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Mehr Nichtstun im Herbstgarten hilft Kleintieren und Insekten

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Von: Gisela Busch

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Winterstruktur im Garten mit vom Frost  verzauberten Gräsern und Stauden.
Winterstruktur im spätherbstlichen Garten: Bei Frost verwandeln sich Gräser und abgestorbene Stauden in anmutige Skulpturen. © Isabell Van Groeningen/BGL/nh

Die Tage werden kürzer und das Gartenjahr neigt sich seinem Ende zu. Höchste Zeit also, den Garten winterfest zu machen. Im Zweifel, so Nabu-Gartenexpertin Melanie Konrad ist beim herbstlichen Großreinemachen aber eher Zurückhaltung geboten. Denn vor allem Kleintieren und Insekten hilft das „Weniger-ist-mehr“-Prinzip vor dem Winter sehr.

Melanie Konrad ist Gartenexpertin beim NABU
Melanie Konrad Nabu-Garten- expertin © Benjamin Maltry

Wer jetzt im Spätherbst ein paar Grundregeln befolgt, kann sich viel anstrengende und überflüssige Arbeit ersparen und gleichzeitig den tierischen Gartenbewohnern sehr dabei helfen, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Wildtiere leiden ohnehin am meisten unter den ausgeräumten Kulturlandschaften, aus denen Feldhecken und Dickichte weitgehend verschwunden sind und wo die Biodiversität immer mehr zurückgeht. Auch sind städtische Flächen zunehmend versiegelt, sodass dem privaten Garten als Rückzugsort eine wachsende Bedeutung zukommt, betont die Expertin.

Im Herbstgarten gilt: Weniger ist mehr

Die Funktion eines „unaufgeräumten“ Gartens als Winterquartier für viele heimische Tiere könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. In der freien Natur räumt schließlich auch keiner auf. Etwas mehr Nichtstun im Herbstgarten bedeutet also nicht nur weniger Arbeit: Wer auf den Rückschnitt abgeblühter Stauden und welker Gräser verzichtet, sorgt auch dafür, dass die Beete im Winter eine schöne Struktur haben und nicht wie leer gefegt aussehen.

Grund genug also auch für besonders ordnungsliebende Gärtner, auf das „Saubermachen“, also den herbstlichen Kahlschlag am Ende der Gartensaison, künftig besser zu verzichten. Stattdessen sollte man die Bedürfnisse der tierischen Gartenbewohner im Blick haben: Laubhaufen für die Igel, Käfer und Spinnen, abgeblühte Pflanzenstängel für Insekten und fruchttragende Gehölze für die Vögel.

Blätter vom Rasen entfernen

Manche Herbstarbeiten machen aber durchaus Sinn: Beim Laub etwa gilt der alte Grundsatz: „Auf dem Rasen schadet es (weil die Gräser Luft und Licht brauchen), auf den Beeten nutzt es (weil die Blätter dort beim Verrotten wertvolle Nährstoffe an den Boden abgeben)“. Eine Ausnahme bildet sehr gerbsäurehaltiges Laub wie das des Walnussbaums: Das verrottet es nur langsam, eignet sich daher auch nicht gut für den Kompost und sollte in der Biotonne entsorgt werden.

„Beim Laub sind Rechen und Harke sind als Werkzeuge die beste Wahl“, sagt Konrad. Motorisierte Laubsauger verursachen nicht nur Lärm und Abgase, sondern saugen neben welken Blättern auch kleine Tiere wie Spinnen, Käfer, Tausendfüßler, Asseln und Amphibien ein, was deren sicheren Tod bedeutet.

Igel freuen sich über Laubhaufen im Garten, wo sie den Winter gut überstehen.
Der Laubhaufen in einer Ecke des Gartens wird für den Igel zum geschützten Unterschlupf, in dem er die kalte Jahreszeit verbringen kann. © Panthermedia.net/xload

Laub ist ein gutes Versteck

Obstbaumlaub ist ein begehrtes Versteck für viele Tiere. Statt es auf dem Komposthaufen zu entsorgen, kann man die welken Blätter in Gartenecken, auf Beeten oder unter Sträuchern aufhäufen. Das Laub bildet dort eine lockere Mulchschicht, welche die Pflanzen schützt und in der viele Lebewesen überwintern können. Für Zaunkönig, Rotkehlchen und andere Wintervögel sind diese Kleintiere dann bei Frost eine leckere Abwechslung auf dem mageren Speiseplan. Auch Igel, Käfer und Spinnen finden im Laubhaufen ein ideales Quartier. Zudem düngt die Blätterdecke den Boden und schützt seine Lebewesen.

Hohle Pflanzenstängel sind für Wildbienen ein perfekter Platz zum Überwintern.
Hohle Pflanzenstängel sind für Wildbienen ein perfekter Platz zum Überwintern. © Panthermedia.net/Sabine Seiter

Gräser und Stängel als Winterquartier

Über hohle Pflanzenstängel als Winterquartier freuen sich viele Insekten und Spinnen. Manche Wildbienen legen ihre Eier in Pflanzenstängel und verholzte Stauden. Die Falterpuppen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings hängen sich etwa zum Überwintern gern an Gräser und Zitronenfalter verbringen die kalte Jahreszeit als erwachsene Tiere an Blättern hängend.

Aus Naturmaterialien, die jetzt im Herbst anfallen, können für Wildbienen geeignete Nisthilfen gebastelt werden, die dann in der Regel ab Februar besiedelt werden. Die jungen Bienen schlüpfen erst später im Frühjahr.

Dem hungrigen Distelfinken – hier an Samenständen des Sonnenhutes – ist es egal, ob er im aufgeräumten oder chaotischen Umfeld Nahrung findet.
Dem hungrigen Distelfinken – hier an Samenständen des Sonnenhutes – ist es egal, ob er im aufgeräumten oder chaotischen Umfeld Nahrung findet. © BGL/Staffler/nh

Planzensamen und Früchte ernähren viele Vögel

Pflanzensamen und Früchte von Gehölzen helfen vor allem den Vögeln, über den kargen Winter zu kommen. Deshalb sollte man mit dem Schneiden von beerentragenden Sträuchern wie Rosen, Pfaffenhütchen, Hartriegel, Weißdorn und Liguster bis zum Ende des Winters warten.

Auch die Samenstände von Stauden und Gräsern liefern bis zum Frühling nahrhafte Kost. Dies gilt vor allem für Spätsommerstauden wie Wilde Karde, Flockenblumen, Mädesüß und Schafgarbe, aber auch Sonnenhut und viele Sonnenblumenarten, die neben dem Nahrungsangebot für Tiere auch noch ihren Beitrag für ein attraktives Winterbild im Garten liefern.

Totholz ist ein idealer Lebensraum

Totholz wie Baumstümpfe und morsche Äste und Rindenreste bieten, in einer Gartenecke aufgestapelt, ein geschütztes Winterquartier für Tiere wie Igel, Käfer, Wildbienen und andere Insekten. Einige davon dienen ihrerseits wieder als Nahrung für hungrige Wintervögel, so Konrad.

Seit sich immer mehr Menschen dank allerlei Initiativen um die Rettung von Bienen sorgen, ist offenbar auch das grundsätzliche Interesse an der heimischen Tierwelt und dem Funktionieren der Natur deutlich gewachsen. „Wenn man erst mal weiß, wer in altem Holz so alles wohnt, findet man das vielleicht sehr spannend und betrachtet einen „toten“ Baumstamm ganz mit neuem Interesse, sodass dieser sogar im Garten liegen bleiben darf. „Man muss sich vor Augen führen“, sagt Konrad, „dass zum Beispiel eine einzige alte Eiche Lebensraum für bis zu 1000(!) Insektenarten bietet – von Schmetterlingen über Käfer bis hin zu Wildbienen.“ Dazu gesellen sich noch Pilze, Wirbellose Fledermäuse und Spechte.

Je vielfältiger die Strukturen im Garten seien, sei es durch möglichst heimische Pflanzenarten, durch Bäume, Sträucher oder Wiesen, durch „unaufgeräumte“ Bereiche, Totholzstapel oder Stein- oder Reisighaufen, desto erfolgreicher ließen sich auch vor der eigenen Haustür kleine, aber feine Überlebensräume für möglichst zahlreiche Vertreter der heimischen Tierwelt schaffen.

Bitte nicht umgraben! Tiefgründiges Wenden der Erdschichten stürzt Bodenlebewesen ins Chaos

Vor übertriebenem Aktionismus bei der Bodenauflockerung warnt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft im Internet: Lange galt es als absolutes Muss, Beete im Herbst oder Frühjahr gründlich und tief umzustechen und auf diese Weise zu lockern. Heute weiß man dagegen: Tiefes Umgraben sorgt in erster Linie für absolutes Chaos im Mikrokosmos des Bodens.

Beim Wenden der Erde geraten Lebewesen aus tiefen, relativ gleichmäßig temperierten und meist deutlich feuchteren Erdschichten plötzlich in die wechselhafteren, luftig-trockenen oberen Etagen. Sauerstoffliebende Erdbewohner der Streuschicht hingegen finden sich nach Luft ringend im Kellergeschoss wieder. Dass ein solches Durcheinander keinem der Beteiligten gut bekommt, liegt auf der Hand. Unzählige der hoch spezialisierten Bodenlebewesen sterben nach dem Umgraben aufgrund der nun für sie ungünstigen Bedingungen.

Darüber hinaus gelangen beim Auf-den-Kopf-stellen der Bodenschichten unzählige Unkrautsamen, die in der Tiefe schlummerten, an die Erdoberfläche, wo ein Teil rasch keimt und für weitere ungeliebte Arbeitseinsätze sorgt – noch ein Grund mehr, um guten Gewissens auf den jährlichen Spateneinsatz zu verzichten. Im Frühjahr reiche es dann, Gemüse- oder Blumenbeete schnell und kraftsparend mit einem Sauzahn aufzulockern. Dieses einzinkige Gartengerät dringt beinahe ebenso tief in den Boden ein wie ein Spaten, jedoch ohne dabei die Bodenschichten und seine Bewohner fatal durcheinanderzuwirbeln.

Im Gemüsegarten Wintersalat säen

Wenn auf den Beeten im Gemüsegarten die Früchte des Sommers abgeerntet sind, ist auch dort „herbstliche Zurückhaltung“ gefragt. Auf jeden Fall könne man sich das immer noch beliebte Umgraben gänzlich sparen, sagt Konrad (siehe auch Hintergrund). „Da sät man auf frei gewordenen Flächen lieber einfach Wintersalat wie zum Beispiel Feldsalat oder Spinat oder aber eine Gründüngung ein, die im Frühjahr untergearbeitet werden kann. Dann ist der Boden den Winter über bedeckt und behält seine Fruchtbarkeit.“

Informationen: Das Nabu-Naturtelefon informiert kostenlos unter Tel. 030/284984-6000 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr). Hier gibt es eine Anleitung für Insekten-Nisthilfen. Der Nabu bietet auch allgemeine Gartentipps.

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