Technikpaket in beeindruckendem Glasgewand

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Pool inklusive: Das Haus ist ein einzigartiger Traum zum Wohnen. Foto: 

Richtig beeindruckend wird es allerdings erst, wenn Lutz Leininger, Architekt und Bauherr, Einblicke in das technische Können seines Einfamilienhauses in Kassel-Harleshausen gewährt. Das Gebäude ist mit einem KNX-Bussystem ausgestattet. 

Es handelt sich dabei um ein ausgereiftes, genormtes System für die intelligente Vernetzung moderner Haus- und Gebäudesystemtechnik.Das System steuert Heizung, Beleuchtung, Jalousien, Belüftung, Audio-, Video- und Sicherheitstechnik. Durch die Vernetzung  der verschiedenen Gewerke  entsteht ein Gebäude, das höchst energieeffizient arbeitet. Darüber hinaus bietet es ein Maximum an Flexibilität, da die Funktionen und Anforderungen sich dem Nutzer des Gebäudes anpassen können, je  nach  Lebenssituation  und -alter. „Das ist für mich der Inbegriff zeitgemäßen Wohnens“, sagt Lutz Leininger. Er ist Partner im Architekturbüro KDL-Architekten in Kassel-Harleshausen. In dem dreiköpfigen Architektenteam ist er als Systemintegrator für alle technischen Fragen, insbesondere die Planung und Projektierung von gewerkeübergreifender, vernetzter Gebäudesystemtechnik, zuständig. „Die meisten unserer Bauherren kann ich dafür gewinnen, beim Bau ihres Hauses in den Komfort, die Sicherheit und die Energieeinsparmöglichkeiten einer intelligenten Gebäudetechnik zu investieren. Was in einem Auto seit Jahren Standard ist, sollte in einem zukunftsorientierten Gebäude ebenfalls selbstverständlich sein. Wer heute ohne Bustechnik baut, errichtet einen Altbau“, erklärt Leininger.

Intelligentes Haus

„Das Bussystem beherrscht weit mehr als An und Aus“,erklärt Lutz Leininger die Technik, die in seinem Haus steckt, und kommt sofort ins Schwärmen: „Alle Sensoren und Aktoren sind in einem Haus miteinander vernetzt. Der Planer legt in Absprache mit dem Bauherren fest, wie Sensoren und Aktoren miteinander kommunizieren und was sie bewirken. Wird zum Beispiel ein Fenster geöffnet, schaltet sich die Heizung in dem betreffenden Raum aus. Verlassen alle Bewohner das Haus, werden automatisch alle nicht benötigten Geräte abgeschaltet, die Heizung gedrosselt und das Alarmsystem aktiviert. Im Falle eines Einbruchs oder bei einem Brand wird der Hausherr per SMS oder E-Mail informiert. Die Bedienung aller Funktionen erfolgt über eine intuitive Touchpanel-Oberfläche. Wiederkehrende Funktionen werden in Form von „Lichtszenen“ abgespeichert. So genügt ein Druck auf die Taste „TV“ und die Jalousien fahren herunter, das Licht wird gedimmt, Fernseher und Audio-System werden aktiviert.

Alle Räume sind mit Bewegungs- und Präsenzmeldern ausgestattet, sodass beim Betreten eines Raumes automatisch das Licht eingeschaltet wird. In der Nacht wird das Licht in den Fluren nur sanft angedimmt. Am Bett gibt es einen „Zentral-Aus-“ und einen „Panikschalter“. Hört man ein beunruhigendes Geräusch, reicht ein Druck auf den Panikschalter, und im Haus und Garten wird die Beleuchtung eingeschaltet. Das soll einen potenziellen Einbrecher in die Flucht schlagen.

Musik zentral gesteuert

Ein weiteres Highlight dieses Hauses ist das Multiroom-Audio-Video-System. Damit kann der Hausherr für jeden Raum individuell aus verschiedenen Audioquellen wählen. In einem zentralen Technikrack, welches sich im Flur des Erdgeschosses in einem Einbauschrank befindet, sind alle Zuspielgeräte wie Sat-Receiver, DVD-Wechsler, Radiotuner und Audioserver untergebracht. In den Räumen sind die notwendigen Lautsprecher in den Decken oder Wänden eingebaut, auch Leinwand und Beamer verschwinden in der Decke. „Das begeistert vor allem Frauen, weil die Räume dadurch optisch nahezu technikfrei sind“, sagt der Architekt.

Die Beleuchtungseffekte, die beispielsweise im Wohnraum eine interessante Fernsehkulisse bewirken, werden mittels RGB-LEDs erzeugt. RGB-LED steht für Rot-Grün-Blau-LED. Das sind Leuchtdioden in den drei genannten Farben. Durch die Mischung der drei Farben Rot, Grün und Blau lassen sich nahezu alle beliebigen Farbtöne erzeugen, je nach Anlass und Stimmung. Eine Steuerelektronik erzeugt langsame Farbverläufe, die in einer zeitlichen Abfolge sanfte Farbübergänge durchlaufen. „Das ist besonders abends sehr stimmungsvoll“, sagt Lutz Leininger.

Lichteinlass und Sichtschutz gleichzeitig

Das Atrium hat nicht nur die Funktion, jeden der angrenzenden Räume optimal zu belichten, es erfüllt auch einen weiteren Zweck: Von außen kann niemand hereinschauen. Und das, obwohl das Grundstück nur 600 Quadratmeter groß ist, nicht reichlich eingewachsen und die Fenster bodentief sind. Das ist ein toller architektonischer Kniff.

Das Haus macht zur Straße hin einen geschlossen Eindruck. Das schützt die Bewohner vor Einblicken und wirkt trotz der modernen Architektur mit einem großzügigen, offenen Grundriss in sich abgeschlossen, als eine feste Einheit.

Die Form der Terrassenüberdachung, ein Segmentbogen, findet sich in der Fassade im Bereich des Eingangs, auf der Ostseite des Hauses, wieder. Ein außergewöhnliches Gestaltungselement sind die Blickbeziehungen von Raum zu Raum über die Fenster. „Solche Ein- und Aussichten innerhalb eines Hauses sind normalerweise bei Einfamilienhäusern sehr selten umsetzbar“, weiß der Architekt aus Erfahrung.

Wohnzimmer für draußen

Außerdem schützt das Atrium die Terrasse. Die Überdachung der Terrasse liegt auf gleicher Höhe mit der Decke über dem ersten Obergeschoss. Das macht den Freisitz direkt am Haus luftig, obwohl er überdacht ist. So kann er im Sommer bis spät in die Abendstunden genutzt werden. Der Architekt hat das Atrium genau nach Westen hin ausgerichtet. Bei Mittagssonne verschattet sich das Haus den Außenbereich innerhalb des Atriums bewusst selbst – so ist kein weiterer Sonnenschutz in Form von flatternden Sonnenschirmen oder dergleichen erforderlich.

Die Achsensymmetrie zum Atrium hin lassen Küche und Wohnzimmer im Erdgeschoss einander gegenüberliegen. Im ersten Obergeschoss liegen sich Schlafzimmer und Arbeitszimmer gegenüber. Blickbeziehungen entstehen durch die raumhohen  Verglasungen somit nicht nur innerhalb der Geschossebenen, sondern auch diagonal, das heißt von Geschoss zu Geschoss. Das unterstreicht den offenen Grundriss.

Küche als Zentrum

Die Küche ist der zentrale Raum des Hauses. In diesem Architektenhaus ist die Küche nicht nur der Mittelpunkt des Hauses, sie ist gleichzeitig auch der größte Raum des Hauses. Lutz Leininger kocht sehr gern. Wenn er Gäste hat, bekocht er sie in der einladenden und ansprechenden Küche. „Hier wird gekocht, gegessen und eigentlich meistens gleich der ganze Abend verbracht“, erzählt Lutz Leininger. Tatsächlich wechselt er mit seinen Gästen nach dem Essen gar nicht ins Wohnzimmer, sondern verbringt den Abend in der offenen, großen Küche. „Die lange Theke ist zum Beispiel ideal, um viele Gäste zu bewirten, sie bietet sich ideal für Büfetts an“, sagt er.

In dem Einfamilienhaus gibt es einen Zentralstaubsauger. Das ist besonders praktisch, weil dort ein großer Hund zuhause ist. Seine Haare sind mit dem Zentralstaubsauger schnell und hygienisch wegzusaugen. „Weg heißt in diesem Fall auch wirklich weg“, sagt Lutz Leininger. „Bei herkömmlichen Staubsaugern bläst die Abluft Feinstaub und den Geruch der aufgesaugten Hundehaare wieder in die Räume. Allein deshalb macht der Zentralstaubsauger Sinn, besonders für Allergiker.“

Ofen macht es warm

Der Holzscheitofen im Wohnzimmer sieht nicht nur gut aus, er hilft natürlich auch beim Heizen: „Wenn der Ofen abends zwei bis drei Stunden läuft, ist durch den offenen Grundriss das ganze Haus warm.“ Außerdem hat das Einfamilienhaus eine Luft-Luft-Wärmepumpe in Verbindung mit einer kontrollierten Be- und Entlüftungsanlage. Bei der Luft-Luft-Wärmepumpe wird die Wärmeenergie über ein Lüftungssystem im Gebäude verteilt. Sie wird im Sommer auch zum Kühlen genutzt.

Architekt Lutz Leininger beschreibt den Planungsgrundsatz zu seinem eigenen Haus so: „Viel Glas, ein sehr offener Grundriss, das Atrium und viel Komfort durch mitdenkende Gebäudetechnik.“

Von Hendrike Racky

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