So werden Steine im Garten grün

Trockenmauern sind Lebensräume für Pflanzen und Tiere

Wuchtige Treppenstufen erwachsen aus dieser an den schattigen Hang angelehnten höchst unkonventionellen Trockenmauer. Die Ritzen bieten viel Spielraum für Farne, Kräuter, Sukkulenten und Blütenstauden.
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Wuchtige Treppenstufen erwachsen aus dieser an den schattigen Hang angelehnten höchst unkonventionellen Trockenmauer. Die Ritzen bieten viel Spielraum für Farne, Kräuter, Sukkulenten und Blütenstauden.

Natursteinmauern bieten mit ihrem besonderen Kleinklima Pflanzen und Tieren einen einzigartigen Lebensraum, weiß Gärtnermeister Frank Schroeder aus langjähriger Erfahrung. Feld- und Natursteine werden, meist angelehnt an einen Hang, auf Schotterfundament und ohne Fugenmörtel aufeinandergeschichtet.

Kreative Köpfe in der Gartenmanufaktur Ommertalhof: Gärtnermeister Frank Schroeder und Landwirtin Nicole Frank.

Das Konzept der Landgewinnung, bei dem steile Hanglagen terrassiert und damit nutzbar gemacht werden, hat sich nicht nur seit Urzeiten in der Landwirtschaft bewährt, sondern auch im naturnahen Garten. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Landwirtin Nicole Frank, betreibt der Gärtnermeister im nordrhein-westfälischen Lindlar die Gartenmanufaktur Ommertalhof, die sich auf Trockenmauern aus Naturstein spezialisiert hat. „Beim Bau von Natursteinmauern entstehen natürliche Standorte für alpine, trockenheitsliebende oder sonstige Stauden, die wenig Konkurrenz vertragen“, erklärt Schroeder. Je nach Lage ist eine abwechslungsreiche Bepflanzung möglich – in voller Sonne, Halb- oder Vollschatten kreieren.

Vertikaler Pflanzplan

Am Anfang steht ein vertikaler Pflanzplan, wobei man die Auswahl zwischen hängenden sowie horst- und rhizombildenden Stauden hat. Auch Farne, Stauden, ein- und zweijährige Blumen, kleine Zwiebelgewächse sowie sukkulente Pflanzen kommen für diesen ausgefallenen Standort in Betracht.

Tierische Bewohner

In die etwas breiteren Fugen des Mauerfußbereiches mit seinen größeren und schweren Steinen ziehen gern Erdkröten und Grasfrösche ein, die auch Hohlräume tief im Fundament nutzen. Blindschleichen schätzen einen sehr schmalen Zugang und einen Rückzugsort zwischen flachen Platten, wo sie überwintern können und Schutz vor gefräßigen Mäusen finden. Erdhummeln, die auch gern alte Mäusenester bewohnen, fühlen sich in kleinen Hohlräumen im Fundament wohl und viele Wildbienenarten legen ihre Larven gerne in den schmalen Fugen südlich ausgerichteter Trockenmauern ab. Die Insekten freuen sich dazu über Wild-stauden im umliegenden Garten und in der Mauer. „Etwas lehmiges Substrat hier und da zwischen den Steinen lockt dazu noch bestimmte Solitärbienen an“, rät Schroeder. Eidechsen verkriechen sich im Winter gern in schmalen Hohlräumen zwischen Steinplatten im oberen Segment des Mauerrückraumes.

Beim Mauer-Aufbau pflanzen

„Gepflanzt wird idealerweise beim Aufbau der Mauer“, sagt der Gärtnermeister. Dadurch sei nicht nur der sogenannte „Bodenschluss“ gewährleistet, was heißt, dass die Pflanzen in Substrat eingebettet anwurzeln können. Dazu werden an der Mauerrückseite sogenannte „Erdbrücken“ mit Humus in den stabilisierenden Schotter eingefügt. „Viele Arten kommen aber auch ohne Substrat aus und wachsen einfach im Schotter.“ Während man in eine Bestandsmauer meist nur kleine Sukkulenten wie Sedum, Sempervivum und Saxifragen in breite Fugen „reinfummeln“ könne, eröffnen sich mit vorgeplanten Löchern von 9 mal 9 Zentimetern ungeahnte Pflanzmöglichkeiten.

Geeignete Stauden

Für große Mauern eignen sich besonders rhizombildende Stauden wie Blasses Zimbelkraut (Cymbalaria pallida), Polster-Glockenblumen (etwa Campanula portenschlagiana und poscharskyana), Echter Gamander (Teucrium chamaedrys), Chinesischer Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides) und Cam-bridge-Storchschnabel (Geranium dalmaticum cantabrigiens), deren Ausläufer schnell ihre Umgebung erobern. „Davon reichen drei Stück pro Quadratmeter, wenn man auch später im Sommer noch Steine sehen will.“ Auch perfekt, aber zahmer im Wuchs, sind viele Storchschnabel-Arten (etwa Geranium sanguineum).

Manche mögen’s heiß: Rosa Bitterwurz und gelbes Steinkraut gedeihen in voller Sonne.

Mannigfaltig ist auch die Auswahl an horstbildenden Pflanzen für Mauern. Am sonnigen Standort geht das von Adonisröschen über Bitterwurz (Lewisia cotyledon) bis zu Ehrenpreis (Veronica). Zu Schroeders Favoriten zählen Perlkörbchen (Anaphalis triplinervis), Rote Spornblume (Centranthus ruber), Mannstreu (Eryngium), Reiherschnäbel (Erodium), die sonst gern verfaulen, und Enzian (Gentiana), die im Staudenbeet nicht konkurrenzfähig sind. Dazu kommen Johanniskraut (Hypericum), Witwenblume (Knautia), kleinwüchsige Katzenminzen (Nepeta) und natürlich alle Sorten von Sukkulenten wie Mauerpfeffer (Sedum) Fetthenne (Sedum telephinum) und Hauswurzen (Sempervivum). Bei den polsterbildenden Stauden können trockenheitsliebende Arten wie Phlox, Gänsekresse, Blaukissen, Seifenkraut und Saponaria, Dianthus und Nelken zwar üppige Schleppen bilden, welche teils die Mauer verdecken, dennoch passen sie besser dorthin als ins Beet. Mit dem heißen Sonnenplatz auf der Mauerkrone kommt die aparte Karthäusernelke (Dianthus carthousianorum) dank metertief reichender Wurzeln auch bei größter Trockenheit bestens zurecht.

Von wegen trocken: Über ungleichmäßig aufgeschichtete Natursteine plätschert hier Wasser in einen Teich.

Trockenmauer im Schattenbereich

Eine Trockenmauer im Schattenbereich lässt sich mit vielfältigen Blattstrukturen beleben, etwa mit den filigranen Wedeln von Farnen (Adiantum pedatum und venustum). Die unzähligen Sorten des Hirschzungenfarns (Phylitis) säen sich in älteren, feuchten Mauern gern überall aus. Ganz besonders schön in der dunklen Seite der Mauer wirken die Wedel des Japanischen Regenbogenfarns (Athyrium japonicum “Metallicum“). Zudem kommen auch viele Funkien (Hosta) in Trockenmauern zurecht, besonders die blaulaubigen Sorten („Halcyon“, „Sieboldiana elegans“). Weißbunte Sorten bringen Helligkeit auch in dunklere Partien schattiger Mauerflächen. Auch Polster-Glockenblumen (Campanula) zeigen hier Blühfreude.

Eingebaut: Wasserstelle mit altem Steinbecken.

„Bei Zwiebelpflanzen wie Tulpen ist eine Ansiedlung in Trockenmauern recht schwierig“, sagt Schroeder, vor allem wegen der geraden Wuchsform. In Mauerritzen treiben sie dann schräg aus und knicken an der Zwiebel ab. Die Zierlauchsorten Allium bulgaricum und sphaerocephalum seien allerdings einen Versuch wert. Sie säen sich sogar in Fugen selbst aus.

Hauswurzen fühlen sich in jeder Mauerritze wohl.

Der karge Lebensraum zwischen Steinen ist für manche ein Glück, sagt Schroeder: „Der Schwertblättrige Alant (Inula ensifolia) etwa geht sonst im Garten immer unter, in der Trockenmauer aber läuft er zu Höchstform auf.“

Information: ommertalhof.de

(Von Gisela Busch)

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