Sie sind kurzlebig, bereiten aber trotzdem dauerhaft Freude

Einjährige Blumen: Traumschönchen des Sommers

Zipfelknospen trägt der Kalifornische Kappenmohn.
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Zipfelknospen trägt der Kalifornische Kappenmohn.

Sonnenblumen kennt jedes Kind. Klatschmohn und Vergissmeinnicht sind ebenfalls meist ein Begriff. Der Bekanntheitsgrad von Bartnelken, Fuchsschwanz und Levkojen ist selbst bei Gartenfans schon deutlich geringer und bei Mondviolen, Meerlavendel, Jungfer im Grünen und Sumpfblume müssen die meisten passen. Schade eigentlich, denn Einjährige sind großartig.

Das meint auch Volker Lange, Landschaftsarchitekt beim Bau- und Gartenamt der Stadt Kassel. „Einjährige Gartenpflanzen erweitern die Attraktivität der Beete mit ihren bunten Blüten, dem oft intensiven Duft und den schönen Fruchtständen ungemein.“ Einjährige Pflanzen, waren früher in den meisten Garten selbstverständlich, sind aber heute oft ins Hintertreffen geraten.

Volker Lange, Landschaftsarchitekt in Kassel

Dabei hat Lange eine Menge guter Gründe parat, warum die so vergänglichen, altmodischen Traumschönchen in keinem Garten fehlen dürfen. Zum Glück habe zuletzt die Initiative vieler Städte und Gemeinden, öffentliche Flächen in ganzjährige Blühstreifen zu verwandeln, das Interesse an den unkomplizierten Sommerblumen wieder neu erwachen lassen.

Hingucker in pastellrosa: das anspruchslose Schmuckkörbchen (Cosmea).

Säen und pflanzen

Allerdings: Vor der Blütenfreude steht die Mühe, denn die Einjährigen wollen jedes Jahr aufs Neue ausgesät, pikiert, also vereinzelt, und ausgepflanzt werden. Früher eine Selbstverständlichkeit, die insbesondere ländliche Bauerngärten stets in sommerliche Blütenmeere verwandelt hat. Das Saatgut fürs nächste Jahr wurde natürlich von eigenen Pflanzen geerntet, getrocknet und wohl verwahrt. „Heute sind die Gärten kleiner, die Zeit knapper und viele Pflanzenkenntnisse verloren“, bedauert der Landschaftsarchitekt.

Klassiker in orange: Ringelblume (Calendula officinalis).

Wochenlange Blütezeit

Doch die Mühe lohnt sich, denn viele Einjährige sind auch ohne Vorkultur ganz einfach direkt an Ort und Stelle auszusäen und bedanken sich für ein wenig Zuwendung mit wochenlanger Blütezeit und oft verzauberndem Duft. Etwa der robuste Goldlack, der dort, wo es ihm gefällt, oft überwintert und über mehrere Jahre blüht oder sich selbst aussät. So wie viele einjährige Vagabunden, die immer wieder an anderer Stelle im Garten auftauchen und für neue, überraschende Kompositionen sorgen. Auch Goldmohn, Klatschmohn, Mädchenauge, Natternkopf und Vergissmeinnicht gehören unbedingt dazu.

Duftende Blüten

Was aber wäre der Garten ohne den Duft von Bartnelken, Duftsteinrich und Gartenwicken? Viele Einjährige bringen neben dem üppigen Blütenflor noch eine individuelle Duftnote mit sich – manchmal nur zart, manchmal markant und schwer. Umso besser, dass sie auch zur Schnittblume taugen und man damit den sommerlichen Duft ins Haus holen kann. In der Vase erfreuen Strohblumen, Meerlavendel und Fuchsschwanz gar bis in den Winter hinein. Gartenfachmann Lange verbindet seine ganz persönliche Erinnerung an Kindheitstage im elterlichen und großelterlichen Garten vor allem mit Bechermalven: „Noch heute sehe ich diese lange Reihe unermüdlich leuchtend rosa blühender, großer Blumen – über einen Meter hoch und ständig neue Knospen treibend bis zum Herbst. Während unten schon Früchte reiften, kreisten oben noch die Schmetterlinge um die Blüten.“

Dekorativ und essbar: kletternde Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)

Power-Korn im Müsli

Apropos Schmetterlinge und Bienen: Praktischerweise sind viele Einjährige auch ausgezeichnete Bienenweiden. Die Fruchtstände des Fuchsschwanzes etwa sind ein Leckerbissen für Vögel, aber nicht nur für die: Unter dem botanischen Pflanzennamen „Amaranth“ werden die körnigen Früchte inzwischen auch als vitaminreiches Power-Topping im Müsli geschätzt. Wem die Reife der Fruchtstände zu lange dauert, der greift zu den Blüten der Kapuzinerkresse: Die lassen jeden Sommersalat erblühen. (Von Gisela Busch)

Eine Auswahl der schönsten einjährigen Sommerblumen:

Die folgende Auswahl einjähriger Sommerblumen enthält zum Teil auch aus den Tropen stammende Arten, die in wärmeren Regionen problemlos als Stauden wachsen. Bei uns werden die kälte- und nässeempfindlichen Schönheiten zumeist als Einjährige kultiviert.

Bartnelke (Dianthus barbatus), rot und Rosé-Töne, Duft.

Bechermalve (Lavatera trimestris), rosa.

Buntnessel (Coleus blumei), rot-grün.

Duftsteinrich (Lobularia maritima), weiß, Duft.

Elfenspiegel (Nemesia), verschiedene Farben.

Blütenflor und Power-Korn: Garten-Fuchsschwanz (Amaranth).

Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus), dunkelrot.

Gartenwicke (Lathyrus odoratus), rosa, Duft.

Gauklerblume (Mimulus tigrinus), gelb-braun.

Goldlack (Cheiranthus cheiri), orange, Duft.

Goldmohn (Eschscholzia californica), orange.

Leuchtet kobaltblau: die grazile Jungfer im Grünen (Nigela damascena).

Jungfer im Grünen (Nigella damascena), blau und weiß.

Kalifornischer Mohn (Eschscholzia californica), orange.

Klatschmohn (Papaver rhoeas) rot.

Kornblume (Centaurea cyanus), blau.

Leberbalsam (Ageratum houstonianum), blassblau.

Levkoje (Matthiola incana), violett, Duft.

Löwenmäulchen (Antirrhinum majus), verschiedene Farben.

Mädchenauge (Coreopsis tinctoria), gelb.

Meerlavendel (Limonium sinuatum), violett.

Mondviole (Lunaria annua), rosa.

Natternkopf (Echium plantagineum), blau.

Hingucker in pastellrosa: das anspruchslose Schmuckkörbchen (Cosmea).

Schmuckkörbchen (Cosmea bipinnatus), rosa.

Sommer-Rittersporn (Delphinium consolida), verschiedene Farben.

Sommerazalee (Clarkia amoena), rosa bis lavendel.

Spanischer Tänzer (Linaria reticulata), rot-orange.

Starrer Grünfaden (Thelesperma filifolium), gelb.

Hübsch altmodisch: gelbe Strohblumen (Bracteantha), die man auch ganz leicht trocknen kann.

Strohblume (Xerochrysum bracteatum), verschiedene Farben.

Studentenblume (Tagetes tenuifolia), orange, Duft.

Stundeneibisch (Hibiscus trionum), weiß.

Sumpfblume (Limnanthes douglasii), gelb-weiß.

Ziertabak (Nicotiana x sanderae), rosa und rot.

Zinnien (Zinnia elegans), lachsfarben.

Wiesen-Mischungen: Von „Sommertraum“ bis „Falterfreude“ 

Blumenwiesenmischungen mit einjährigen Arten gibt es in vielen Gartencentern. Oft tragen sie fantasievolle Namen, die aber kaum etwas über die einzelnen Pflanzen verraten, welche den bunten Tüten entsprießen. Das ist schade, denn so manche Blüte aus dem bunten Allerlei wie etwa der Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) oder die Jungfer im Grünen (Nigella damascena) hat durchaus das Zeug zum Solo-Auftritt. Mischungen des Eschweger Saatgut-Großhändlers Küpper – wie der laut Volker Lange in Kassel besonders beliebte „Wehretaler Sommertraum“ – sind für Privatgärtner im Onlineshop des Wehretaler Blumenzwiebel-Spezialisten Gewiehs erhältlich, wo es auch eine breite Auswahl an besonderen einjährigen Arten gibt.

Sarah Hoßbach von der Firma Küpper empfiehlt, vor der Aussaat den Boden sorgfältig zu jäten, damit Unkräuter wie Melde, Gänsefuß und Hirse in der künftigen Blumenwiese nicht gleich die Oberhand gewinnen und die zarten Blumen unterdrücken.

Damit der meist sehr feine Samen (zwei bis vier Gramm reichen in der Regel für einen Quadratmeter) gleichmäßig verteilt werden kann, sollte er mit einem Aussaathelfer wie mineralischem Vermiculit oder Sand vermischt werden und bis zum Aufgehen der Pflänzchen etwa sechs Wochen lang gewissenhaft gut feucht gehalten werden.

Ob man Insekten anlocken will mit der mehrjährigen Duftblumen-Mischung „Falterfreude“ oder „Super-Premium“-Exoten schätzt wie den Blauen Waldmeister (Asperula orientalis), die Collinisie (Collinsia), das Weißspitzchen (Laya platiglossa) und den Spanischen Tänzer (Linaria reticulata), ist dann aber wirklich reine Geschmackssache. (Von Gisela Busch)

Buchtipp: Einjährige im Kübel

Mit mobilen Pflanzen können sich (nicht nur) mobile Menschen ihre heimlichen Gartenträume erfüllen, egal wo. Ob Sonnenbalkon oder Schattengarten-Ecke, ob Lust auf Gemüse, Kräuter oder Blüten – in Simone Kerns unkonventionell-kreativem Pflanzideenbuch für jeden Standort findet jeder Topfgärtner sicher „seine“ Anregung – von Vorschlägen für alternative Blumen-Balkonkästen bis hin zu zauberhaften Wildblumenarrangements. Wird dann noch die wichtigste „No-Go“-Regel des Kübelgärtnerns („ausnahmslos jeder Topf braucht ein Abzugsloch“) beherzigt, kann nichts schiefgehen.

„Wilde Kübel“ von Simone Kern, Franckh Kosmos, 17 Euro.

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