne Erde selbst in kleinsten Ritzen zwischen Mauern.

Während bei langanhaltender, trockener Sommerhitze viele Gartenpflanzen fast verdursten, stehen sukkulente Pflanzen selbst an mageren Standorten noch in Saft und Kraft. Wie schaffen die das?

Die Erklärung deutet sich schon im biologischen Begriff „sukkulent“ (lateinisch: saftreich) an. Als Überlebenstrick haben solche Gewächse ein perfektes Speichersystem entwickelt. In den dickfleischigen Blättern (oder in Stamm oder Wurzeln) wird das Wasser während der feuchtigkeitsreichen Perioden für die trockene Zeit aufgespart. Sukkulenten finden sich in etlichen Pflanzenfamilien und -Gattungen und all diesen Hungerkünstlern gemein ist ihr natürlicher Lebensraum: Wüsten, Halbwüsten, Salzsteppen und Hochgebirge mit Trockenklima und wenig Regen. Die beliebtesten Sukkulentenarten für Balkon und Garten sind die Dach-, Donner- und Hauswurze (Sempervivum), sowie Fetthennen und Mauerpfeffer (beides Sedum-Arten), Steinbrech (Saxifraga) und Mittagsblumen (Delosperma). 

Meister der „Semps“: Hans Jörg Gensch.

„Sukkulenten sind die perfekten Pflanzen in Zeiten des Klimawandels“, erklärt Hans Jörg Gensch von der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS). Nur bei extremer Trockenheit wie in den beiden vorigen Sommern benötigten Sukkulenten wie die eigentlich als „Immerlebende“ bekannten Sempervivum auch ab und an mal Wasser. Gensch, ehemaliger Polizist und in der Deutschen Gesellschaft der Staudenfreunde als „Semps-Guru“ geachtet, hütet daheim in Hamburg „über 1500 Sempervivum-Sorten in 7000 Töpfen“. Vor über 30 Jahren hat er seine Leidenschaft für die auch „Steinrosen“ genannten Dickblattgewächse entdeckt. Darunter sind so extravagante Gesellen wie die Spinnweb-Hauswurze (S. arachnoideum) – ursprüngliche Gebirgsbewohner, die ihre jungen Triebe mit einer spinnwebartigen Behaarung an den Blattspitzen vor Sonnenbrand schützen.

Filigrane Pracht: Steinbrech-Hybride „South- side Seedling“.

Auch wenn die verschiedenen Sukkulentenarten gern vermischt angepflanzt werden, so müsse man laut Gensch deren unterschiedliche Wuchsfreude beachten, damit nicht eine Pflanze die andere verdrängt: „Schnellwachsende Fetthennen und Mauerpfeffer können für die langsamer wachsenden Hauswurze zum Problem werden.“

Mittagsblumen in knalligem Pink bringen Farbe in den Steingarten und machen selbst bei Sommerhitze nicht so schnell schlapp.

Ob man die Hungerkünstler in Töpfe oder sonstige Gefäße („Alles was gelocht ist, kann bepflanzt werden“) setzt -– sie brauchen, ebenso wie im Freiland möglichst durchlässigen Boden ohne Staunässe. Gensch empfiehlt für Töpfe ein Gemisch aus zwei Teilen Pflanzerde und je einem Teil Sand, Perlite/Blähton und Hornspäne. Am besten befüllt man die Pflanzgefäße bis über den Rand mit Substrat, um keine „Regen-Auffangbecken“ zu schaffen.

Gelb wie die Sonne: Sempervivum Jovibarba „Cheese“-Sorte.

Im Garten sind die Verwendungsmöglichkeiten an sonnigen und trockenen Plätzchen äußerst vielseitig: Wo es sonst keine Pflanze aushält überziehen Semps & Co. in Kürze Mauer- und Felsritzen sowie jeden trockenen Winkel des Steingartens mit ihren dekorativen Blattrosetten, aus denen zwischen Juni und August auch noch betörende Blütenstände treiben.

Fachgruppe Sempervivum

Drei Semps-Regeln:

Kaufe Semps nur im Gartenfachhandel. Massenware wird oft in kurzer Zeit mit Torf, Dünger, Wasser verkaufsfertig „gemästet“ und hat dann Schwierigkeiten bei Dauerregen und Frost. . Über Kies oder Splitt (gern erdfarben) freuen sich alle Steingartenpflanzen. Die Deckschicht (mindestens fünf Millimeter dick) auf dem Pflanzsubstrat verhindert Unkraut und Moos, die Erde trocknet nicht so schnell aus und Wärme wird gespeichert. . Ausputzen nach der Blüte: Der Blütenstiel mit der Mutterrosette stirbt ab und sollte abgeschnitten werden. Etliche Ausläufer („Kindlein“) vergrößern aber das Polster und sorgen für „ewiges Leben".

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