Überlebenstipps im Überblick

Weihnachtssterne müssen nicht im Müll landen: So retten Sie diese besonderen Pflanzen

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Am liebsten im klassischen Rot, aber auch in Rosa oder Weiß: Weihnachtssterne gehen jetzt im Gartencenter Meckelburg in Fuldabrück weg wie ofenwarme Plätzchen, freut sich Kerstin Cames, Blumen- und Zierpflanzengärtnerin.

Er steht jetzt bei vielen in strahlendem Rot daheim: der Weihnachtsstern. Die Pflanze ist leider oft nur ein Wegwerfprodukt. Doch man kann etwas dagegen tun. So hält der Weihnachtsstern auch nach Weihnachten lange durch.

Die wild wachsende Schönheit aus den tropischen Laubwäldern Mittel- und Südamerikas wäre wohl vor den bewundernden Blicken der Weltöffentlichkeit verborgen geblieben, hätte es Joel Roberts Poinsett nicht gegeben. Vor genau 190 Jahren verliebte sich der amerikanische US-Botschafter und begeisterte Amateurbotaniker bei einer Reise nach Mexiko in das rotblühende Wolfsmilchgewächs und nahm es mit heim nach Greenville/South Carolina. Von dort aus trat der Weihnachtsstern (nach seinem Entdecker auch „Poinsettie“ genannt), als winterblühende Zierpflanze mit dem botanischen Namen „Euphorbia pulcherrima“, einen wahren Siegeszug rund um die Welt an. 

Vor allem in Deutschland gilt der Weihnachtsstern zur Vorweihnachtszeit als meistgekaufte Topfpflanze und wird von Züchtern neben dem klassischen Rot inzwischen in etlichen Farben und Formen angeboten. Egal ob mit Glitzerpulver bestreut, mit Nippes bestückt oder gar mit quietschbunten Farbsprays traktiert – der in allen Pflanzenteilen giftige Stern erträgt es mit Fassung, liebt unsere Heizungswärme und dankt etwas Pflege mit zuverlässiger Pracht. Dafür lieben wir ihn – zumindest bis zum Weihnachtsfest.

Nach dem Fest wird Weihnachtsstern zur Wegwerfpflanze

Kaum sind die Feiertage vorüber, erwartet die meisten Prachtsterne aber das traurige Schicksal vieler „Wegwerfpflanzen“: Nach sechs bis acht Wochen im Rampenlicht sind die eigentlichen erbsengroßen Blüten verblüht und das knallige Rot der sie umgebenden Hochblätter (Brakteen) weicht der Natur folgend spätestens bis März unscheinbarem Grün.

„Es wäre viel schöner, wenn die tolle Pflanze nicht Weihnachtsstern hieße“, bedauert Jürgen Vollmecke, Verkaufsleiter beim Gartencenter Meckelburg in Fuldabrück (Kreis Kassel) diese nur kurzlebige Zuneigung. Ist doch Poinsettia „eigentlich eine ideale Zimmerpflanze“. Nach Weihnachten sei sie aber hierzulande praktisch unverkäuflich. Ganz anders in Frankreich, wo der Stern als „Etoile d‘amour“ geschätzt und gern auch zum Muttertag verschenkt wird.

Schön wie Schnee zur Weihnachtszeit: Die tropische Zimmerpflanze wird auch in strahlendem Weiß angeboten.

Wegen ihrer Temperaturempfindlichkeit (tagsüber um 20 Grad, nachts nicht unter 15 Grad), sei es schon beim Kauf im guten Fachgeschäft sehr wichtig, die Pflanze bei winterlicher Kälte warm in Papier verpackt nach Hause zu transportieren, da ihr Kälteschocks sehr zusetzen können. Wenn, wie oft im Discounter oder Baumarkt, diese Temperaturanforderungen nicht berücksichtigt werden, verlieren die Sterne bald Blätter oder gehen sogar ein. Auch sei es ein Frischezeichen, wenn beim Kauf die winzigen Blütenknospen im Zentrum der roten Hochblätter noch geschlossen sind.

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Weihnachtsstern richtig pflegen

Wer seinen Weihnachtsstern auch nach dem Fest vorm Untergang bewahren und nächste Weihnachten zu neuer Pracht entwickeln möchte, für den hat Spezialist Vollmecke ein paar Tipps parat:

  • Heller Standort ohne Zugluft auf der Fensterbank bei 20 Grad, in der Nacht nicht unter 15 Grad.
  • Einmal pro Woche düngen bis zum Ende des Sommers.
  • Sparsam gießen oder einmal pro Woche in handwarmem Wasser eintauchen. Staunässe ist Gift!
  • Mitte Mai in frische Erde (gerne Kakteensubstrat) in gleichgroßen Topf umpflanzen, fürs kompakte Wachstum fast wie einen Bonsai kräftig zurückschneiden. Den Sommer über entweder auf der Fensterbank immer leicht feucht halten oder (erst nach den Eisheiligen) an halbschattigem Platz im Freiland einsenken.
  • Wichtig: Als „Kurztagspflanze“ misst der intelligente Weihnachtsstern die Tages- und Nachtlänge und entwickelt nur im Wintermodus die typischen roten Hochblätter. Er darf zwölf Wochen lang nur noch zwölf Stunden Tageslicht erhalten, um bis Weihnachten zu blühen. 
  • Noch ein Tipp: So färben sich Weihnachtsstern-Blätter wieder rot Das Vorgaukeln von Hell-/Dunkelphasen ermöglicht auf Wunsch übrigens auch einen anderen Blühzeitpunkt. Während Gärtnereien dazu Folientunnel einsetzen, muss unser Zimmerstern ab Oktober zurück ins Haus und braucht fortan jede Nacht zwölf Stunden totale Finsternis. „Zehn Wochen lang immer nachts ins fensterlose Bad oder in einen Schrank“, empfiehlt Völlmecke. Wer den Pflegeaufwand bis zur Adventszeit durchhält, wird bis zum Fest mit tiefroter Pracht belohnt. 

Die Geschichte des Weihnachtssterns

Vor fast 200 Jahren verliebte sich Joel Roberts Poinsett, der erste US-amerikanische Botschafter in Mexiko, in die dort wild wachsenden Weihnachtssterne. 1828 nahm der begeisterte Amateurbotaniker einige Pflanzen aus der Gegend um Taxco del Alarcon mit nach Hause und schickte sie an Freunde und botanische Gärten im ganzen Land. In einer Gärtnerei in Pennsylvania wurde die Pflanze erstmals unter ihrem botanischen Namen „Euphorbia pulcherrima“ verkauft.

Bereits 1804 hatte der Naturforscher Alexander von Humboldt die Pflanzenart von seiner Amerikareise erstmals nach Europa mitgebracht. Bei den Azteken hieß der Stern Cuetlaxochitl (Leder-Blume) und war angeblich eine Lieblingspflanze von Moctezuma II. Etwa ab 1919 züchtete die aus Magdeburg stammende Auswandererfamilie Ecke in Kalifornien die Poinsettie als Schnitt- und „Weihnachtsblume“. Im Gedenken an den Entdecker und Namensgeber führte der US-Kongress 1852 den „Poinsettia Day“ ein, der seither in den USA am Todestag seines Entdeckers, dem 12. Dezember, gefeiert wird.

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Von Gisela Busch

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