Nahrhaftes Wurzelgemüse: Pastinake, Petersilienwurzel und Rote Bete

Vielseitige Wurzeln: Rübensüßchen für jeden Geschmack

Vielseitig verwendbar und leicht zu kultivieren: Pastinaken  keimen nur langsam, sind aber anspruchslos in der Pflege und beliebt wegen ihres süßlichen Geschmacks.
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Vielseitig verwendbar und leicht zu kultivieren: Pastinaken keimen nur langsam, sind aber anspruchslos in der Pflege und beliebt wegen ihres süßlichen Geschmacks.

Rüben sind unverzichtbar: Schon unsere Vorfahren in der Steinzeit wussten zu schätzen, was in Wurzeln steckt. Sie sammelten und aßen viele der uns heute noch bekannten Knollen und Rüben – beziehungsweise deren Urformen: bleistiftdünne Wurzeln, blass-gelbliche Möhren und winzige Knollen. Heute haben wir im Garten eine große Auswahl an tollen Knollen.

Echtes Wintergemüse: Die Steckrübe.

Die modernen farbintensiven, faustdicken und bitterstoffarmen Wurzelgemüsesorten sind erst den Züchtungsfortschritten des 20. Jahrhunderts zu verdanken. Doch manche alten Arten, wie die von der Kartoffel fast verdrängte Pastinake (auch „Germanenwurzel“ genannt), die bis ins 18. Jahrhundert als Grundnahrungsmittel galt, liegen heute wieder voll im kulinarischen Trend. In Garten, Frühbeet oder Hochbeet wird Wurzelgemüse von April bis Mai immer direkt vor Ort ausgesät, empfiehlt das Online-Gartenportal Hortipendium. Alle Wurzelgemüse lieben tiefgründige, humose und warme Böden. Weil die „Früchte“ des Knollengemüses von der Wurzel ausgehend hinunter in die Erde wachsen, sind sie empfindlich und sehr störanfällig: Umtopfen, verpflanzen oder vorziehen auf der Fensterbank mögen sie gar nicht.

Weißfleischig mit violettem Kragen: Mairüben sind raschwüchsig und als Rohkost beliebt.

Auch schwere Böden können ein Wachstumshindernis sein: Die jungen „Rübensüßchen“ werden dann möglicherweise „vielbeinig“ und bilden zudem viele Faserwurzeln aus. Wichtig ist auch eine gleichmäßige Wasserversorgung, da starke Schwankungen zum Aufplatzen der Wurzeln führen können. Weil jede Wurzel ausreichend Platz für ihre Entwicklung braucht, sollten die Abstandsregeln auf den Samentütchen unbedingt beherzigt werden.

Unterschiedlich sind auch die Keimzeiten von Wurzeln: Am schnellsten sind Radieschen mit nur etwa drei bis vier Tagen, Rote Bete braucht mindestens eine Woche, Pastinaken lassen sich zwei bis drei und Möhren drei bis vier Wochen Zeit, ehe die ersten Blättchen kommen.

Info: hortipendium.de

Aus der Erde auf den Teller: Historische Wurzelgemüsesorten zum Entdecken

Knackig-orange: Möhren mögen lockeren Boden.

Wurzelgemüse haben im Hausgarten traditionell ihren Platz. Möhren (auch Wurzeln oder Karotten) gehören ebenso dazu wie Rote Bete (Rote Rüben), Knollensellerie, Schwarzwurzel, Rettich und Radies. Teilweise nur regional verbreitet sind Speiserübenarten wie Mairübe, Teltower Rübchen, Gatower Kugel und Herbstrübe. Als Symbol des Hungers erlangte im „Steckrübenwinter“ 1916/17 eine leicht anzubauende Kohlart traurige Berühmtheit. Kaum 100 Jahre später schätzen Sterneköche die unkomplizierte Steckrübe dagegen immer öfter als winterliche Delikatesse.

Manches früher weit verbreitete Wurzelgemüse hat weitgehend an Bedeutung verloren, wird aber gerade für den Hobbygartenbau wiederentdeckt. Die weiße Pastinake („Pastinaca sativa“) ist als unentbehrliche Suppenzutat beinahe schon wieder allgegenwärtig (Aussaat ab Mai). Noch eher selten im Gemüsebeet anzutreffen sind dagegen Haferwurzel („Tragopogon porrifolius“, Aussaat im März an Ort und Stelle), Zuckerwurzel („Sium sisarum“, wächst als winterharte Staude), Schinkenwurzel („Oenothera biennis“, bekannt eher als Zierpflanze (Nachtkerze), die Wurzel wird „schinkenrot“ beim Kochen). Bereits im November muss die kaltkeimende Kerbelrübe („Chaerophyllum bulbosum“) ausgesät werden, Ernte ab Juli.

Info: Saatgut für historische Wurzelgemüse gibt es unter anderem beim Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) und bei manufactum.de

Glosse: „Edibles“ sind ein Gartentrend und in aller Munde

Sie gärtnern? Toll, dann sind Sie höchstwahrscheinlich ein Trendsetter. „Edibles“ sind nämlich der Neueste. Der schicke Anglizismus umschreibt schlicht das, was wir vom Garten in die Küche tragen, um es in eine Mahlzeit zu verwandeln: Essen eben.

Meine Oma Sophie (1891 in eine kleine Landwirtschaft hineingeboren) hätte sich sehr gewundert, dass der Anbau essbarer Pflanzen nur zwei Generationen später „viral geht“. Klar, auch sie war sehr stolz, wenn jemand beim Blick übern Gartenzaun ihr stattliches Gemüse lobte. Allerdings vor allem deshalb, weil davon die Familie selbst in Notzeiten satt wurde.

Anders als vor 100 Jahren, entspricht der Anbau von Nahrungsmitteln heute kaum noch ökonomischer Notwendigkeit oder auch nur Sinnhaftigkeit. Liefern doch Supermärkte alles frisch, bequem und billiger noch dazu. Paradox? Nein. Kopf und Herz liefern gleichermaßen Gründe dafür, dass privater Gemüseanbau zum Lifestyle-Trend erhoben wird: Autonomie in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, aber auch das Glücksgefühl, das der Duft reifer Heidelbeeren und eigenhändig aus der Erde gezogene Möhren schenken. Lebensqualität pur, die noch dazu Teller füllt.

Unser „Edibles“-Trend anno 2021 hätte auch der Oma bestimmt gefallen. Wobei sie für all die „Grow-it- yourself“-Blogs und Gardening-Youtube-Kanäle, bei denen nicht nur die coole Story („Wir machen es wirklich“), sondern auch die Vorbildfunktion zählt („So könnt auch ihr es schaffen“), kaum genug Zeit gefunden hätte. Sie wäre draußen. Im Garten. (Von Gisela Busch)

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