Kühle Oasen mit Waldatmosphäre zm Aufatmen

So schön ist es im Schattengarten

Ein Sehnsuchtsort bei Sommerhitze ist der schattige Laubwald.
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Sehnsuchtsort bei Sommerhitze: der Laubwald. Man kann aber auch zuhause mit der richtigen Bepflanzung Schattenplätze anlegen und ungenutzte, dunkle Gartenecken in wohlige Oasen verwandeln.

Wohin nur entfliehen bei sommerlicher Hitze? Als Wohlfühlort ist ein Laubwald zwar perfekt, aber leider hat nicht jeder einen direkt vor der Haustür. Zum Glück sind aber auch im Garten unter Bäumen und Sträuchern kühle und schattige Bereiche möglich, die eine besondere Ausstrahlung haben und etwa mit einem kleinen gepflasterten Sitzplatz zum Entspannen einladen.

Waldatmosphäre

Im Schatten sind die Farben weniger grell und das Licht wirkt sanfter als in Gartenbereichen, die von der Sonne durchflutet werden. Zartere Farbnuancen bei den Blüten und Blattschmuck in verschiedene Formen und Grüntönen bestimmen das Bild. Dazu kommt ein feines Wechselspiel von Licht und Schatten. Wie man mit den passenden Pflanzen und etwas Geduld erquickende Waldatmosphäre schaffen kann, erklärt die österreichische Gartenbuchautorin und Garten-Bloggerin Katrin Lugerbauer.

Katrin Lugerbauer ist Garten-Bloggerin und Autorin erfolgreicher Gartenbücher.

Gehölze und Pergolen

Sind (noch) keine größeren Bäume im Garten vorhanden, kann man für den „schnellen Schatten“ auch ein Gehölz nehmen, das rasch wächst: „Auf feuchteren und nährstoffreichen Böden wäre das zum Beispiel eine Weide (die wäre auch super für Wildbienen), bei mehr Trockenheit lieber eine Robinie (Robinia pseudoacacia), ein Spitzahorn (Acer platanoides) oder eine Zierkirsche (Prunus serrulata). Auch Haselnuss, Faulbaum und Felsenbirne werfen schon nach drei, vier Jahren Schatten“, sagt Lugerbauer. Sonnenschutz bietet in kurzer Zeit eine Pergola, die von Kletterpflanzen erobert wird. Potenzial fürs Schattengärtnern bietet für den Anfang aber auch die Nordseite von Gebäuden.

Stauden wie Funkien und Salomonssiegel fühlen sich im Schattengarten wohl.

Geeignete Schattenpflanzen

Vor dem Pflanzenkauf lohnt es sich, darauf zu achten, wie sich das Licht im Garten im Tagesverlauf verändert. Geeignet sind grundsätzlich viele Blattschmuckstauden und Farne. Schattensträucher wie Hortensien sind pflegeleicht, brauchen aber viel Wasser. Beliebt sind auch Rhododendren und Azaleen, die aber, so Lugerbauer, unbedingt sauren Boden verlangen, „Hat man den nicht, rate ich aus ökologischen Gründen von einer Bodenveränderung durch Torf oder Spezialerde ab“. Es sei unverantwortlich, wegen eines hübschen Strauchs, für den es viele Alternativen gebe, den Abbau der Moore voranzutreiben.

Grundsätzlich gilt: Je humoser, weicher und waldartiger der Boden ist, desto wohler fühlen sich Farne und frühlingsblühende Waldstauden wie Buschwindröschen, Primeln, Hundszahn, Frühlingsplatterbsen und später auch Salomonssiegel, Tränendes Herz, Geißbart, Astilben und andere Stauden. Wegen ihres dekorativen Blattschmucks fallen Schaublatt, Funkien, Farne, Tafelblatt und Purpurglöckchen auf.

Weiße Blütenrispen überm Laub zeigen diese schattenliebenden Prachtspieren (Astilben).

Panaschiertes Grün

Bei all dem Blattgrün muss auf Farbe dennoch nicht verzichtet werden. Dunkle Stellen lassen sich sehr edel aufhellen mit weißen Blüten, teppichbildende Blumenzwiebeln sorgen im Frühjahr, wenn das Laub noch fehlt und die Sonne den Boden erreichen kann, für Kontraste.

„Man braucht aber gar nicht immer Farbe“, sagt die Gartenbloggerin. „Wer mehrere Gartenteile hat, kann das kühle Grün einer Schattenpartie ganz bewusst genießen.“ Allein schon die Vielfalt an panaschiertem Laub von hell bis dunkellila könne eine Augenweide sein – man denke nur an viele mehrfarbige Funkien-Sorten, das Kaukasusvergissmeinnicht „Jack Frost“, panaschierte Sterndolden und Lilientrauben bis hin zum außergewöhnlichen Schwarzen Schlangenbart.

Mit Stauden in Töpfen kann man auch extrem trockene Schattenbereiche mobil begrünen, vorn Funkien mit üppigen Blattschmuck.

Bodenverbesserung und Topfgarten

Zur Bodenverbesserung und für mehr Waldatmosphäre in schattigen Gartenbereichen sei das Mulchen – also das Bedecken des Bodens mit unverrottetem organischen Material – unerlässlich und die beste Methode. Am besten eignet sich dazu Laub, etwa von Obstbäumen, das laut der Gartenexpertin auch mit dem Rasenmäher zerkleinert werden kann, falls es zu grob ist. Feine Holzhäcksel sind ebenfalls geeignet. Nur Walnussbaumlaub und Rindenmulch hemmt aufgrund der Gerbstoffe in der Rinde das Wachstum der Pflanzen und ist daher kontraproduktiv. Wo wegen Trockenheit dennoch kaum etwas gedeiht, etwa unter alten Bäumen mit ausgeprägtem Wurzelwerk, ist immer noch ein Topfgarten möglich. Funkien eignen sich dafür hervorragend.

Versteckt man die Töpfe zwischen robusten Bodendeckern wie Immergrün, Efeu und hübsch panaschierten Taubnesseln verschwinden diese optisch, sorgen aber in der Umgebung für besseres Wachstum. Bloß ums Gießen ab und zu kommt man dann nicht herum.

Buchtipp: Schattenstauden – die dunkle Seite Ihres Gartens, von Katrin Lugerbauer, Verlag Ulmer, Preis 24,90 Euro. Gartentipps gibt’s auf Instagram (@katrinlugerbauer) und unter hardy-geranium.blogspot.com

Eine Auswahl schöner Schattenpflanzen:

Gehölze: Bauern-Hortensien (Hydrangea macrophylla-Sorten), Silberkerzenstrauch (Clethra alnifolia), Lorbeerkirschen (Prunus laurocerasus-Sorten), Stechpalmen (Ilex-Arten und -Sorten), Mahonien (Mahonia-Arten und -Sorten). Bei sauren und humosen Böden auch Schattenglöckchen (Pieris japonica), Rhododendron- und Azaleen-Arten.

Bodendecker: Klein-/Großblättriges Immergrün (Vinca minor/major), Efeu (Hedera), Dickmännchen (Pachysandra), Waldmeister (Galium odoratum).

Kletterpflanzen: Efeu (Hedera helix), Geißblatt (Lonicera), Waldrebe (Clematis viticella), Spalthortensie (Schizphragma fauriei).

Stauden: Funkien-Arten (Hosta), Prachtspiere (Astilbe), Tränendes Herz (Dicentra), Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Elfenblumen-Arten (Epimedium), Frauenmantel (Alchemilla mollis), Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), (Sterndolde (Astrantia), Bergenie (Bergenia cordifolia), Schaublatt (Rodgersia-Arten), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla), Silberkerze (Cimicifuga), Kelchiges Johanniskraut (Hypericum calycinum), Waldsteinie (Waldsteinia ternata), Herzblättrige Schaumblüte (Tiarella cordifolia), Taubnessel (Lamium maculatum), Sperrige Aster (Aster divaricatus)

Farne und Gräser: Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), Schildfarn (Polystichum braunii), Schnee-Marbel (Luzula nivea), Wald-Marbel (Luzula sylvatica), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Segge (Carex), Japangras (Hakonechloa).

Manche Pflanzen wie Buchsbaum, Hainbuche, Liguster, Bergenien, Frauenmantel und Eisenhut gedeihen in der Sonne ebenso problemlos wie an lichtarmen Plätzen. Als Regel gilt hier zu beachten: Je sonniger der Standort, desto feuchter sollte der Boden sein.

Von absonnig bis tiefdunkel - Licht und Schatten

Schatten ist nicht gleich Schatten: Das muss man beachten, wenn es um den richtigen Standort für Schatten-Pflanzen geht, informiert das Onlineportal gartendialog.de. Von absonnig spricht man, wenn ein Standort zwar hell ist, etwa reflektierendes Licht durch helle Mauern erhält oder über Mittag vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt ist. Lichter Schatten bedeutet, dass trotz des Blattwerkes darüber ein Teil des Sonnenlichts auf den Boden durchdringt. Es gibt also einen ständigen Wechsel zwischen kurzen Schattenzeiten und sonnigen Abschnitten. Im Halbschatten bekommen Pflanzen etwa drei bis vier Stunden Sonne und liegen den restlichen Tag ganz im Schatten. Im Vollschatten ist es dauerhaft dunkel (etwa unter Nadelbäumen und immergrünen Sträuchern und an der Nordseite von Gebäuden). Nur echte Schattenpflanzen gedeihen hier.

Eine große Rolle spielt auch die Beschaffenheit des Bodens, der verdichtet, durchwurzelt, humos oder lehmig sein kann. Wenn sich Rasen schwer tut, liegt das oft nicht nur am Lichtmangel, sondern daran, dass der Boden von den Bäumen ausgelaugt ist, stark durchwurzelt oder die Humusschicht komplett fehlt (oft unter flach wurzelnden Bäumen wie Birken oder vor Thujahecken). Tipp: Mit dem Spaten ein Loch graben – geht das nur schwer oder gar nicht, können auch Pflanzen dort nicht wurzeln. Dann muss entweder neue Erde aufgeschüttet werden oder man gärtnert mit Töpfen, in denen sich Schattenpflanzen wie Funkien besonders wohl fühlen.

(Von Gisela Busch)

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