Frühlingsblüher dürfen erst bei Kälte ins Beet und mögen es den Sommer über sehr warm

Anfang Oktober wird der Frühling gepflanzt: Tulpenzwiebeln nicht zu früh setzen

Die Tulipa „Grand Perfection“ erinnert an die famosen Rembrandt-Tulpen aus der Zeit des Tulpenfiebers. Beim Aufblühen rot-gelb, verfärbt sich die Blüte später zu rot-weiß marmoriert.
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Wie gemalt: Die Tulipa „Grand Perfection“ erinnert an die famosen Rembrandt-Tulpen aus der Zeit des Tulpenfiebers. Beim Aufblühen rot-gelb, verfärbt sich die Blüte später zu rot-weiß marmoriert.

Auch wenn es noch so verlockend erscheint, an einem herrlich warmen Spätsommertag im September endlich mit dem Pflanzen von Tulpenzwiebeln zu beginnen – lassen Sie es besser bleiben. Zu frühe Pflanzung schadet nämlich den Zwiebeln.

Carlos van der Veek, erfahrener Blumenzwiebelgärtner und -züchter aus dem nordholländischen Burgerbrug weiß genau wie es richtig geht: „Erst ab Oktober, wenn die Bodentemperaturen dauerhaft unter 13 Grad liegen, kann nach und nach mit dem Setzen der Zwiebeln, in seiner holländischen Heimat auch „Bollen“ genannt, begonnen werden. Startet man eher, riskiert man, dass die Zwiebeln schlecht wurzeln, zu früh austreiben und im Winter erfrieren.“ Das wolle schließlich niemand und den Grund dafür zu wissen, helfe sehr, sich in Geduld zu üben – auch wenn sich schon seit Wochen in Garten- und Supermärkten die Regale unter der Last verführerisch frühlingsbunter Zwiebeltüten biegen.

Frühling im Blick: Zwiebelgärtner Carlos van der Veek.

Je dicker desto besser

Beim Zwiebelkauf gilt die Grundregel: je dicker die Bolle, umso schöner später die Blüte. „Die prächtigsten, kultivierten Tulpen (bot.: Tulipa) haben einen Zwiebelumfang von mindestens zwölf Zentimetern“, erklärt van der Veek. Auf der Verpackung erkenne man dies an der Zahl 12+. Bei den kleineren Wild- und Miniaturtulpen seien zwischen sechs und acht Zentimetern Umfang ideal. Wenn möglich: Anfassen vorm Kauf, denn es sei wichtig, dass sich die Blumenzwiebel drall anfühlt und keine weichen oder schimmeligen Stellen aufweist. Dagegen sei es kein Qualitätsmangel, wenn die braune Schale nicht mehr überall vorhanden ist. Viel wichtiger sei es, dass die Zwiebeln bis zu ihrem Verkauf kühl gelagert wurden.

Blüten wie Schneekristalle: Die weiß-gefranste Tulipa „Crispa“ ist ein echtes Kunstwerk der Natur.

Auch wenn man beim Pflanzen alles richtig gemacht hat und von hungrigen Wühlmäusen den Winter über verschont wurde, kann es passieren, dass bei manchen Tulpen der spektakuläre Auftritt des folgenden Frühlings auch der einzige bleibt. Gerade bei extravaganten (und leider auch teuren) Sorten ist das ärgerlich.

Nach der Blüte ausgraben

Der Fachmann aus Holland kennt den Grund dafür: „Es liegt am gemäßigten Klima in unseren mitteleuropäischen Gärten, welches sich zu stark unterscheidet von dem Klima, das die Tulpen aus ihrer Heimat im Nahen Osten und den Gebirgszügen rund ums Kaspische Meer gewöhnt sind. Dort herrschen viel größere Extreme – richtig kalte Winter und glühend heiße Sommer.“ Vor allem Letztere brauche die Tulpe aber für eine gute Entwicklung, sonst blüht sie eventuell nur einen Frühling lang. Wer Tulpen über mehrere Jahre im Garten üppig kultivieren möchte, muss die Zwiebeln nach der Blüte, wenn das Laub vollständig vertrocknet ist, ausgraben und den Sommer über warm lagern. Jeder Blumenzwiebelgärtner habe dies gelernt: „Guter Tulpenanbau geschieht im Sommer in der Scheune.“ Eine Lagerung der Bollen bei konstant etwa 25 Grad sei entscheidend für die gute Entwicklung der Blüte und das Wachstum der Zwiebel, ehe sie im Oktober langsam wieder an herbstliche Temperaturen gewöhnt werden. „Ähnlich sollten es Hobbygärtner halten, die jahrelang Freude an ihren Tulpen haben möchten.“

Gekräuselte Blütenblätter sind typisch für Papageientulpen. Iin rosa-gelb leuchtet die „Amazing Parrot“.

Dauerhafte Sorten

Viele robuste Sorten lassen sich aber auch ohne diesen besonderen Pflegeaufwand über Jahre kultivieren. Ganzjährig im Boden bleiben und dennoch mehrere Jahre lang blühen können robuste Wildformen oder Tulpen, die nah daran sind, wie Tulipa clusiana „Tinka“ oder die fast wilde „The First“, die leicht verwildern und dauerhaft sind.

Auch bei den botanischen Tulpen des Typs „fosteriana“ und den „Darwin-Hybrid“-Arten stehen die Chancen auf Dauerhaftigkeit gut – Garantien gebe es allerdings nie. Gute Erfahrungen gebe es hier mit den Sorten „American Dream“, „Disneyland Paris“, „Beauty of Spring“, „Blushing Impression“, „Exotic Emperor“, „Hakuun“, „Janis Joplin“ und „Purissima“.

Vermehren sich leicht: Robuste Wildformen wie die rot-gelbe Tulipa „Tinka“.

Immer beliebter werden auch Wildtulpen, die robust und wahre Bienenmagnete sind. Sie kommen jahrelang wieder und breiten sich noch dazu gerne aus. „Die Blüten der Tulipa turkestanica beispielsweise zeigen lustig-lebhaft und wildchaotisch in alle Richtungen – so ganz anders als die kultivierten Tulpen, die häufig kerzengerade auf ihren Stängeln stehen“, sagt van der Veek. Durch Brutzwiebeln und Aussaat erobert diese Tulpe große Gartenbereiche und bildet dichte Tuffs, die einen jahrelang erfreuen.

Zum Verlieben mit beeindruckendem Farbwechsel: Tulipa „Hugs & Kisses“. Eine Lieblingstulpe von Carlos van der Veek.

Trotz all der Auswahl hat der Blumenzwiebelspezialist auch einen ganz persönlichen Liebling, die neue Tulipa „Hugs & Kisses“: „Wenn sich ihre grünen Knospen öffnen, entfalten sich buttergelbe Blüten, die bald zu schneeweiß wechseln, nur um kurz darauf ganz subtil einen verführerischen, rosafarbenen Lippenstift aufzutragen. In voller Blüte beeindruckt sie schließlich mit der ganzen Palette an Rosa- und Rottönen.“

Info: fluwel.de.

Expertentipp

„Tulpenzwiebeln mögen es gern kühl“, rät Experte Carlos van der Veek mit Blick auf den besten Pflanztermin: „Achten Sie auf die Blätter der Bäume. Verfärben sich diese und fallen herunter, ist die richtige Zeit gekommen. Große Tulpenzwiebeln sollten etwa zehn Zentimeter tief und mit etwa zehn Zentimeter zueinander gesetzt werden (ein gutes Hilfsmittel ist die eigene Handbreite). Für kleine Wildtulpen reichen jeweils fünf Zentimeter. In Gefäßen reicht ein Abstand von wenigen Zentimetern für einen schönen, vollen Blütentopf. Besonders natürlich wirkt es, wenn man die Blumenzwiebeln lose aus der Hand streut und sie dort pflanzt, wo sie hingefallen sind. In jedem Fall gilt: Man sollte aus dem Vollen schöpfen, denn in der Masse machen später die Blüten einfach mehr her.“

Mehr Tipps gibt es hier: Hier gibt es Tipps zum richtigen Einpflanzen.

Buchtipp: „Tulpen“ von Jane Eastoe

Schöner kann man die Liebeserklärung an eine Blume wohl kaum zwischen zwei Buchdeckel packen, diese hier noch dazu in äußerst edler Aufmachung. Die englische Gartenjournalistin Jane Eastoe präsentiert mit „Tulpen“ ein hervorragend bebildertes und mit vielen historischen Details gespicktes Standardwerk über die wohl vielseitigste aller Frühlingsblumen.

Lebenslustige Wildprinzesschen werden ebenso vorgestellt wie extravagante Drama-Queens, deren Zauber überwältigt, aber manchmal leider nur einen Frühling lang währt. Die technisch exzellenten und ausdrucksstarken Nahaufnahmen, die den Betrachter aus oft ungewöhnlicher Perspektive mitten in die Seele der Blüte blicken lassen, stammen von der preisgekrönten englischen Fotografin Rachel Warne.

In Eastoes fachkundigen und mit praktischen Pflanzanleitungen für den Garten versehenen 50 Blumenporträts stecken viel Herzblut und noch mehr Pflanzenliebe – ein Lesegenuss für jeden Tulpenliebhaber. Kostprobe: „Vollständig geöffnet ähnelt die Blüte der „Abba“ einem gerafften Unterrock aus der Zeit der Can-Can-Tänzerinnen“.

„Tulpen“ von Jane Eastoe, 50 Sorten im Porträt mit Fotos von Rachel Warne, Hardcover, Prestel Verlag, 240 Seiten, 26 Euro.

Stauden und Zwiebelblumen ergänzen sich fabelhaft

So herrlich der bunte Flor der Zwiebelblumen im Frühling leuchtet, so endlich ist leider auch seine Pracht: Wenn Schneeglöckchen die Köpfchen hängen lassen, Tulpen und Narzissen verblüht sind, bietet das welke Laub keinen schönen Anblick, darf aber, damit die Zwiebel Kraft sammeln kann, nicht vorzeitig entfernt werden. Was nun? Hier kommen die vielseitigen Stauden ins Spiel, die mit ihrem kräftig austreibendem Laub nicht nur den passenden Kontrast zu den Frühlingsblühern setzen, sondern auch ihre ersten Blütenstände mit denen der Frühlingsblüher verweben und gnädig Blüten und Blätter über welke Zwiebelpflanzenblätter ausbreiten.

Zudem lassen sich Stauden und Zwiebelblumen oft geschickt – und noch dazu mit Vorteilen für alle Beteiligten – kombinieren: Zierlauch, Narzissen und Tulpen können zum Beispiel mit ihren Blüten glänzen, bis Flammenblume, Storchschnabel und Gräser anschließend das Regiment übernehmen. Wie man die Blütezeit im Garten vom Vorfrühling bis zum Spätherbst ausdehnen kann, erklärt die österreichische Gartenbuchautorin Katrin Lugerbauer in ihrem detaillierten und reich bebilderten Praxisratgeber „Blütenreich“. Statt eindrucksvoller (aber kurzlebiger) Tulpen-Monokulturen stehen hier naturnahe Pflanzengemeinschaften im Vordergrund.

Aufeinander folgende Zwiebelblumen und Knollen können zwischen Stauden eingewoben und sogar in Etagen gepflanzt werden, um ganzjährig für wechselnde Blüteneffekte im Beet zu sorgen. Dazu müssen keineswegs Beete völlig neu angelegt werden, mit Zwiebelblumen lassen sie sich auch im Nachhinein aufwerten.

Buchtipp: „Blütenreich“ von Katrin Lugerbauer, gebunden, 167 Seiten, 185 Fotos, blv, 19,99 Euro; mehr von der Autorin hier.

(Gisela Busch)

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