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Von der Hand in den Mund: Himbeeren aus dem Naschgarten

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Von: Gisela Busch

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Sommerhimbeeren der schottischen Sorte ´Glen Coe´, die ab Juni  dunkelviolette Früchten trägt.
Sommerhimbeeren der schottischen Sorte ´Glen Coe´, die ab Juni dunkelviolette Früchten trägt. © Gisela Busch

Wohl kaum ein anderes Obst schmeckt köstlicher direkt „von der Hand in den Mund“ als reife Himbeeren. Die aromatischen, zarten Beeren sind das ultimative Naschobst und gelten zugleich als edelste und geschmacksvollste Früchte, die der Hausgarten zu bieten hat.

Es gibt inzwischen zahlreiche Kultursorten mit gelben, hell- und dunkelroten oder violetten Früchten, die je nach Witterung ab Juni bis Oktober oder November geerntet werden können – und sogar herbst- und sommertragende Zwergsorten für die Kultur auf Balkon und Terrasse.

Aber nicht nur wir Menschen naschen gern im Himbeergarten: Weil die Blüten viele Pollen und reichlich Nektar produzieren, sind Himbeeren auch beliebte Anlaufstelle für Bienen und Schmetterlinge. Laut dem Naturschutzbund Nabu dienen die Blätter zudem den Raupen von über 50(!) Schmetterlingsarten als Futter.

Auch wenn Himbeeren (botanisch: Rubus idaeus) einheimische Pflanzen sind und in ihrer Wildform vor allem auf lockeren und humosen Böden an Waldrändern und auf Lichtungen gedeihen, sind sie doch keineswegs Schattenpflanzen. Im Gegenteil: Für einen guten Ernteertrag brauchen die rutenförmigen Pflanzen viel Sonne, erklärt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz im Gartenportal Hortipendium und betont: „Himbeeren aus eigenem Anbau machen nur dann Freude, wenn man sich etwas mehr mit dieser Kultur befasst.“

Himbeeren brauchen sonnigen Standort

Leider würden Misserfolge mitunter dazu führen, dass viele Gartenliebhaber entweder ganz auf den Anbau von Himbeeren verzichten oder die Pflanzen in irgendeine sonst nicht benötigte Ecke des Gartens pflanzen und sich mit den mehr oder minder kümmerlichen Erträgen zufrieden gäben. So lassen laut Ollig an einem schattigen Standort Frucht- und Vermehrungsleistung stark nach. Konkurrenz durch Unkrautbewuchs störe nicht nur die Entwicklung der Himbeerpflanzen, sondern fördere auch die Ausbreitung vor allem der gefürchteten Rutenkrankheiten.

Werner Ollig ist Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz.
Werner Ollig Gartenakademie Rheinland-Pflanz © Privat

Bei Himbeeren zählt vor allem der Geschmack

Das im Handel angebotene Himbeersortiment sei zwar auf den ersten Blick überwältigend groß, erklärt der gelernte Obstgärtner und langjährige Vizepräsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822. Allerdings würden viele neue Sorten auf die Erfordernisse des Erwerbsanbaus wie Lager- und Transportfähigkeit ausgerichtet, sodass die für den Hausgarten geeigneten Sorten überschaubar seien. Im Hausgarten gehe es beim Obst nämlich vor allem um den guten Geschmack. Außerdem sollten Pflanzen möglichst widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge sein, Früchte sich zum Naschen und Einfrieren gleichermaßen eignen und die Ernte über einen möglichst langen Zeitraum hin möglich sein.

Sommer- oder Herbstsorten? Unterschiede bei Reifezeit und Schnitt

Unterschieden wird bei Himbeeren in sogenannte Sommer- und Herbstsorten. Um welche es sich handelt, erkennt man daran, ob sie die Früchte an den ein- (also in diesem Jahr gewachsenen) oder zweijährigen (also im Vorjahr gewachsenen) Ruten tragen. Sommerhimbeeren liefern bereits im Juni die ersten Früchte, Herbsthimbeeren hingegen erst im August, dafür bis in den Oktober hinein. Die letzten reifen Herbsthimbeeren können sogar bei günstigem Wetter noch beim ersten Frost geerntet werden und fallen einem dann, voll ausgereift, bei leichter Berührung geradewegs in die Hand.

Herbst-Himbeere ‘Autumn Happy’ trägt von August bis Oktober Früchte.
Die Herbst-Himbeere ‘Autumn Happy’ trägt von August bis Oktober Früchte. Sie blüht zwischen Juni und Juli an den diesjährigen Ruten. © McPHOTO/H.-R. Mueller

Bei Himbeeren besser kein Pflanzentausch

Auch wenn das Tauschen von Pflanzen und Ablegern unter Hobbygärtnern viel Spaß macht und Tradition hat, sollte man bei Himbeeren ausnahmsweise darauf verzichten, sagt Ollig und warnt: „Himbeerpflanzen bauen verhältnismäßig schnell ab. In der Regel sind fast alle älteren Bestände mehr oder minder stark von gefürchteten Pilz- oder Viruskrankheiten befallen.“ Diese seien bei der Pflanzung meist nicht ersichtlich, stellten aber den Gesamterfolg der Pflanzung von Anbeginn infrage. Ollig empfiehlt daher, bei Neuanlagen Qualitätspflanzgut aus anerkannten Baumschulen zu verwenden. Nur diese böten weitgehende Sicherheit bezüglich der Sortenechtheit und des Gesundheitszustands. Teilweise werde heute auch Pflanzgut aus sogenannter „Meristemvermehrung“ angeboten, das zwar etwas teurer sei, sich aber schon nach wenigen Jahren bezahlt mache. Solche Jungpflanzen seien nämlich frei von Krankheitserregern, da sie unter sterilen Bedingungen im In-Vitro-Verfahren aufgezogen würden.

Beliebte Himbeer-Sorten für den Hobbygarten 

Alle Himbeeren sind Selbstbefruchter. Man braucht also im Garten nicht mehrere Sorten, um Früchte ernten zu können. Ideal für den Hausgarten sind pilz- und virusresistente Himbeersorten aus der Baumschule. Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz empfiehlt die folgenden Himbeersorten:

Sommerhimbeeren: (frühe Sorten) ‘Malling Promise’, Malling Exploit’, ‘Elida’; (mittelfrühe Sorten) ‘Willamette’, ‘Himbostar’, ‘ZefaII’, ‘Rubaca’, ‘Meeker’, ‘Rusilva’; (späte Sorten) ‘Schönemann’, ‘Glen Ample’, ‘Sanibelle’, ‘Weirula’. Als virustolerante Sommer-Sorten gelten ‘Meeker’, ‘Rutrago’ und ‘Rumiloba’.

Herbsthimbeeren: ‘Zefa Herbsternte’, ‘Autumn Bliss’, ‘Autumn Happy’ und ‘Heritage’. Eine besonders üppig tragende Neuheit aus Schottland ist ‘Glen Coe‘ (dunkelviolette Kreuzung der beiden stachellosen Sorten SCRI-Hybride X ‘Glen Prosen’ und der Schwarzen Himbeere ‘Munger’).

Himbeeren nicht zu dicht pflanzen: Reihen mit Abstand

Oft werden Himbeeren nach Erfahrung des Fachmannes als mehrjährige Kultur zu dicht gepflanzt. Der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte 0,50 Meter betragen, zwischen den Reihen sollten 1,50 Meter Platz bleiben, damit die Beerensträucher genug Licht und Luft bekommen und um die Ernte zu erleichtern.

Himbeeren haben Pflanzzeit bis November

Ideale Pflanzzeit für Himbeeren wie alle anderen Gehölze ist etwa ab August bis Anfang November, wenn also der Boden noch erwärmt ist. Die Pflanzen haben dann noch genug Zeit, vor dem Winter neue Wurzeln auszubilden, was ihren Start im Frühling erheblich erleichtert.

Himbeerruten brauchen Gerüst oder Rankhilfe

Als wüchsige Rankpflanzen benötigen Himbeeren immer ein Gerüst – klassischerweise besteht das aus zwei Pfosten an beiden Enden eines lang gestreckten Reihenbeetes, zwischen denen Querhölzer befestigt oder Drähte gespannt werden, an denen sich die einzelnen Ruten befestigen lassen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Himbeerruten, die vier bis fünf Meter lange werden können, einen lichten Stand haben, schon um beim Rückschnitt die Auswahl der kräftigsten Ruten für die nächste Saison zu erleichtern.

Boden vorbereiten - Pflanzen überaltern

Obwohl Himbeeren in der Pflege weitgehend unkompliziert und robust sind, muss man sich doch ein wenig um sie kümmern. Sie freuen sich über lockere und humose Erde in einem unkrautfreien Beet und sind dankbar für etwas hochwertiges Substrat im Pflanzloch als Starthilfe. Beim Unkrautjäten sollte man darauf achten, die jungen Ruten nicht zu verletzen, da diese sonst anfällig für Pilzkrankheiten werden. Laut Ollig sind vor allem die gefürchteten Rutenkrankheiten ein Hauptgrund dafür, dass Himbeeranbau im Garten rasch unerfreulich und damit unrentabel wird. Vielen dieser Krankheiten sei auch mit der chemischen Keule nur schwer beizukommen. Wassermangel bei längeren Hitzeperioden mit andauernder Trockenheit sei genauso nachteilig für die Pflanzen wie Staunässe. „Erfahrungsgemäß sind die meisten Himbeersorten auch bei guter Pflege nach etwa zehn bis zwölf Jahren im Wortsinne erschöpft“, sagt Ollig. Dann sei die Zeit für neues, frisches Pflanzmaterial gekommen.

Himbeerschnitt: Auf die Sorte kommt es an

Bei Sommerhimbeeren werden nur die abgeernteten, absterbenden Ruten bodennah abgeschnitten, sagt Ollig. Immer noch verbreitet sei der Irrglaube, die alten Ertragsruten wären wichtig für den Ernteerfolg des Folgejahres. Im Gegenteil: Sie seien vielmehr Infektionsquellen für Krankheitsbefall im folgenden Jahr.

Nur an den zweijährigen, im Vorjahr gewachsenen Ruten tragen Sommerhimbeeren Früchte. Nach der Ernte sterben diese Ruten ab. Im Herbst dürfen also nur jene Ruten weggeschnitten werden, die schon Früchte getragen haben. Wer dagegen jetzt die frisch gewachsenen Ruten wegschneidet, für den fällt nächstes Jahr die Sommerhimbeeren-Ernte aus.

Herbsthimbeeren werden im Gegensatz zu den Sommersorten als einjährige Pflanzen gezogen. Die abgeernteten Ruten werden alljährlich vor dem Winter komplett bis etwa drei Zentimeter über dem Boden zurückgeschnitten. Die Pflanzen sind wüchsig und entwickeln im Frühling schnell frische Triebe, an denen sich Blüten und später die Früchte entwickeln.

Mehr Informationen: Gartentelefon Kassel: Tel. 05 61/72 99-3 77 (jeweils montags bis freitags, 9-11 Uhr, mittwochs 14-16 Uhr)  

(Von Gisela Busch)

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